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Dinslaken: Der Mörder und sein Richter

VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 15.01.2008

Dinslaken (RPO). Ein „Requiem auf den Kriminalroman“ nannte Friedrich Dürrenmatt seinen Roman „Das Versprechen“.

Die Burghofbühne inszeniert die dramatisch-realistische Geschichte ganz im Sinne des Schweizers – ohne Happy-End.
Ein düsterer Wald dient als Kulisse des dramatischen Dürrenmatt-Stücks. Intendant Thorsten Weckherlin (links), Erwin Kleinwechter (rechts) und seine Schauspielerkollegen werden sie in den einzelnen Szenen zu einer Tankstelle, einem Verhörraum oder einem Polizeipräsidium umfunktionieren.   Foto: RPO
Ein düsterer Wald dient als Kulisse des dramatischen Dürrenmatt-Stücks. Intendant Thorsten Weckherlin (links), Erwin Kleinwechter (rechts) und seine Schauspielerkollegen werden sie in den einzelnen Szenen zu einer Tankstelle, einem Verhörraum oder einem Polizeipräsidium umfunktionieren. Foto: RPO

Bis zu welchem Grad heiligt der Zweck die Mittel? Eine der Fragen, die das Landestheater Burghofbühne mit dem Schauspiel „Das Versprechen“ am Freitag, 8. Februar, auf die Bühne der Kathrin-Türks-Halle bringen wird. Streng nach dem gleichnamigen Roman Friedrich Dürrenmatts inszeniert Thorsten Weckherlin die Bühnenfassung Lars Helmers und stellt sich, mit Dürrenmatt sozusagen, gegen den Film „Es geschah am helllichten Tag“, der 1958 mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe bekannt wurde. Statt des befriedigenden Happy Ends und des fernsehtauglich geglätteten Handlungsverlaufs, den die Produzenten Dürrenmatts Rohfassung damals aufgezwangen, verlangen Weckherlin und seine Schauspieler dem Publikum ein eigenes Urteil ab. „Wann wird aus Recht Unrecht? Wann verkehrt sich das Gute ins Gegenteil?“

Info

Der Vorverkauf läuft

Eintrittskarten für die Premiere am Freitag, 8. Februar, 20 Uhr in der Kathrin-Türks-Halle, gibt es im Bürgerbüro (02064-66222) und unter www.ticket-online.de für 16 Euro, zzgl. VVK-Gebühren, oder für 19 Euro an der Abendkasse.

Das Bauchgefühl flüstert

Nun, spätestens zu dem Zeitpunkt, würde man meinen, wenn ein erfahrener und etwas kauziger Kommissar seinen Job an den Kollegen (gespielt von Leif Scheele) abgibt, eine Tankstelle pachtet und eine Mutter mit ihrem Kind bei sich aufnimmt, um einen Mörder zu ködern. Dass der Täter ein zweites Mal zuschlagen, dass er wieder ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen ermorden wird, flüstert Kommissar Matthäi sein Bauchgefühl zu. Die Fakten indes sagen etwas anderes, nämlich dass der Täter längst ergriffen wurde, ja sogar gestanden und sich anschließend selbst erhängt hat. Umso blinder stürzt sich Matthäi im Alleingang in die Ermittlungen, richtet sein ganzes Leben nach der Mördersuche aus, und scheitert schließlich, beruflich wie persönlich, an der schicksalhaften Unlösbarkeit des Falls.

„Matthäi will das Gute und macht dabei das Gute kaputt“, sagt Anton Schieffer über seine Rolle. Sein Widersacher, der brutale Mörder Schrott, wird von Erwin Kleinwechter stumm, aber durchaus nachdrücklich verkörpert. Es wird reichen, wenn der mächtige Mann das kleine Mädchen (abwechselnd gespielt von den neunjährigen Schülerinnen Jasmin Ernst und Hanna Hülsemann) in einer Szene an der Hand durch den finsteren Requisiten-Wald führt. Es wird reichen, um zu verstehen, dass sich da etwas Schreckliches anbahnt, etwas, das niemand sieht, außer ein Mann, dem keiner mehr glaubt.

„Der Richter ist nicht der Kommissar, der Richter ist nicht das Publikum, der Richter ist eine blöde Bundesstraße. Das macht es so dramatisch“, sagt Thorsten Weckherlin. Richten wird der Zuschauer am 8. Februar also nicht, soviel sei verraten. Einen realistischen Live-Krimi kriegt er geboten. Ohne explodierende Autos und rasante Verfolgungsjagden ist Spannung garantiert. Hautnah und in „Tatort“-Länge: 90 Minuten, ohne Pause. Dafür aber mit feuchten Händen.

Quelle: RP

 
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