Dinslaken: „Die Kirchen setzen Akzente“
zuletzt aktualisiert: 31.10.2006 - 23:00Dinslaken (RPO). Pastor Theo van Doornick über die kirchlichen Feiertage im November und die Bedeutung, die sie heutzutage noch für die Menschen haben. Allerheiligen und Allerseelen sind wichtige Feiertage für die katholische Kirche. Die Menschen gedenken in dieser Zeit nicht nur der Heiligen, sondern auch ihrer verstorbenen Angehörigen. Amelie Lorenz sprach mit Pastor Theo van Doornick über das Fest und dessen Bedeutung für die Menschen.
Wie präsent ist Allerheiligen und Allerseelen bei den Menschen?
Van Doornick Die Feiertage sind sehr präsent. Gerade zu Allerheiligen und Allerseelen besuchen viele Menschen die Gottesdienste, die Kirchen und die Friedhöfe.
Welche Resonanz ist bei den Jugendlichen zu spüren?
Van Doornick Diese Gedenktage lagen bei den Jugendlichen noch nie im Trend. Allerheiligen und Allerseelen sprechen eher die Erwachsenen an, die sich mit Themen wie Trauer, Verlust und Tod befassen.
Wie groß ist der Andrang? Wie feiern und gedenken die Menschen?
Van Doornick Schätzen kann man das schlecht, die Resonanz ist aber recht groß. Es gibt viele verschiedene Wege, die Gedenktage zu feiern: Einige besuchen den Gottesdienst in der Kirche, andere gedenken auf dem Friedhof. Wieder andere kommen zu gar keiner Veranstaltung, sondern erinnern sich ihrer Verstorbenen allein oder mit ihrer Familie. Für viele Menschen werden diese Feiertage aber auch zum Familientreffen, um die Themen zu verarbeiten und das Grab des Angehörigen gemeinsam zu besuchen.
Geschichte
Allerheiligen ist ist ursprünglich das Fest für sämtliche Märtyrer (Blutzeugen) und alle Heiliggesprochenen. Erst an „Allerseelen“ (dem 2.Novembertag) gedachte man früher auch aller Verstorbenen, im besonderen der „armen Seelen im Fegfeuer“. Dieser Feiertag wurde von Abt Odilo von Cluny 998 eingesetzt. Der Überlieferung zufolge hörte er nach einer Allerheiligenfeier die Teufel aus dem Berg „Vulcano“ (bei Sizilien) heulen, „weil ihnen so viele Seelen entrissen würden“. So bestimmte der Abt, dass noch mehr für die Verstorbenen gebetet werden sollte.
Wird es besondere Veranstaltungen in Ihrer Gemeinde geben?
Van Doornick Zu Allerheiligen finden die Gottesdienste wie an Sonntagen statt: In der Sankt Johannes Kirche in Eppinghoven gibt es um 15 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst mit Friedhofsgang. Auf dem Parkfriedhof an der B8 beginnt der Gottesdienst um 16.30 Uhr. In Sankt Vincentius wird zu Allerseelen morgens um 9 Uhr ein Gedenkgottesdienst gefeiert, in der Heilig-Blut-Kirche um 19 Uhr. Dort werden jeweils die Gemeindemitglieder, die in der letzten Jahr verstorben sind, namentlich erwähnt.
Suchen die Menschen in diesen Tagen, an denen Tod und Verlust eine zentrale Rolle spielen, mehr Beistand und Rat?
Van Doornick Die Menschen besinnen sich im November intensiver, sie gehen mehr in sich. Das hat aber allgemein etwas mit diesem dunklen Monat zu tun, nicht nur mit den Feiertagen.
Das heutige Halloween ist schon fast populärer als die kirchlichen Feiertage. Wie sehen Sie dieser Entwicklung entgegen?
Van Doornick Halloween ist für die Werbung ein gefundenes Fressen. Ich finde diesen Trend sehr daneben, aber leider ist es das Resultat der heutigen Spaßgesellschaft. Friedhöfe kann man nicht kommerzialisieren, das entspricht nicht dem Sinn der Einrichtungen. Die Kirchen setzen durch die Feiertage Akzente. Das Leben ist nicht immer nur spaßig.
Was kann man gegen den Trend tun?
Van Doornick Die Menschen müssen selber nachdenken und sich dann bewusst entscheiden, was ihnen wichtig ist. Vielleicht spüren sie dann, dass Allerheiligen/Allerseelen viel tiefer gegründet ist als dieser oberflächliche Spaß an Halloween.
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