Dinslaken: Die Rückkehr des schönen Martin
VON FLORIAN LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 10.11.2008Dinslaken (RPO). Seit 190 Jahren lagerten die zwei Holzfiguren Sankt Martin und der Bettler verunstaltet und Holzwurm zerfressen im Pfarrhaus. Pastor Ronny Schneider konnte das nicht länger ansehen und fand eine Restauratorin. Nun sind die Figuren neu aufgearbeitet in der Stadtkirche zu sehen.
„Die Figuren waren eine einzige braune Soße“, beschreibt Pfarrer Ronny Schneider den Zustand der beiden Holzfiguren vor ihrer Restaurierung. Die ursprünglichen Coloration von Sankt Martin auf seinem Pferd und die des vor ihm knienden Bettlers waren dick mit brauner Farbe übermalt. Viele Details der Figuren waren nicht mehr sichtbar, das Braun machte die Figuren eher langweilig und selbst der Schimmel, auf dem der Heilige reitet, war, mit brauner Farbe beschmiert, nicht mehr als solcher zu erkennen.
Restauration gelungen
„Ich wollte die Figuren schon länger restaurieren lassen, wusste aber keinen Experten“, sagt Pfarrer Ronny Schneider weiter. Dabei wurde es für die Figuren, die vermutlich vom Anfang des 16. Jahrhunderts stammen, höchste Zeit, denn auch Holzwürmer machten ihr zu schaffen. Zum Glück fand Schneider dann in Diplom-Restauratorin Susanne Maubach aus Goch-Hülm doch noch eine geeignete Ansprechpartnerin für die Aufarbeitung der Holzfiguren. Diese ist absolut gelungen.
Geschichte
Die Figuren standen ursprünglich in der Gasthauskirche, wo heute die Bibliothek zu finden ist. Seit deren Abriss (1817) wurden sie im Pfarrhaus aufbewahrt.
Die ursprüngliche Farbschicht auf dem Holz wurde wieder freigelegt. Aus einem Engelsgesicht mit fein geschnittenen Zügen blickt der Heilige von seinem nunmehr wieder grau-weißen Ross nach unten auf den Bettler. Rot leuchtet Martins Mantel, blau und mit goldenen und silbernen Ornamenten ist der Rest seiner Kleidung verziert. Auch sein Pferd sieht mit vergoldetem Geschirr edel aus. Nur der Schwertarm fehlt dem Heiligen, die Mantelteilung ist jedoch klar erkennbar. „Da es keine Aufzeichnungen oder andere Vorlagen von der Figur gibt, wollten wir den Arm nicht einfach nachbilden“, sagt Susanne Maubach. Dafür hat aber der Bettler, der als eigenständige Figur vor dem Pferd kniet, eine neue Nase bekommen.
„Der wirkt nun sehr viel ansprechender als vorher“, meint Ronny Schneider und verweist auf ein Foto der Holzfiguren, vor deren Restauration. Wobei „ansprechend“ ein relativer Begriff bleibt, denn es handelt sich bei dem Bettler um einen Krüppel. Füße und ein Arm fehlen, gewollt wohlgemerkt. Es sind Blutstropfen zu sehen und die Beine laufen in eitrigen Stümpfen aus. Der Bettler als Sinnbild des Lebens abseits der Gesellschaft.
Doch die mehreren hundert Arbeitstunden die Restauratorin Susanne Maubach investiert hat, um die ursprünglichen Farben und Details der Figur wieder freizulegen, haben sich gelohnt. Jetzt soll für die rund 500 Jahre alten Holzfiguren ein würdiger Platz in der Stadtkirche gefunden werden – wo die Figuren bewundert werden können.
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