Dinslaken: Die Stützen der Gesellschaft
VON ULRICH SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 11.07.2009Dinslaken (RPO). hintergrund Je leerer die öffentlichen Kassen und je unsicherer die sozialen Gefüge, desto wichtiger wird für ein Gemeinwesen das Ehrenamt. In Dinslaken vermittelt eine Freiwilligenzentrale hilfsbereite Menschen an Vereine, Verbände und Institutionen, die Ehrenamtler brauchen.
Man kann in der Gegenwart bleiben, um zu erläutern, warum die Bedeutung des Ehrenamtes wächst: Die öffentlichen Kassen sind leer, Zuschüsse an Vereine und Verbände sinken oder müssen gestrichen werden, lange selbstverständliche Leistungen entfallen.
Lore Penzel, seit zwei Jahren Leiterin der Dinslakener Freiwilligenzentrale, geht für ihre Erklärung in die Vergangenheit: Die sozialen Gefüge – Familie, Nachbarschaften, Notgemeinschaften – waren früher stabiler, boten mehr Sicherheit. "Deshalb sind heute das Ehrenamt und eine Freiwilligezentrale als Schnittstelle zwischen Interessenten und Suchenden so wichtig."
Wer kommt zur Freiwilligenzentrale? Das Alter der Interessenten liegt zwischen 17 und 80 Jahren, überwiegend sind sie 50 und älter. Ihre Motivation: Helfen, damit der auch nach dem Berufsleben noch bestehende Elan nicht unnütz versiegt; helfen, um von selber erfahrenem Glück etwas abzugeben.
Muss ein Ehrenamtler bestimmte Voraussetzungen erfüllen? Keine außer Hilfsbereitschaft und Zeit. "Wir lehnen niemand ab, man muss nur die richtige Aufgabe finden", betont Lore Penzel und ergänzt: "Ich bin ein ganz ausgezeichnete Zuhörerin, nach einem Gespräch mit den Interessenten habe ich eine sehr genaue Vorstellung, welche Aufgabe sich eignet." Wichtig ist ihr auch der Kontakt nach der Vermittlung, um zu erfahren, ob sich Wunsch und Ehrenamt tatsächlich decken. Bei Unzufriedenheit wird ein neuer Anlauf unternommen. Mitunter verändern sich die Kandidaten aber auch auf eigene Initiative; zählen sie erst zum Ehrenamtlernetzwerk, eröffnen sich Lore Penzel zufolge mitunter Alternativen von selber.
An wen werden die Ehrenamtler vermittelt? Gemeinnützige Verbände, Vereine, Institutionen, Gruppierungen, die sich im sozialen, kulturellen oder ökologischen Bereich engagieren. Sie suchen Hilfe sowohl für einmalige als auch für regelmäßige Aufgaben.
Wird die Leistung vergütet? Es gibt kein Entgelt, das würde die Idee des Ehrenamts konterkarieren. Gegebenenfalls kann ein Fahrgeld ausgehandelt werden. Eine Unfallversicherung besteht. Die Freiwilligenzentrale bietet andere Formen der Belohnung: Einmal im Jahr werden alle vermittelten Ehrenamtler als Dankeschön zu einem Fest eingeladen. Routiniers tauschen sich dort aus, Neuzugänge knüpfen Kontakte. Ebenfalls als Anerkennung läuft eine Wanderausstellung, in der Ehrenamtler in Wort und Bild vorgestellt werden. Gegenwärtig ist die Ausstellung in der Caféteria des Mutter-Theresa-Hauses der Caritas, Wilhelm-Lantermann-Straße, zu sehen.
Nehmen die Ehrenamtler anderen den Job weg? Wenn jemand einen Ehrenamtler sucht, um dafür eine feste Stelle oder einen 400-Euro-Job streichen zu können, kommt keine Vermittlung zustande. Das ist ein Prinzip der Freiwilligenzentrale.
Wie groß ist das Interesse? In den vergangenen zwei Jahren hat Lore Penzel 50 Ehrenamtler vermittelt.
Wer steht dahinter? Die Freiwilligenzentrale startete im Jahr 2000 als dreijähriges Landesprojekt. Anschließend verständigten sich Stadt und Caritas darauf, das Angebot fortzuführen. Die Caritas ist nun Rechtsträger der Einrichtung. Zum Trägerbündnis gehören neben der Stadt auch noch die Arbeiterwohlfahrt, die Diakonie, das Deutsche Rote Kreuz und der Paritätische Wohlfahrtsverband.
Wo befindet sich die Freiwilligenzentrale? Im historischen Gebäude neben dem Rittertor in der Dinslakener Altstadt, Ritterstraße 1, gegenüber dem Burgtheater. Drinnen herrscht eine sehr einladende, angenehme Atmosphäre. Öffnungszeiten: montags 12.30 bis 16 Uhr, dienstags 8.30 bis 16 Uhr, freitags 8.30 bis 12 Uhr.
Kontakt Lore Penzel, Tel. 02064 970642, E-Mail freiwilligenzentrale@ caritas-dinslaken.de
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