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Dinslaken: Die Stunde der Minimalisten

VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 19.05.2008

Dinslaken (RPO). Mit einem Doppelkonzert beschloss die Jazz Initiative Dinslaken

ihre Jubiläumskonzertreihe. „Zabriskie Point“ enttäuschte, das Philipp van Endert Trio überzeugte.
„Zabriskie Point“ beim Abschluss der Jubiläumskonzertreihe der Jazz Initiative.  Foto: RPO
„Zabriskie Point“ beim Abschluss der Jubiläumskonzertreihe der Jazz Initiative. Foto: RPO

In der Ruhe liegt die Kraft. Zu viel Ruhe macht schläfrig. Was „Zabriskie Point“ am Freitagabend beim Jazz im Mittelpunkt ablieferte, wirkte zu abgeklärt, um noch das Prädikat „besonders wertvoll“ für sich in Anspruch nehmen zu können.

Für gewöhnlich gelingt es dem Trio um den Kölner Vibraphonisten Rupert Stamm mühelos, so behutsam in ferne Klanguniversen vorzustoßen, dass die Schönheit der aus Clubmusik, Ethno und improvisierter Musik gesponnenen Kompositionen ganz unmittelbar wirkt. Diesmal ist es anders.

Und das liegt nicht an der Saxofonistin Angelika Niescier, die anstelle des Schlagzeugers Jochen Krämer das Trio komplettiert. Im Gegenteil. Die gebürtige Stettinerin setzt druckvolle Akzente. Stamms virtuose, aber doch allzu entspannt wirkende Arbeit an den Platten spürbar aufzufrischen oder gar Johannes Gunkel am Tieftöner aus der Reserve zu locken, gelingt ihr nicht. Der erste Teil dieses von der Jazz Initiative zum Abschluss der Jubiläumsreihe präsentierten Doppelkonzerts wirkt fade.

Man wird das Gefühl nicht los, hier stehen drei Musiker auf der Bühne, die eine Pflichtaufgabe erledigen. Dafür gibt es dann auch nur einen kurzen Pflichtapplaus. Keine Zugabe.

Dass es auch anders geht, beweist im Anschluss das Philipp van Endert Trio. Der Kölner Gitarrist steigt in den Abend ein, als wolle er die Stunde der Minimalisten zelebrieren. Spätestens beim zweiten Stück, dem zarten, beinahe fragilen „Heilan Coo“ von der neuen CD „Khilebor“, ist klar, wohin die Reise geht.

In ein Land, in dem drei Jazz-Musiker aus eigenen Ideen ihre eigenen Visionen von Tradition entwickeln und dabei so selbstverständlich den Sprung in die Moderne schaffen, als sei‘s ein Kinderspiel. Van Endert ist reifer geworden. Seine durchweg melodischen Kompositionen weisen deutlich komplexere harmonische Strukturen auf als noch vor ein paar Jahren. Ob er einzelne Linien oder akkordisch spielt – was immer der Gittarist aus seinem Instrument zaubert, klingt dynamisch und hochemotional. Ihm zur Seite steht ein Freund: André Nendza, im doppelten Wortsinn ein Schwergewicht am Bass. Auf den Mann ist Verlass. Nendza arbeitet kraftvoll zu. Er trägt und stützt, wo es sein muss, ist jedoch auch jederzeit bereit, solistisch zu spielen, sobald van Endert sich zurücknimmt. Dabei legt der Musiker eine Sensibilität an den Tag, die bei seinen vorangegangenen beiden Dinslaken-Auftritten allenfalls ahn-, aber noch nicht spürbar war. Hier stehen zwei Jazzer auf der Bühne, die offen miteinander kommunizieren, obwohl sie sich auch blind verstehen. Dass dabei der Dritte im Bunde leicht übersehen, aber nie überhört wird, hat einen einfachen Grund. Schlagzeuger Kurt Bilker ist zwar das rhythmische Rückgrat des Trios und ebenso bekannt wie beliebt für sein präzises Timing. Er macht davon jedoch keinerlei Aufhebens. Es sei denn, es ergibt sich eine der seltenen Möglichkeiten, mal so richtig die Sticks tanzen zu lassen. So wie bei „A Burning Issue“, ein von André Nendza komponiertes und von van Endert als „Angst-Nummer“ angekündigtes Hochgeschwindigkeits-Stück. Es ist schnell, sehr schnell. Und es klingt gut, sehr gut. Diesmal ist das Publikum begeistert.

Kräftiger Applaus. Eine Zugabe. Der Abend ist gerettet.

Quelle: RP

 
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