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Dinslaken: Die Täter auf der Flucht

zuletzt aktualisiert: 12.07.2008

Dinslaken (RPO). Text- und Bildtafeln führen in den Lischka-Prozess ein. Sie zeigen Beate Klarsfeld bei einer Demonstration in Köln zwischen französischen Demonstranten in Häftlingskleidung. 1968 ohrfeigt dieselbe Frau aus Verärgerung über die Verjährung von NS-Verbrechen Bundeskanzler Kiesinger und ruft dazu „Nazi Kiesinger abtreten!“ Auf einem Tisch liegt der berühmte Zeitungsartikel, in dem der Schriftsteller Heinrich Böll erklärt, warum er Klarsfeld für diesen mutigen Protest Blumen schenkte. Daneben erinnern zehn künstliche rote Rosen an den Ohrfeigenskandal, der den Startschuss für die Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Nachkriegsdeutschland gab.

Der Schreibtisch der Täter: Für die Deportation Tausender französischer Juden in die Vernichtungslager mussten sich Kurt Lischka, Herbert Martin Hagen und Ernst Heinrichsohn nicht die Hände schmutzig machen.  Foto: RPO
Der Schreibtisch der Täter: Für die Deportation Tausender französischer Juden in die Vernichtungslager mussten sich Kurt Lischka, Herbert Martin Hagen und Ernst Heinrichsohn nicht die Hände schmutzig machen. Foto: RPO

Der Besucher blickt auf die Porträts aus Frankreich deportierter jüdischer Kinder. Junge Männer in Badekleidung, ein Mädchen mit eine Puppe im Arm, ein Mädchen mit einem Ball. Darunter Sätze wie dieser: „Hélène wurde an ihrem elften Geburtstag in Auschwitz vergast“. Den Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung hat Museumsleiter Dr. Peter Theißen in den kleineren Nebenraum verlagert. Hier betritt der Besucher einen nachgebauten Gerichtssaal. Die Robe des Richters, Dr. Heinz Faßbender, der im Lischka-Prozess die Urteile sprach, hängt auf einem Kleiderbügel an der Wand. Über den Monitor daneben flimmert ein Interview mit Faßbender. Die Urteile liegen zum Nachlesen aus. Die Täterprofile auch. Verbrecher-Karrieren zwischen roten Aktendeckeln. Unbegreifliches, Unbeschreibliches fordert zur Lektüre heraus.

Info

Morgen Eröffnung

Die Ausstellung , die im Jahr 2006 bereits im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln zu sehen war, steht im Zusammenhang mit der siebzigjährigen Wiederkehr der Reichspogromnacht am 10. November 1938. Sie wird morgen, 11 Uhr, eröffnet und bis zum 19. Oktober im Museum Voswinckelshof zu sehen.

Ein Trptychon des Malers Otto Schubert bildet zu den nüchternen Akten einen schrecklichen Kontrast. Man schaut in ein Konzentrationslager, in dem braune Folterknechte ihre Arbeit tun, blickt auf Nackte, Tote und Blut.

Das wohl interessanteste Dokukent flimmert als tonlose Endlosschleife über den Bildschirm eines alten Grundig-Fernsehers. Zu sehen ist dort ein älterer Herrn mit Hut und Aktentasche, der rauchend durch das winterliche Köln geht. Wir schreiben das Jahr 1971. Kurt Lischka ist auf dem Weg zur Arbeit. Harry Dreyfuss verfolgt ihn mit seiner Kamera, holt auf. Der Alte wechselt den Bürgersteig, beginnt zu laufen, dreht um, hält die Aktentasche vors Gesicht, flüchtet in die Straßenbahn. Flimmern. Schnitt.

Hagen im Opel

Noch ein Filmschnipsel, noch ein Kriegsverbrecher. Herbert Hagen überrascht die laufende Kamera in Warstein: Aus dem SS-Sturmbannführer ist ein älterer Herr mit Hornbrille und Hütchen geworden, der aus dem Auto steigt und dem auf ihn einredenden Journalisten droht. Die Kamera richtet sich auf das Gesicht des Täters. Hagen lächelt, bevor in seinem alten Opel Rekord davonfährt.

Fotos
Herbert Hagen, Leiter des Judenreferats, lebte in Dinslaken. Repro: Büttner Foto: RPO
Erinnerungen an einen Skandal: Heinrich Böll bedankte sich bei Beate Klarsfeld mit Rosen, weil sie Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hatte. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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