Dinslaken: Dinslaken braucht Luftreinhalteplan
VON SINA ZEHRFELD - zuletzt aktualisiert: 18.10.2008Dinslaken (RPO). Auf Dinslaken kommt ein Luftreinhalteplan zu. Der könnte zum Beispiel zur Folge haben, dass der Straßenverkehr eingeschränkt wird. Das würde Autofahrer treffen, die eigentlich Schuldigen an der Feinstaubbelastung – die Industrie – aber verschonen, sagen Kritiker.
Der zulässige Grenzwert für Feinstaub liegt bei 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. An der Messstation an der Wilhelm-Lantermann-Straße wurde dieser Wert in diesem Jahr bereits an mehr als 35 Tagen überschritten. Nach Vorgaben der Europäischen Union muss deshalb gehandelt werden.
Der Luftreinhalteplan wird von der Bezirksregierung Düsseldorf erarbeitet. Und die sieht das Problem „nach ersten, vorsichtigen Annahmen“ – die vollständige Ursachen-Analyse steht noch aus – vor allem im Straßenverkehr. Die Wilhelm-Lantermann-Straße sei eben viel befahren und so gelegen, dass der Feinstaub sich in der Luft sammele.
„In der ersten Besprechung sehe ich keine Auswirkungen der Industrie“, so Gerhard Kaltwasser vom Immissionschutzdezernat nach einem Blick in die Akten. „Da reicht womöglich eine LKW-Sperre“, so seine Einschätzung. Auch die Einrichtung einer Umweltzone sei nicht auszuschließen.
Die Feinstaubbelastung durch den Straßenverkehr sei wesentlich geringer als die durch die Industrie in der Region um Dinslaken, argumentiert dagegen die Stadt: „Die pusten uns das Zeug vor die Füße“, sagte Sprecher Horst Dickhäuser.
Das deckt sich mit der Einschätzung von Umweltschützern. „Gerade im Raum Dinslaken sind die Hintergrundbelastungen aus dem Kraftwerk in Voerde ganz deutlich“, sagte Dirk Jansen vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Nordrhein-Westfalen: „Bei Süd-West-Wind gehen die Feinstaubwerte signifikant in die Höhe. Verkehrsbedingte Emissionen sind nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Zudem liegt Dinslaken in der Nachbarschaft zu Duisburg, „einem der Hot-Spots der Feinstaubbelastung“, so Jansen weiter.
Zwar brächten Fahrverbote schnell und unkompliziert Erfolge, die Spitzenwerte würden gesenkt. „Das beseitigt das eigentliche Problem aber nicht“, so Jansen. Dafür müssten die großen „Schadstoffschleudern“ in die Pflicht genommen werden. „Da traut sich die Bezirksregierung aber in den seltensten Fällen ’ran, denn da legt man sich mit der Industrie an.“
Die nächste Gesprächsrunde mit Bezirksregierung, Experten und Vertretern der Stadt ist am 20. November. Die müsse man abwarten, so Horst Dickhäuser. „Wir können von uns aus keine Maßnahmen beschließen und durchsetzen.“
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