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Dinslaken: Dinslaken will's zügig

VON JÖRG WERNER - zuletzt aktualisiert: 17.03.2009 - 10:33

Dinslaken (RPO). Die Kommunen und Bürgerinitiativen demonstrieren zwar Einigkeit im Kampf für einen städtebaulich verträglichen Lärmschutz an der Betuwelinie. Näher betrachtet sind ihre Interessen aber durchhaus unterschiedlich.

Am Bahnübergang Holtener Straße in Dinslaken zählten Mitglieder der Betuwe-Initiative im Jahre 2006 die dort durchfahrenden Züge.  Foto: RPO
Am Bahnübergang Holtener Straße in Dinslaken zählten Mitglieder der Betuwe-Initiative im Jahre 2006 die dort durchfahrenden Züge. Foto: RPO

Emmerich beispielsweise hat 19 Bahnübergänge. Und in sechs Fällen ist die Stadt mit den Lösungen für diese Bahnübergänge, die die Bahn entwickelt hat, nicht einverstanden. Kann es aus ihrer Sicht nicht sein, weil sie eine nicht zu akzeptierende Zerschneidung des Stadtgebiets bedeuten würden. Der hartnäckige Widerstand der Emmericher ist zwar verständlich, könnte aber dazu führen, dass sich der Baubeginn verzögert. In Dinslaken gibt es solche Probleme mit den Bahnübergängen nicht. Es geht nur um zwei – den an der Jägerstraße und den an der Holtener Straße. Beide sollen geschlossen werden, aber es sollen Durchlässe für Radfahrer und Fußgänger entstehen. Eine einvernehmliche Lösung mit der Bahn ist auf gutem Wege.

Dinslakener Interesse ist, so macht Heinz Mülleneisen, Vorsitzender der Dinslakener Betuwe-Initiative, unmissverständlich deutlich, dass das Planfeststellungsverfahren zum Bau des dritten Gleises möglichst zügig über die Bühne geht. Denn das bedeutet, dass die Menschen an der Strecke endlich vor dem Lärm geschützt werden, den die stetig wachsende Zahl von Zügen, die über die Strecke rattern, verursachen. Mülleneisen hat deswegen zwar durchaus Verständnis für die Probleme in anderen Kommunen will sich aber mit seiner Initiative darauf konzentrieren, die Voraussetzungen zu schaffen, dass das Planfeststellungsverfahren für den Dinslakener Abschnitt möglichst reibungslos vonstatten gehen kann.

Info

Bei Problemen

Heinz Mülleneisen empfiehlt allen Betroffenen längs der Schienenstrecke, Probleme, die sie mit den Plänen der Bahn sehen, möglichst schon im Vorfeld des Planfeststellungsverfahren zu klären.

Detaillierte Informationen zum Beispiel über die geplanten Schallschutzmaßnahmen können über die Homepage der Stadt abgerufen werden.

www.dinslaken-bürgerservice.de

Von dort weiter zum Button "Wirtschaft & Wohnen/ Bauen & Wohnen, Stichwort Betuwe.

Bei Fragen steht Mülleneisen Tel. 02064 90982, als Ansprechpartner zur Verfügung.

Das heißt freilich nicht, dass die Initiative bedingungslos akzeptiert, was die Bahn vorschlägt, wie er im Gespräch mit der Rheinischen Post deutlich macht. "Die Bahn muss einen lückenlosen Lärmschutz auf beiden Seiten der Strecke bauen", so lautet die eindeutige Forderung Mülleneisens.

Das sehen deren Pläne bislang allerdings nicht vor. Auf einem großen Teil der Strecke an der Landwehrstraße und der Hügelstraße wohnen auf der vom Bahnhof aus gesehen rechten Seite der Schienen, auf der auch das neue dritte Gleis gebaut werden soll, aus Sicht der Bahn nicht genügend Menschen, um dort eine Lärmschutzwand zu errichten. Sie bietet den betroffenen Anwohnern "passiven Lärmschutz", sprich: Schallschutzfenster.

Das Problem der Anwohner ist aber damit nicht zu lösen, weiß Mülleneisen. "Sie könnten Tag und Nacht kein Fenster aufmachen, wären praktische eingehaust, denn den Garten könnten sie auch nicht nutzen", sagt Mülleneisen. "Die Leute müssten wegziehen." Ein anderes Problem. Einer der betroffenen Anlieger besitzt an der Strecke große Flächen, die durchaus Bauland werden könnten. Wenn die Bahn keinen Lärmschutz dort baut, käme das Mülleneisens Ansicht nach einer Enteignung des Besitzers gleich. Der Grund wäre nichts mehr wert.

Und es geht Heinz Mülleneisen nicht nur um den Schallschutz. Denn die Schallschutzwände dienten auch dem Gefahrenschutz. "Wir sind ja dafür, dass möglichst viele Gefahrgüter über die Schiene transportiert werden müssen", sagt Mülleneisen. "Aber dann müssen auch die Menschen durchgängig geschützt werden."

Dafür, wie notwendig das ist, kann der Vorsitzende die Zahlen der Zugzählungen sprechen lassen, die die Betuwe-Initiative über die Jahre erfasst hat. Während im Jahr 1994 noch täglich 234 Güterwagen durch Dinslaken rollten und acht davon Kesselwagen mit Gefahrgut waren, fuhren im September 2006, dem Datum der bislang letzten Zugzählung, bereits 1867 Güterwagen pro Tag auf der Strecke, 153 davon waren Kesselwagen.

Inzwischen haben die Niederländer Venlo für die Durchfahrt von Gefahrguttransporten gesperrt. Von und nach Rotterdam rollen alle ausschließlich über die Neubaustrecke der Betuwe in den Niederlanden und damit im Anschluss oder im Vorlauf zwangsläufig über die Gleise der Hollandlinie zwischen Emmerich und Oberhausen. Mülleneisen zeigt sich zuversichtlich, dass Stadt und Initiative gemeinsam bei der Bahn den durchgängigen Lärm- und Gefahrenschutz durchsetzen können. Dann, so hofft er, steht einem zügigen Baubeginn nichts mehr im Wege.

Quelle: RP

 
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