Dinslaken: Ein „Da Da Da“ für Busch
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 13.08.2008Dinslaken (RPO). Oft kopiert, nie erreicht: Wilhelm Busch ist einmalig. Warum das so ist, zeigt die Burghofbühne in einem literarisch-musikalischen Bilderbogen. Vorhang auf für „Busch und Tusch“ hieß es beim Fantastival im Burginnenhof.
Er war ein böser Mann mit Rauschebart, ein Zyniker und Menschenfeind, Kettenraucher, Niedersachse. Ein grausamer Humorist, der mit frechem Strich und galliger Dichtkunst Bild- und Sprachwitz so gekonnt vereinte, dass ihm den Titel „Urvater des Comics“ bis heute niemand streitig macht. 1865 gelang Wilhelm Busch – eigentlich wollte er Maler werden – der Durchbruch, und das ausgerechnet mit einer rabenschwarzen Bildergeschichte, an deren Ende Kinder geschrotet aus einer Mühle rieseln und von Gänsen gefressen werden. So ein Mann gehört auf den Sockel, sagt die Burghofbühne und lacht sich eins. Rund 100 Fantastival-Zuschauer lachten mit.
Ausverkauft
Ausverkauft ist seit Wochen der heutige Kabarett-Abend mit „Thekentratsch“ im Burginnenhof. Auch für den morgigen Fantastival-Jazzabend mit „Quadro Nuevo“ gibt es keine Karten mehr.
Ein Wiedersehen mit „Thekentratsch“ gibt es am Freitag, 31. Oktober, 20 Uhr, in Lohberg. Dann tritt das Frauen-Duo im Ledigenheim auf. Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro.
Mit leichter Hand
Lars Helmer hat die Collage-Hommage mit betont leichter Hand inszeniert. Fünf Schauspieler, zwei Musiker und eine Handvoll Requisiten genügen ihm für diese kurzweilige Mixtur aus Kindergeburtstag und literarischer Stehparty. Ein kleiner philosophischer Exkurs, Ansichten über „Hingeschriebenes, das sich wie blöd verkauft“, Verse, die jeder schon mal gehört hat und plötzlich wieder amüsant findet, weil sie so herrlich genau den Kern einer Sache treffen. „Musik wird oft nicht schön empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden.“ Wie wahr.
Dass wenig später der minimalistischste Hit aller Zeiten Auferstehung feiert, ist kein Zufall. „Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“, singt Stefan Ey mit Kummermiene, und Leif Scheele, Iris Kunz und Andreas Mayer fallen mit einem fröhlich-doofen „Da Da Da“ ein. Trio. Passt zu Busch. Ebenso wie „Mein Gorilla hat ne Villa im Zoo“, mit dem Hans Albers seinerzeit den coolen Blonden machte. Oder „Manah Manah“ – bei dem Andreas Mayer ein haarsträubend schräges Solo hinlegt. Auch einem weiteren Brillanten deutscher Schlagerkunst verhilft das Ensemble zu neuem Glanze: Evelyn Künnekes „Allerdings sprach die Sphinx“ klingt bei Iris Kunz so frisch wie vor 50 Jahren. Und Leif Scheeles im Witwe-Bolte-Dress performtes „Wadde hadde dudde da“ ist echt Raab.
Max und Moritz
Wenn’s um Busch geht, kann – das leuchtet ein – Musik nur schmückendes Beiwerk sein. Die Akteure servieren launige Gedichte, spöttische Reime und böse Verse, spielen eine Kurzfassung der „Entführung aus dem Serail“ nach und geben dem Publikum mit dem „Dideldum“ Zeichenunterricht. Im Zentrum des lauschigen Fantastival-Abends (es blieb schon wieder trocken!) steht selbstverständlich „Max und Moritz“. Während die Schauspieler die Streiche vortragen, werden auf der Leinwand hinter Ohrensessel und Stehpult die Schlüsselszenen dieses gewalttätigen Opus eingeblendet. Das Publikum schmunzelt über Buschs Vers-eleganz und flotte Zeichenfeder. Manch einer staunt auch über die Drastik, die des Dichters Klasse ausmacht und erinnert zugleich Geschichten, die noch viel blutiger ausgehen als diese. Die vom alten Bartelmann zum Beispiel. Da bestraft ein im Grunde gutmütiger Senior den bösen Franz, indem er ihm süffisant lächelnd den Schädel durchbohrt: „Klapp! schlägt er mit seinem Topf, das Pusterohr tief in den Kopf“.
Lars Helmer verwendet für seine Busch-Hommage deutlich harmlosere Bausteine aus der satirischen Reimschmiede des rauschbärtigen Spötters. Gut so. Andernfalls wäre die Inszenierung nicht jugendfrei. Und das hieße, es gäbe noch mehr junge Menschen, die nicht die leiseste Ahnung haben, wer der Vater aller Comics ist. Freundlicher Applaus und als Zugabe ein zweites „Da Da Da“.
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