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Dinslaken: "Ein dicker Hund"

VON HENDRIK GAASTERLAND - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009

Dinslaken (RPO). Die Aussage des SPD-Politikers Heinz Buschkowsky, in der deutschen Unterschicht würde das geplante Betreuungsgeld versoffen, sorgt bei einer Umfrage in der Dinslakener Innenstadt für Entsetzen.

Kevin Kloppenburg ist junger Vater und kann sich nicht vorstellen, wie man ein Kind nur von Hartz IV großziehen kann. Foto: RPO
Kevin Kloppenburg ist junger Vater und kann sich nicht vorstellen, wie man ein Kind nur von Hartz IV großziehen kann. Foto: RPO

Heinz Buschkowksy hat kein Blatt vor den Mund genommen. Der Neuköllner Bezirksbürgermeister von der SPD hält die von der neuen Regierung geplante Einführung eines Betreuungsgelds in Höhe von 150 Euro monatlich für alle Eltern, die ihre unter drei Jahre alten Kinder zuhause selbst erziehen, für einen Fehler und meinte: "In der deutschen Unterschicht wird es versoffen." Auf diese Äußerung hagelte nicht nur von den anderen Parteien heftige Kritik auf ihn ein, sondern auch die Passanten der Dinslakener Innenstadt reagierten bei einer Umfrage der Rheinischen Post entsetzt.

Reiner Tack hält es für einen "dicken Hund", den Buschkowsky abgelassen habe. "Die meisten Leute, die Hartz IV bekommen, können das Geld gebrauchen und eine alleinerziehende Mutter wird sich bestimmt keinen Flachbildschirm kaufen", so der Dinslakener. Er findet die Einführung des Betreuungsgeldes richtig: "Sicherlich wird es auch Missbrauch geben, aber jeder sollte immer noch selbst entscheiden, wofür er sein Geld ausgibt. Wir werden ohnehin schon von hinten bis vorne bevormundet."

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Unterstützung

So umstritten die Meinung des Bezirksbürgermeisters auch ist, alleine steht er damit nicht da. Die Deutsche Kinderhilfe begrüßte die Kritik von Heinz Buschkowsky, da er die Auswirkungen der Bargeldförderungen von Familien in Deutschland beschrieben habe. Das ganze Fördersystem müsse in Frage gestellt werden.

Unverschämte Aussage

Die 150 Euro mehr im Monat können die jungen Eltern Nadine und Dirk Kallmann aus Duisburg gut gebrauchen, und deshalb haben sie kein Verständnis für Buschkowskys herbe Äußerung. "Ein Kind ist ja nicht gerade billig. Windeln oder Essen sind teuer und man verdient ja nicht mehr", meint Dirk Kallmann. Nadine Kallmann ergänzt: "Jeder kann das zusätzliche Geld gebrauchen. Allein wenn ich daran denke, was ein Kindergartenplatz kostet. Ich halte diese Aussage für unverschämt."

Kevin Kloppenburg ist mit seinen 20 Jahren ein junger Vater und ist froh, dass er und seine Freundin beide einen Job haben. "Ansonsten könnte ich mir nicht vorstellen, wie wir das Kind aufziehen sollten. Wie soll das allein vom Arbeitslosengeld gehen? Deshalb finde ich gut, dass man 150 Euro mehr bekommt."

Esra Kimer war zu Beginn ihrer Schwangerschaft von der Unterstützung des Staats enttäuscht, als sie krank geschrieben wurde und ihr das nötige Einkommen fehlte. "Alle meinten vorher, der Staat wäre in jeder Beziehung hilfsbereit. Aber das war überhaupt nicht der Fall, und ich weiß deswegen, wie es ist, mit wenig Geld über die Runden zu kommen. Jetzt ist das Kind da, und ich werde die 150 Euro auf jeden Fall auch für das Kind gebrauchen", so die 19 Jahre alte Mutter.

Etwas skeptischer sieht Jens Dahlmann die Einführung des Betreuungsgelds. Dass junge Familien mehr Möglichkeiten zur Unterstützung des Nachwuchses haben, hält er generell für sinnvoll. Doch er ist sich nicht sicher, dass auch alle Eltern das Geld angemessen nutzen. "Manche werden bestimmt die 150 Euro für die eigenen Bedürfnisse ausgeben und nicht in die Bildung oder Förderung des Kindes stecken. Aber schwarze Schafe gibt es ja überall." Daran glaubt auch Jessica Mann. Die staatliche Förderung für Eltern sei okay, doch sie hofft, dass das Geld auch wirklich dem Kind zugute kommt. "Manchen Erwachsenen traue ich wirklich zu, dass sie das Betreuungsgeld für sich selbst ausgeben. Aber trotzdem darf man nicht alle über einen Kamm schären und pauschalisieren, wie es Buschkowsky gemacht hat."

Quelle: RP

 
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