Dinslaken: Ein Engel vor der Totentür
zuletzt aktualisiert: 06.09.2007Dinslaken (RPO). Eine alte Tür erstrahlt in neuem Glanze: Es die zweiflüglige Tür, die früher in die Trauerkapelle des Evangelischen Krankenhauses führte. 1960 wurde das Gebäude abgerissen. Die Tür wurde gerettet, restauriert und gestern dem Museum Voswinckelshof übergeben.
Handwerkskunst und das Bewahren historischer Exponate bilden im Museum Voswinckelshof eine bemerkenswerte Kombination. Möglich geworden ist das durch die Kontakte von Museumsleiter Dr. Peter Theißen zur Akademie des Handwerks im Schloss Raesfeld. Die jungen Handwerker helfen, die Spuren Dinslakener Geschichte zu konservieren.
Transport ins Depot
Beispiel dafür ist die reich verzierte Tür der ehemaligen Totenkapelle des Evangelischen Krankenhauses. Als das Krankenhaus 1965 erweitert wurde, stand die Kapelle im Wege. Traute Winkler, die damalige Museumsleiterin, erkannte, dass die Eingangstür zu diesem Nebengebäude etwas ganz Besonderes war und ließ wenigstens die Türflügel in ein Museumsdepot bringen.
Haus Bärenkamp
Schon zu Beginn der Restaurierungsarbeiten stellte sich heraus, dass dieser Engel deutlich älter ist als die 1910 gebaute Kapelle. Die massiven Türblätter allerdings könnten aus der Bauzeit stammen. Bei Recherchen kam die Vermutung auf, die Engelsfigur könnte aus dem „Mausoleum“ des Gutes Bärenkamp stammen. Historische Quellen dazu konnten jedoch nicht gefunden werden.
Vor vier Jahren besuchte der Schreinermeister und Holzrestaurator Willi Schmidt aus Wertherbruch dieses Museumsdepot, um ein Uhrgehäuse zur Restaurierung abzuholen. Dabei stellte sich heraus, dass er an der Akademie des Handwerks im Schloss Raesfeld als Dozent in der Ausbildung von Holzrestauratoren tätig ist. Und dafür sucht er immer wieder Objekte aus öffentlichem Besitz, die zu Ausbildungszwecken ganz ohne Zeitdruck restauriert werden können. Dafür war die Tür der Totenkapelle ein besonders geeignetes Objekt. Die zweiflügelige Tür ist reich verziert, mit einem merkwürdigen Wappen, einer Sanduhr als Zeichen für den Tod und einem großen Engel. In mehr als vierjähriger Arbeit verschiedener Ausbildungsklassen und Arbeitsgruppen wurden die beiden Türflügel und der erhaltene Rahmen gereinigt, an Fehlstellen ergänzt und konserviert.
Bei den Untersuchungen der Handwerker stellte sich überdies heraus, dass über der Tür einmal so etwas wie ein Fenster gewesen sein musste. Als historische Fotos aus den 30er Jahren auftauchten, konnten die Restauratoren sogar ein gotisches Maßwerk über der Tür rekonstruieren. Eine passende neogotische Verglasung soll später noch ergänzt werden.
Inzwischen ist die Tür samt Maßwerk und einem rekonstruierten Wandstück im Foyer des Museums Voswinckelshof wieder aufgebaut worden und fortan für alle Besucher gut zu sehen.
Dinslakener Objekte
Das Restaurierungsprojekt ist dank der organisatorischen Unterstützung des Leiters der Raesfelder Akademie, Diplom-Ingenieur Eckard Zurheide, nicht nur zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht worden. Die Schüler der Akademie des Handwerks werden auch in Zukunft an weiteren Dinslakener Museumsexponaten ausgebildet werden können.
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