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Dinslaken: Ein Friedenslicht für Dinslaken

VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009

Dinslaken (RPO). Ein Zeichen will er setzen: Leo Lebendig, 70, Lichtmaler, wird am 10. Januar in der Lohnhalle der Zeche Lohberg das "Friedenslicht der Religionen" aufleuchten lassen. Ein künstlerischer Beitrag zur Local-Hero-Woche der Ruhr.2010.

Es war schon in Israel unterwegs, und es strahlte in den Niederlanden. Zum Auftakt der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 trägt Leo Lebendig sein "Friedenslicht der Religionen" nach Dinslaken.

Die Installation, die vom 10. bis 16. Januar in der Lohnhalle der ehemaligen Zeche Lohberg zu sehen sein wird, mahnt zu religiöser Toleranz und Respekt vor dem Glauben anderer. Von Dinslaken aus wird sich das Kunstwerk auf den Weg durch das Ruhrgebiet machen. Ein Prozess, der zu immer neuen Begegnungen und Aktivitäten im Zeichen des Friedens führen soll.

Gestaltet hat der Dortmunder Künstler seine Friedensbotschaft als kugelförmigen Himmelskörper – 30 Kilogramm schwer, vier Meter im Durchmesser, bestehend aus 512 weißen, lichtdurchlässigen Elementen. Sie tragen die Symbole der abrahamitischen Religionen: die Menorah, der siebenarmige Leuchter symbolisiert das Judentum, das Kreuz steht als Symbol für das Christentum und die vierfache Spiegelung des Namens Allah für den Islam.

Info

Twins-Projekt

Eine internationale Jury hat das "Friedenslicht der Religionen" als offizielles Twins-Projekt der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 ausgewählt. Entwickelt hat sich das Kunst-Ereignis mit Unterstützung durch das Interreligiöse Friedens-Forum (IFF) und das Pastorenehepaar Sandra und Friedrich Laker in der Pauluskirche der Dortmunder Nordstadt. Die Eröffnungsfeier werden Jugendliche des Theodor-Heuss Gymnasiums gestalten. Die THG-Israel AG setzt sich seit Jahren mit dem friedlichen Zusammenleben auseinander.

Die drei Religionen leuchten als Einheit. Wie in einem Mobile sind alle Elemente der Kugel miteinander verbunden. Jedes einzelne hat Einfluss auf ein anderes. "Die Elemente bewegen sich während des Tages weiß im Licht der Sonne", sagt Leo Lebendig. "In der Nacht leuchten sie im Licht der Schweinwerfer in Rot, Grün und Blau."

An einem Faden

In der Erscheinung des Lichts spiegelt sich für den Künstler die Sehnsucht der Menschen nach Frieden. Der 70-Jährige ist davon überzeugt, dass diese Sehnsucht in jeder Religion gleich groß ist. Und er glaubt, dass dauerhafter Frieden nur gemeinsam erreicht werden kann.

Warum der Weg dorthin so steinig ist? Lebendig hat eine einfache Erklärung: "Die Menschen riegeln sich zu sehr ab. Sie haben Angst, sich gegenüber anderen Religionen zu öffnen. Aber diese Angst ist unbegründet. Wir alle leben in einer Welt. Deshalb hängt mein Kunstwerk an nur einem Faden. Das besagt zugleich, dass wir alle an einem Strick in die gleiche Richtung ziehen müssen."

Leo Lebendig blickt zur Decke der Lohnhalle, schaut dann auf Karl Heiducks monumentales Wandgemälde. Es zeigt Stahlkocher, Bergmann und Landwirt. Die Projektionsfläche gefällt dem Künstler. Hier sind drei Menschen abgebildet, die mit ihrer Arbeit die Stadt und die Region geprägt haben. Auf ihren Gesichtern werden eine Woche lange die Friedenslichter dreier Weltregion tanzen.

Das Bild ist ein Zeugnis der Industriekultur. Ebenso wie die Lohnhalle selbst, atmet es Geschichte. "Das hier ist ein junger Ort des Stillstands und zugleich der Neuorientierung", sagt Leo Lebendig. Deshalb hat er ihn ausgesucht. Die Augen des Künstlers funkeln, als er erklärt, dass Farbe nichts anderes sei als Energie, die sich über Licht vermittelt. Energie, die notwendig ist, um Prozesse anzustoßen, um etwas in Bewegung zu bringen.

Darum ging es Leo Lebendig schon immer. 1939 als Hans Jürgen Troegel in Arnsberg geboren, beschäftigte sich der junge Maler mit Goethes Farbenlehre. Von 1993 bis 1994 arbeitete er in Dortmund als Kunstpädagoge, engagierte sich zeitgleich in der freien Szene als Bildender Künstler, der große Stücke auf Joseph Beuys hielt. Zu seinem neuen Namen fand der Mann mit dem weißen Bart und dem schulterlangen Haar Anfang 1986.

Es war "in der Phase der Krankheit", wie er sagt – eine Umschreibung für "Depression". Leo Lebendig kämpfte sich aus der Dunkelheit zurück ins Leben. Das "Lebendige" wurde fortan zum künstlerischen Programm, die menschliche Seele sein Thema. Zum bevorzugten Medium entwickelte sich seit 2000 das Licht. Der Künstler nennt es gern "göttlich".

Gott zum Klingen gebracht

Evangelisch getauft und erzogen, seit vielen Jahren konfessionslos, ist der bekennende Filzkappenträger fest davon überzeugt, dass alle Wege zu Gott führen. Leo Lebendig hat sich der Kirche wieder zugewandt. "Ein alter katholischer Priester hat in mir Gott zum Klingen gebracht", erzählt er. Am religiösen Leben nimmt Lebendig "nach freier Wahl" teil, kirchliche Projekte unterstützt er. Weihnachten feiert er traditionell – mit einer Lichterpyramide vorm und einem Tannenbaum im Haus. Den stellt er seinem Sohn Till (24) zuliebe auf.

Er selbst ist auf Tannenbäume nicht gut zu sprechen. Im vergangenen Jahr ging bei Leo Lebendig Weihnachten in Flammen auf. Der Christbaum hätte um ein Haar das ganze Haus in Brand gesetzt. Löschversuche bezahlte der Künstler mit schweren Brandverletzungen an beiden Händen. Die Wunden sind verheilt. Das Christfest steht vor der Tür. Es soll ein Lichterfest werden.

Eröffnung Friedenslicht der Religionen, Sonntag, 10. Januar, 18 Uhr, Lohnhalle der Zeche Lohberg, Hünxer Straße.

Quelle: RP

 
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