Dinslaken: Ein luftiger Arbeitsplatz
VON STEFFEN PENZEL - zuletzt aktualisiert: 21.08.2008Dinslaken (RPO). In großer Höhe waren Hagen Goetzke und Jörg Getzlaff am Sankt-Vinzenz-Hospital im Einsatz. Die beiden Industriekletterer befestigten drei große Stoffbanner an der Fassade des Krankenhauses.
Hagen Goetzke ist nicht das erste Mal hier oben. Schon vor ein paar Wochen hat er das Dach des Krankenhauses und die Fassade genau unter die Lupe genommen. Dementsprechend schnell und gut geplant läuft jetzt auch alles. Der erste Weg führt Goetzke und seinen Kollegen Jörg Getzlaff in den Maschinenraum in der fünften Etage des Hospitals. Hier macht sich nun Getzlaff zu schaffen. Seine erste Aufgabe: die 70-Meter-Seile, an denen sich sein Kollege gleich in die Tiefe abseilen will, müssen vernünftig fixiert werden. „Und dafür sind die Blitzableiter und Entlüftungsrohre auf dem Dach nicht unbedingt geeignet“, lacht Hagen Goetzke. Also werden die Seile um zwei dicke Betonpfeiler im Maschinenraum gelegt. Die sollten halten. Durch ein gekipptes Fenster schiebt Jörg Getzlaff die Seile nun nach draußen aufs Dach. Damit die Seile nicht über die scharfen Fensterkanten schrappen, friemelt Getzlaff ein Stück Teppich zwischen Seile und Fenster.
Jubiläumsfeier
Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums veranstaltet das Vinzenz-Hospital am 20. September einen Tag der offenen Tür. Auf dem Programm stehen dann ein großes Kinderfest mit Riesenrad, Vorführungen im OP, Kreißsaalführungen sowie kostenlose Blutdruck-, Cholesterin- und Blutzuckermessungen. Dazu gibt es reichlich Informationen zum Leistungsangebot des Krankenhauses an den Infopavillons und ein musikalisches Bühnenprogramm im Park des Hospitals.
Der Wind bläst ordentlich
Auf dem Dach bläste Hagen Goetzke gerade ein ordentlicher Wind um die Ohren. Doch wirklich stören tut das den gelernten Industrie- und begeisterten Hobbykletterer nicht. Dass er schon seit über 25 Jahren im Fels unterwegs ist, verraten seine dicken, sehnigen Unterarme. Wobei seine Kletterfähigkeiten im Job meistens hinten anstehen. „Man sollte drauf achten, dass man nicht zu viel mit dem Klettern beschäftigt ist und sich auf die Arbeit konzentrieren kann. Meistens seilen wir uns einfach von oben ab und machen uns dann an die Arbeit.“ So auch heute. Ein kurzer, prüfender Blick über die Brüstung – und schon kann es los gehen. Vorher gilt es aber noch, das Material zu ordnen. Karabiner, Bandschlingen, Expressschlingen, Abseilgeräte und die Steigklemme befestigt Hagen Goetzke nun an seinem speziellen Sicherheitsgurt. Dazu kommt noch ein Sitzbrett. „Das ist bequemer, als die ganze Zeit in einem normalen Klettergurt zu sitzen“, erklärt er. Nun packt er seine Materialtasche. Da kommen Schraubenzieher, Zollstock und eine Hand voll Kippdübel rein. Den Hammer per Repschnur am Gurt befestigt, den gelben Helm übergestülpt, die Sicherungsgeräte in die Seile gehängt, ein letzter Material- und Sicherheitscheck mit dem Partner – und ab geht es über die Brüstung. Drei Meter tiefer legt Goetzke seinen ersten Stopp ein. Während die rauchenden Patienten vor dem Haupteingang verwundert in Richtung Fassade staunen, zwingt Goetzke die Dübel, an denen später die sechs mal 1,50 Meter großen Banner befestigt werden, in die engen Ritzen zwischen den Fassadenplatten. Oben präpariert Jörg Getzlaff Dübel und steht – den Klettergurt angelegt – parat, falls sein Arbeitskollege Hilfe braucht. Beim Blick über Dinslaken kommt er ins Schwärmen. „’Ist schon schön, so einen Arbeitsplatz zu haben. Da haben wir richtiges Glück. Obwohl: Wenn es jetzt regnen würde, hätte ich wohl was anderes gesagt“, lacht Getzlaff. Dann kommt sein Kollege zurück. Nun müssen die Ecken der Banner mit Löchern versehen werden, an denen sie dann befestigt werden. „Wichtig ist, dass sie flach an der Fassade befestigt werden, so dass kein Wind dahinter weht und die Befestigung sich löst“, sagt Goetzke und seilt sich mit den Bannern im Schlepptau wieder ab.
Am frühen Abend ist das Werk vollbracht, hängen die Banner mit der Aufschrift „1883-2008 – 125 Jahre Sankt-Vinzenz-Hospital – ihr Stadtkrankenhaus“. Nun kann der Tag der offenen Tür (siehe Infobox) kommen.
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