Dinslaken: Eine vielseitige Knolle
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 08.09.2008Dinslaken (RPO). Am Wochenende richtete der Schulte-Bunert Hof in Drevenack sein Kartoffelfest aus und feierte die gelbe Knolle. Der näherten sich die meisten Besucher auf kulinarische Weise.
Hünxe-Drevenack Wenn sie nicht gerade heute ihre schicken neuen Schuhe trüge, hätte sie sich sofort ins Feld gestürzt, keine Frage, aber so würden die guten Treter ja dreckig und das lohne sich dann einfach nicht. Helmut Bennighoff steht am Feldrand und schaut ein wenig enttäuscht drein. Die nette ältere Dame, die sich mit diesem Argument charmant aus der Verantwortung zieht und Richtung Bauernlädchen schlendert, ist nur eine von vielen Besuchern des Kartoffeltages am Schulte-Bunert Hof, die die gelbe Power-Knolle zwar regelmäßig in ihren Speiseplan einbauen, deren Leidenschaft aber auch eine klare Grenze hat – und zwar am Feldweg.
Spaß für die Kleinen
Hatte der Nachwuchs beim Kartoffeltag die Nase voll von der gelben Knolle, bot der Schulte-Bunert Hof ihm ein abwechslungsreiches Spiel-Programm: Karussellfahrten, lustige Kürbis-Hexen basteln und Drachen entwerfen stand für die kleinen Besucher ganz oben auf dem Programm. Mehr Action gab es in der Scheune. Der tiefe Blick in die tiefschwarzen Rinderaugen mutierte unten den Kleinen zur spannenden Mutprobe.
Nostalgische Kartoffelernte
„Kartoffelernte wie vor 50 Jahren“ lautet dabei das doch so hübsche Aktions-Motto, mit dem Anne Schulte-Bunert und ihr Mann die Kartoffeltag-Besucher auf den Acker locken wollen. Jeder Freiwillige bekommt eine einen Meter lange Parzelle zugeteilt. Die gesammelten Knollen darf man anschließend mit nach Haus nehmen. Keine schwierige Arbeit eigentlich, denn im Vorfeld war der Acker bereits mit dem Roder bearbeitet worden, so dass die Besucher die etwas sandige Erdfrucht nur noch aufzulesen und zu entstauben bräuchten, ehe sie Kochtopf-bereit wäre. Doch Solara, Milena und Belana, die diesjährigen Renner unter den Späternte-Sorten, werden in den kommenden vier Wochen vom 17 Hektar großen Anbaugebiet der Schulte-Bruners wohl doch gewohnt mechanisch, statt von sanften Erntehelfer-Händen eingesammelt werden.
Doch gibt es auf dem Schulte-Bunert Hof an diesem Wochenende ja noch andere Attraktionen zu erleben und die haben, dem Festmotto getreu, ebenfalls einiges mit der kulinarischen Köstlichkeit zutun. „Wir wollen natürlich nicht nur den Hof und unsere Arbeit vorstellen, sondern auch zeigen, wie vielseitig die Kartoffel ist“, erklärt Anne Schulte-Bunert und zeigt auf die Stände rund um das Bauernlädchen des Hofes. Neben den Rennern der vergangenen Jahre, Kartoffelsuppe, Pellkartoffeln mit Quark und Lachs und Reibekuchen („auf die freuen sich viele Besucher schon das ganze Jahr“), gibt‘s auch Neuheiten auf der Karte. Zwetschgenknödel aus Kartoffelteig mit Zimt, Zucker und Vanillesoße, und, natürlich: Pommes! Letztere finden besonders bei den jüngeren Hofbesuchern großen Anklang.
Nach Besichtigung der Sortiermaschine und einem vorsichtigen Rundgang durch die Rinderscheune ist der achtjährige Pascal schon ganz wild auf eine große Portion mit Ketchup und Majo. „Ich wusste bis heute gar nicht, dass Pommes aus Kartoffeln gemacht werden“, gesteht er grinsend. Der Drevenacker Kartoffeltag hat also sogar so etwas wie einen pädagogisch-aufklärerischen Wert.
Bis zu 50 Tonnen Kartoffeln pro Tag
Zum zwölften Mal richtet der Hof das Fest mittlerweile aus. Neben den eigenen Anbauerzeugnissen und den Eiern der über 10 000 Hühner im Stall werden in dem urigen Bauernlädchen auch Fremdprodukte vertrieben. Die Lieferanten stellen sich der Kundschaft an diesem Tag ebenfalls vor. So hat beispielsweise Imker Dr. Karl Gransier aus Krefeld einen Bienenstock mitgebracht. Damit niemand gestochen wird, wird er hinter schützenden Glaswänden präsentiert. „Gerade der Kundschaft, die wir mit unserem Verkaufswagen bedienen, wollen wir an einem Tag wie heute die Chance bieten, sich einmal anzusehen, dass wirklich alle Produkte so frisch sind, wie wir es ihnen versprechen“, erklärt Anne Schulte-Bunert. Die Besucher erfahren so, dass die Kartoffeln nach der Ernte direkt und unbehandelt in die hauseigene Kühlscheune eingelagert. Während der Erntezeit landen da pro Tag 40 bis 50 Kisten mit je einer Tonne Knollen.
Die müssen aber erst einmal aufgelesen werden. Wer macht das denn nun, wenn sich die Besucher des Kartoffeltages so zieren? „Früher“, erzählt die Hofbesitzerin, „haben sich in dieser Zeit die Nachbarschaften zusammen geschlossen und mit mindestens 25 Mann den Acker bearbeitet.“ Heute gehe das alles per Maschine, dem riesigen Vollroder. Beim Blick auf den ausbleibenden Andrang beim nostalgischen Kartoffelernten offensichtlich eine dankenswerte Erfindung.
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