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Voerde: Einmal ein Star sein

VON ANNA BLASWICH - zuletzt aktualisiert: 22.03.2007

Voerde (RPO). Das „Ironman“-Filmteam drehte in der Voerder Disco „Paradise Planet. Zu den 50 Statisten gehörte RP-Mitarbeiterin Anna Blaswich, die sich dafür in ein 80er-Jahre-Mädchen verwandelte. Ihr Bericht über den Tag am Filmset.

Vor dem Dreh: Anna Blaswich daheim vor dem Kleiderschrank: Was anziehen? Top oder Blümchenbluse?   Foto: RPO
Vor dem Dreh: Anna Blaswich daheim vor dem Kleiderschrank: Was anziehen? Top oder Blümchenbluse? Foto: RPO

Als ich nach dem Komparsen-Casting für den Film „Ironman“ nach Hause gehe, nehme ich mir vor, meine Erwartungen niedrig zu halten. Es wäre eine schöne Erfahrung, aber sollte es nicht klappen – auch nicht schlimm. Als mir mitgeteilt wird, dass ich eine Discobesucherin mimen darf, freue ich mich riesig. Gleichzeitig steigt in mir Nervosität auf. Es geht um die berühmte Frauenfrage: Was soll ich anziehen?

80er-Jahre-Kleidung ist gefragt. Aber wie sah die aus? Nach einiger Recherche habe ich eine Liste an Schlagwörtern zur Mode der 80er gesammelt – bunt, große Muster, übertriebener Schmuck, keinesfalls Hüfthosen, aber toupierte Haare. Na, das ist doch schon was. Entsetzt finde ich beim Stöbern in meinem eigenen Kleiderschrank durchaus Passendes. Wieso genau hatte ich mir diese Strumpfhose nochmal gekauft?

Info

Zur Person

Anna Blaswich ist 19 Jahre alt und wohnt in Voerde. Bis 2003 besuchte sie die Realschule Voerde und machte im letzten Jahr ihr Abitur am Andreas-Vesalius-Gymnasium in Wesel. Zum Wintersemester möchte sie in Köln ein Medienwissenschaftstudium beginnen.

Ab in die Achtziger

Mit einer Tasche voller modisch eher fraglichwürdiger Klamotten stehe ich also morgens mit etwa 50 anderen jungen Menschen auf dem Parkplatz des „Paradise Planet“ vor zwei weißen Zelten. In dem einen ist die Maske. Das andere ist als Aufenthaltsort für uns vorgesehen.

Wir werden in vier Gruppen eingeteilt. Die Komparsen der ersten Gruppe werden im Film im Vordergrund zu sehen sein und deshalb von Kopf bis Fuß zu 80er-Jahre-Menschen. Als sie verwandelt aus der Maske treten, wirken vor allem die Mädchen neben uns „Normalen“ grell und bunt. Doch ich freunde mich immer mehr mit dem Gedanken an, ein „Achtziger-Mädchen“ zu sein.

Schnellen Schrittes schreitet ein kleiner, rundlicher Mann an uns vorbei und ruft „Moin“. Der Komparsenpulk antwortet im Chor. Das also ist Axel Stein. Er ist kleiner, als ich dachte. Ich werde Gruppe Zwei zugeordnet. Bei gefühlten Minusgraden harren wir weiter draußen aus.

Die anderen sind längst im Warmen. Nach einer Stunde hören wir, dass wir uns jetzt ganz schnell so gut wie möglich selbst stylen sollen. So wichtig scheinen wir Zweier für die Szene, die im Film in einer Amsterdamer Disco spielen wird, also doch nicht zu sein. Schade, die Maske hätte ich gern gesehen.

Auf der Damentoilette herrscht Chaos. Ich habe kein Haarspray dabei – schlechte Voraussetzung für eine toupierte Pony-Welle. Doch gleich von drei Seiten eilt Hilfe herbei. Die Frisur sitzt, ich bin bereit. Nur die sehr hohen Schuhe ziehe ich vorerst lieber nicht an. Nach den Schauspielerproben, die wir geradezu glotzend bestaunen, dürfen auch wir auf die Tanzfläche.

Beim Dreh im „Paradise Planet“. Die Blümchenbluse blieb im Schrank. Anna peppte ihr Outfit mit viel Schmuck im Stil der 80er auf. Foto: RPO

Unsere Aufgabe klingt leicht: Spaß haben! Zu den Beats von Michael Jacksons „Billie Jean“ juble ich dem Michael-Double auf der Bühne zu, unterhalte mich, tanze. Mit der Zeit beginne ich auch den geforderten Spaß zu haben. Das Filmteam ist freundlich, die Komparsen sind nett. Die Anspannung verfliegt und ich fühle mich zugehörig – zu den anderen und ein kleines bisschen sogar zur glamourösen Filmwelt.

Als aber einige von uns ausgesucht werden, um in direkter Nähe der Hauptdarsteller zu stehen, wird dieses Gefühl hart angeschlagen. Wie auf einem Viehmarkt gehen zwei Mitglieder des Teams umher und begutachten uns. „Was ist mit ihr?“ Die Jüngere deutet mit dem Finger auf mich. Ein kritischer Blick fährt an mir herunter, dann das vernichtende Urteil: „Das ist nicht genug 80er.“ Wie bitte? Dabei fühle ich die 80er, lebe sie, fange sogar an, Michael Jackson zu mögen. Beim Mittagessen bessert sich meine Laune wieder. Ich lasse mich nicht unterkriegen!

Zwölf Stunden für drei Minuten

Die Distanz zu den Großen des Showbiz’ schwindet bei gemeinsamen Späßen in den vielen Drehpausen immer weiter. Nachdem die letzte Szene im Kasten ist, bedankt sich das Team herzlich, Hauptdarsteller Max Riemelt applaudiert sogar. Ich bin stolz. Als ich die Disco verlasse, ist es 21 Uhr. Zwölf Stunden haben wir geprobt, gedreht, Spaß gehabt. Schockiert bin ich, als ich höre, dass das Material gerade drei Minuten des Films ausmachen wird. Es war eine tolle Erfahrung, doch auch anstrengend und ich freue mich nun wahnsinnig auf mein Bett.

Quelle: RP

 
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