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Voerde: Einmal Fernweh und zurück

VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 29.08.2008

Voerde (RPO). Nach zehn Jahren in Mittelmeer und Atlantik liegt die „Helarmarin“ des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Uwe Jens wieder in Wesel. Der 72-Jährige fand sein Glück auf See, doch er sehnte sich nach dem Niederrhein.

In einem alten Seemannslied heißt es sinngemäß: „Das Leben hat meine Sehnsucht erfüllt, ich habe mein Glück auf dem Wasser gefunden, mein Fernweh ist gestillt.“ So empfindet Prof. Dr. Uwe Jens. Der 72-jährige Voerder, der 30 Jahre lang für die SPD im Bundestag saß, hat in Wesel festgemacht. Nach zehn Jahren im Mittelmeer liegt sein Segelboot, die Helarmarin, wieder am „goldenen Steg“ im Yachtclub Wesel. Dort ist Jens seit 35 Jahren Mitglied. Die letzte Etappe führte das 21 Jahre alte Schiff von Port Napoleon an der Rhone-Mündung in Frankreich bis in den Rhein. Auf der letzten Etappe von Bingen nach Wesel war Simen Dokoza, der bis zur Rente als Hafenmeister im Yachtclub tätig war, mit an Bord. „Er hat vor zehn Jahren zu meinem Abschied gewinkt und mich jetzt wieder begrüßt“, sagt Jens. So schließt sich der Kreis.

Mastbruch vor Valencia

Dazwischen liegen allerlei Fahrten mit der Helarmarin. Seit 1998 ist Jens pro Jahr mindestens einen Monat auf See gewesen. Höhepunkt waren die Atlantik-Überquerungen 2002 und 2003. Dabei wurde Skipper Jens zeitweise vom Yachtclub-Vorsitzenden Palm Heise und vom inzwischen verstorbenen Clubmitglied Hans Brücker begleitet.

Von Gran Canaria aus erreichte das Segelboot unter anderem Martinique, die Bermudas und auf der Rückfahrt über den Großen Teich die Azoren. Ein dramatisches Erlebnis hatte Jens 2005 vor Valencia. Im Sturm brach der Mast seines Schiffes. Stundenlang kämpfte Jens allein gegen die Gewalten, durchtrennte mit einer Eisensäge drei Stahlseile und versenkte den Mast im Meer. Da liegt er, 250 Meter tief. Jens gelang es, sich dank der Motorkraft seines Schiffes in Sicherheit zu bringen. Während der dramatischen Stunden im Mittelmeer wurde ihm nachhaltig bewusst, „wie klein der Mensch ist“. Wer die Kraft der Elemente gespürt habe, bekomme Ehrfurcht vor der Natur und werde bescheidener, weiß der gebürtige Hamburger, der als 14-Jähriger mit einem Faltboot über die Elbe gepaddelt ist.

Heute, mit 72 Jahren, sagt Uwe Jens: „Die Menschen sind komisch. Im Hafen sehnen sie sich nach Sonne und Hitze, aber dann wird ihnen beides schnell zu viel.“ Ihm sei es in Spanien so ergangen. „Ich habe mich nach Wind, Wellen und dem grünen Marschland gesehnt“, bekennt er. Das trieb den begeisterten Segler zurück in den Heimathafen. Dort hat Jens, der sich als „kommunikativ“ bezeichnet, auch keine Verständigungsprobleme. Die habe er in Spanien und vor allem in Frankreich mehrmals gehabt. „Mit Englisch kommt man da nicht sehr weit.“

Die Zeit der Abenteuer ist vorbei

Nun also liegt die Helarmarin (der Name leitet sich von den Kindern Helge, Arne, Maren und Ehefrau Inge ab) wieder in Wesel. Uwe Jens wird sie schrubben und ein bisschen überarbeiten. Nächstes Jahr will er mal nach Holland fahren. „Die Zeit der Abenteuer ist vorbei“, sagt der 72-jährige Voerder. Er hat sein Glück gefunden und zehrt davon.

Quelle: RP

 
 
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