Dinslaken: Europa im Schleudergang
VON HENNING RASCHE - zuletzt aktualisiert: 24.11.2011Dinslaken (RP). Eine Stunde lang referierte der Ökonom Professor Dr. Max Otte auf dem "Sparkassen-Forum" in der Kathrin-Türks-Halle über die Zukunft von Euro und Europa. Auf fast alle Probleme ging er ein, echte Lösungen blieb er aber schuldig.
Als er 2006 in seinem Buch "Der Crash kommt" die Finanzkrise, die ein Jahr später über die Welt hereinbrach, voraussagte, wurde er noch von vielen Ökonomen belächelt. Nun, also 2011, schon in der zweiten Bankenkrise angekommen, ist der Professor für allgemeine und internationale Betriebswirtschaftslehre, Dr. Max Otte, ein von seinen Kollegen geschätzter Fachmann. Das "Handelsblatt" kürte ihn erst letztlich zum "Krisenerklärer".
Ulrich Schneidewind führte zum letzten Mal durch die von ihm "lieb gewonnene" Veranstaltung, wie er selbst sagte. Das "Sparkassen-Forum", das alljährlich Persönlichkeiten von Rang und Namen, die nicht nur über Wirtschaftspolitik referieren, nach Dinslaken holt, wird in Zukunft auf den scheidenden Vorstandschef der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe verzichten müssen. Die von dem Finanzinstitut geladenen Gäste waren in Mehrzahl erschienen – die Kathrin-Türks-Halle war voll.
Prof. Dr. Max Otte
Der 47-jährige Dr. Max Otte wohnt in Köln und hat seinen Lehrstuhl an der Fachhochschule Worms. Er hat unter anderem schon das Bundeswirtschaftsministerium beraten. Erst kürzlich erschien sein Buch: "Stoppt das Euro-Desaster". Darin schrieb er, dass der Euro niemals hätte eingeführt werden dürfen.
Ratingagenturen abschaffen
Eine Stunde lang nahm sich Professor Otte Zeit, um das Thema "Europa – Quo Vadis?" von allen Seiten zu beleuchten. Um die komplexen Zusammenhänge von Eurokrise, Staatsschuldenkrise, Bankenkrise, Finanzkrise zu erklären, ist eine Stunde eine sehr knappe Zeit. Otte gelang es zwar auf sämtliche Probleme einzugehen und er sprach auch über deren Hintergründe, einen Lösungsvorschlag für die Zukunft blieb er aber schuldig.
Was Otte "Finanzkrise 2.0" nennt, stuft er als "dramatisch" ein. Europa befände sich am Scheidepunkt. Sein Vortrag, den er frei und anhand einer Präsentation hielt, erklärte zunächst, dass Finanzentscheidungen "ganz massiv emotional geprägt" sind. Gier und Angst verleiteten zu krassem Fehlverhalten. Damit wollte er deutlich machen, dass die Ursachen der derzeitigen Krisen nicht allein rational zu erklären seien.
In einer Rubrik, die Professor Otte "Wenn ich Finanzminister wäre. . ." nannte, machte er Vorschläge. "Ich würde Ratingagenturen ersatzlos abschaffen", was er damit begründe, dass sie mit zweierlei Maß mäßen und längst der Politik diktieren könnten, was diese zu tun habe. Griechenland, wie auch Portugal und Spanien, würde er bis zur "Wiedergenesung" der Staaten aus dem Euro entlassen.
Otte beklagte ein "eklatantes Demokratiedefizit", weshalb er das griechische Referendum begrüßt hätte. An solchen Stellen merkte man Otte seine Leidenschaft für das Thema "Euro und Europa" an. 60 Minuten Reise durch Europas Krisen dürften manchen Zuhörer allerdings ein wenig ins Schleudern gebracht haben.
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