Dinslaken: Explosion im Dachziegel-Werk
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 27.01.2010Dinslaken (RPO). Trümmer flogen 40 Meter weit: Durch eine heftige Verpuffung in der Trocknungsanlage der Gartroper Betondachsteinfirma Nelskamp entstand in der Nacht zu Dienstag 500 000 Euro Schaden. Verletzt wurde niemand.
Eine mächtiger dumpfer Knall hat Montagabend kurz vor Mitternacht zahlreiche Bewohner des Hünxer Ortsteils Gartrop-Bühl aus dem Schlaf gerissen. Wenige Minuten später rasen 55 freiwillige Helfer der Löschzüge Hünxe, Schermbeck, Altschermbeck und Gahlen mit Blaulicht zum Betondachsteinwerk Nelskamp an der Gartroper Straße. Ein Wachmann der Firma hat die Einsatzkräfte alarmiert. Aus einer gut 100 Meter langen Halle auf dem Werksgelände zwischen Gartrop und Gahlen steigen dichte Wasserdampfwolken in den nachtblauen Himmel. Von einem Brand, wie zunächst gemeldet, ist keine Spur. Es war eine Explosion in der riesigen Trocknungsanlage. Durch ihre Wucht wurden die Trümmer bis zu 40 Meter weit geschleudert. Teile begruben einen Pkw unter sich.
Wehr sichert Gelände
"Brand einer Firmenhalle": Diese Meldung erhielten die Feuerwehrleute gestern um 0.10 Uhr.
Da beim Eintreffen der Einsatzkräfte keine Flammen aus der Halle schlugen, sondern lediglich Wasserdampf, beschränkte sich der Einsatz der Wehrleute auf die Sicherung des Geländes. Gegen 2.30 Uhr war der Einsatz beendet.
Vermisster Mann meldet sich
Ein auswärtiger Nelskamp-Mitarbeiter, der während der Woche auf dem Betriebsgelände in einem Wohnwagen übernachtet, gilt zunächst als vermisst. Wenige Minuten später atmen Wehrleute und Polizeibeamte auf: Der Mann hat sich bei der Einsatzleitung gemeldet. Es geht im gut. Und auch sonst ist bei der Explosion niemand verletzt worden.
"Darüber sind wir natürlich alle sehr froh und glücklich", sagt Ulrich Camann. Der kaufmännische Leiter des Traditionsunternehmens nimmt zusammen mit Firmenchef Heinrich Nelskamp, Architekten und Statikern am Morgen danach den Schaden in Augenschein. Überall liegen Gebäudeteile verstreut. Bleche sind zum Teil bis auf das Dach einer gegenüberliegenden Halle geflogen. "Die Schadenshöhe können wir noch nicht beziffern", erklärt Ulrich Camann zunächst. Gegen Mittag spricht die Polizei offiziell von einem Sachschaden in Höhe von gut 500 000 Euro.
Ermittlungen von Sachverständigen ergaben, dass eine chemische Reaktion in der Trockenkammer eine heftige Verpuffung ausgelöst hat. Andreas Liesenklas, technischer Leiter von Nelskamp, erklärt das im RP-Gespräch so: "Beim Trocknungsvorgang kam es zu einer Kettenreaktion, bei der auf einmal sehr viel Wasserdampf entstanden ist. Und dieser Dampf hat sich explosionsartig ausgebreitet." Alle Verantwortlichen seien "reichlich geschockt. Ein Glück nur, dass das nicht tagsüber passiert ist."
Die Produktion der aus Sand, Zement und Wasser hergestellten Dachpfannen wird vorläufig eingestellt. Erst wenn die zerstörten Anlagen abgerissen sind, können die unbeschädigten Trocknungskammern wieder in Betrieb genommen werden. Andreas Liesenklas hofft inständig, dass die rund 75 Nelskamp-Mitarbeiter im Februar an ihre Arbeitsplätze zurückkehren können. Bis dahin müssen sie Überstunden abbauen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




