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Dinslaken: Frei gemalt und wild gehängt

VON CHRISTINA GROLMUSS - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010

Dinslaken (RPO). am Montag Beim Open-House-Wochenende im Kreativ.Quartier Lohberg gewährten Künstler Einblicke in ihre Arbeiten und luden zu Workshops und Diskussionen ein.

Kunst im Kreativ.Quartier: Sabine Hulvershorn (links) bei der Arbeit. Künstlerin Walburga Schild-Griesbeck (Mitte) schaut zu.  Foto: RPO
Kunst im Kreativ.Quartier: Sabine Hulvershorn (links) bei der Arbeit. Künstlerin Walburga Schild-Griesbeck (Mitte) schaut zu. Foto: RPO

Still und unbelebt liegt es da, neben der stark befahrenen Hauptstraße: das Zechengelände in Lohberg. Doch der schweigende Förderturm bietet einen trügerischen ersten Eindruck. Denn in den ehemaligen Verwaltungs- und Sozialgebäuden der Zeche herrscht buntes Treiben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Künstler aus verschiedenen Sparten haben hinter den tristen Mauern ihre Werkstätten. Im Rahmen der Ruhr.2010 wurde das Gelände zum Kreativ.Quartier Lohberg ernannt. Einfach mal reingehen und sich umschauen, das ist an diesem Open-House-Wochenende der Plan.

Petersburger Hängung

Im Erdgeschoss des Sozialgebäudes hat das Atelier "freiart" von Walburga Schild-Griesbeck und Peter Griesbeck seinen Platz. Seit gut einem Jahr arbeiten die beiden Künstler schon auf dem Zechengelände. Eine Breitseite ihres Ateliers verschwindet beinahe hinter den zahlreich aufgehängten Malereien der Künstlerin. "Ich mache hier eine Petersburger Hängung, sie ist wahnsinnig bunt, das ist typisch. Normalerweise hänge ich nicht so wild. Aber die Leute sollen etwas sehen und entdecken können." Ihre Arbeiten sind abstrakt. Intensive Farben dienen als Mittel zum Ausdruck von Gedanken und Gefühlen.

Info

Kreativquartiere

Im Rahmen der Ruhr.2010 sind zehn Kreativquartiere im Ruhrgebiet entstanden. Auf dem Lohberger Zechengelände sind neun Kreative ansässig:

Musik im Turm (Samirah Al-Amrie), Atelier freiart (Walburga Schild-Griesbeck und Peter Griesbeck), Kiosk 422 (Britta L.QL), Magenta Studio für Malerei (Ulrike Int-Veen), Spirit & Art (Sabine Hulvershorn) TallyHo-Art (Gabriele Sowa), Fotografie & Design (Edda Treuberg), Tedavi(m)üsik Tonstudio (Ali & Tuncay Dilekci) und Fredsbruder Lederdesign (Constanze Alef). Informationen zu Öffnungszeiten und Veranstaltungen finden sich im Internet unter www.kreativquartier-lohberg.de

Als die "Gegenständlichste" im Quartier bezeichnet sich Sabine Hulvershorn, die ihr Atelier "Spirit & Art" in der ersten Etage hat. Auf einem Schild am Treppenabsatz steht: "Vorsicht gefährliche Treppen. Betreten auf eigene Gefahr." Die Stufen führen steil hinauf in die hell erleuchteten Räume der Ergotherapeutin und Künstlerin. Ihre Kunst wirkt ein wenig traumhaft, schwarz-weiße Landschaften überwiegen.

"Ich habe hier einen Raum zum Malen, einen für Kunstkurse und einen für Entspannungskurse", sagt sie. Gemeinsam mit der Sängerin Samirah Al-Amrie bietet Sabine Hulvershorn an diesem Wochenende einen Kombinationsworkshop für Entspannung und Gesang an.

Auf der anderen Seite des Geländes findet gerade ein Kunstkursus für Fortgeschrittene statt. Die Teilnehmer und Kursleitung Ulrike Int-Veen besprechen ihre am Vormittag angefertigten Bilder im Magenta-Studio für Malerei. Packpapier liegt auf dem Boden, ein Tisch in der Mitte des Raumes ist vollgepackt mit Arbeitsutensilien: Pinsel, verschiedene Flüssigkeiten, Kaffeetassen, Gläschen gefüllt mit Sand und anderen Materialien. "Wir arbeiten viel mit Pigmenten, die mit einer Bindeflüssigkeit vermischt werden und die Farbe transparenter machen. Auch Kaffeepulver kann man so verwenden", sagt Kursteilnehmerin Albina Kulig.

Alle Bilder wurden auf braunem Packpapier gemalt. "Der Untergrund ist dunkel und oft knubbelig. Das regt zu besonderen Malweisen an", sagt Künstlerin Ulrike Int-Veen. Die freie, experimentelle Arbeit des Kurses orientiert sich an den Werken des Malers Emil Schumacher.

Während der Bildbesprechung tauschen die Teilnehmer ihre Eindrücke und Ideen aus. "Ich wollte noch mal mit Champagnerkreide drangehen", sagt Margrit Bergermann über ihr Bild. Es geht ihr darum, mehr Ruhe in das Werk zu bekommen. "Man könnte auch noch was von dem Papier hier drauflegen", schlägt Gabrielle Amirzadeh vor.

Jeder entscheidet selbst

Ob die Kunstobjekte jemals fertig werden, ihre Erschaffer jemals mit ihren Werken zufrieden? Ulrike Int-Veen zeigt sich positiv: "Es gibt Richtlinien, wann eine Komposition stimmt. Aber letztendlich entscheidet das jeder selber."

Weitere Open-House-Wochenenden werden folgen.

Quelle: RP

 
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