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Dinslaken: Friedhof mit Symbolkraft

VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010

Dinslaken (RPO). Am Mittwoch enthüllte Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger auf dem jüdischen Friedhof eine Informationstafel. Das Bronzestück soll die Geschichte des Friedhofs für alle Besucher zugänglich machen.

Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger enthüllt gemeinsam mit Rabbi Yaacov Zinvirt die Informationstafel.  Foto: RPO
Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger enthüllt gemeinsam mit Rabbi Yaacov Zinvirt die Informationstafel. Foto: RPO

Auch wenn es Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger nicht explizit ansprach – das Datum war bewusst gewählt worden. Am gestrigen Auschwitz-Gedenktag enthüllte das Stadtoberhaupt gemeinsam mit Rabbi Yaacov Zinvirt von der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen und rechter Niederrhein eine Informationstafel am jüdischen Friedhof auf dem Parkfriedhof an der B 8.

Geschichte zugänglich machen

Die Idee für die Tafel entstand im Jahr 2008 bei einem Besuch einiger ehemaliger jüdischer Bürger aus Dinslaken. "Sie haben angeregt, die recht ungewöhnliche Geschichte des Friedhofs so für jedermann zugänglich zu machen. Die damalige Bürgermeisterin Sabine Weiss griff diesen Wunsch sofort auf und bat mich um die Umsetzung", erinnert sich Stadtarchivarin Gisela Marzin. Zuvor kamen lediglich jene Friedhofsbesucher, die an einer Führung teilnahmen, in den Genuss dieser Informationen.

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Zeitlicher Verzug

Auf die Idee sollte schnell die Umsetzung folgen – was sich problematisch gestaltete. Lange dauerte es, bis mit der Firma van Huet und Weber aus Sonsbeck ein Unternehmen gefunden war, dass die Bronzeplatte wie gewünscht gießen konnte. Die Bearbeitung und den Aufbau der Stele übernahm das Dinslakener Grünflächenamt.

Den Text der Tafel erarbeiteten die beiden stadtbekannten Amateur-Historiker Jürgen Grafen und Sepp Aschenbach gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde. Die Geschichte des jüdischen Friedhofs in Dinslaken beginnt mit seiner ersten Einrichtung 1722. Damals lag er in der Innenstadt, am heutigen Kreisverkehr an der Friedrich-Ebert-Straße. Aus Platzmangel, und da er dem Innenstadtverkehr im Weg war, wurde der Friedhof ab 1920 aufgegeben und in zwei Schritten aufgehoben (1927/1938). Den neuen Friedhof hatte die Synagogengemeinde Dinslaken bereits 1907 am aktuellen Platz eröffnet. Die Belegung endete 1938 mit dem Ende jüdischen Lebens in Dinslaken durch Emigration und Deportation.

Mit einer kurzen Rede eröffnete Dr. Michael Heidinger die Enthüllungszeremonie. "Dieser jüdische Friedhof ist etwas Besonderes. Seine Geschichte ist ungewöhnlich, er ist für unsere Stadt ein Ort von Symbolkraft – und er wird immer wieder von vielen Menschen aus der Region und darüber hinaus besucht", sagte der Bürgermeister, ehe er über die Herstellung der Tafel referierte, um dann ihre Inschrift zu verlesen.

Danach sprach Maike Schultz zu den Gästen. Die 19-jährige Schülerin des Theodor-Heuss-Gymnasiums ist seit knapp drei Jahren Mitglied der Israel AG. Sie stellte einen Bezug zwischen dem Friedhof und lebenden Juden her, berichtete von Kontakten die entstanden, etwa in die USA zu Vorfahren der bekannten Familie Spiegel. Vor der feierlichen Enthüllung der Tafel stimmte Yaacov Zinvirt noch einen melodischen Trauergesang an.

Etwas Außergewöhnliches

Nach der beeindruckenden Einlage des Rabbis waren die Gäste alle tief in sich gekehrt. Auch der Bürgermeister drehte gedankenverloren eine Runde durch den Schnee, ehe er nach einigen Minuten seine Gedanken in Worte fasste. "Diese Tafel ist ein ganz wichtiger Punkt, für unsere Stadt, etwas ganz Außergewöhnliches. Sie hilft die Wertschätzung für unsere jüdischen Mitbürger darzustellen", erklärte Dr. Michael Heidinger.

Quelle: RP

 
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