Dinslaken: Gar kein Geheimnis
VON JÖRG WERNER - zuletzt aktualisiert: 20.06.2007Dinslaken (RPO). Der Mann redet gern, sehr gern. Sagt er selbst. Er ist keiner, der sich aufs Schweigen versteht. Sagt er. Also ist er keiner, bei dem ein Geheimnis gut aufgehoben ist. In diesem Fall aber doch. Götz Alsmann war wieder beim Fantastival. Mit seinem neuen Programm: „Mein Geheimnis“.
Weiter geht’s
Weiter im Fantastival geht’s heute ab 17 Uhr mit dem großen School’s out Open Air.
Am Freitag, 20 Uhr, sind Michael Wendler, Nic und Jörg Bausch – die „Sterne am Schlagerhimmel“ an der Reihe.
Am Samstag, 19.30 Uhr, beginnt die Sommernacht des Musicals mit vielen Stars der Szene.
Bis dahin hatte es das Wetter recht gut gemeint mit dem Fantastival. Am Montag kam Alsmann. Und es kam der Regen. Erst tröpfchenweise und mit Pausen. Dann zur Halbzeit aus Kübeln. Es schüttete. Aber ist das ein Wunder? Schließlich hatte der Mann zuvor bei seinem „gefühlten 748. Gastspiel“ in Dinslaken nun wahrlich das Blaue vom Himmel herunter fabuliert. Er hatte vom Geheimnis seiner Kindheit erzählt, von seinen Eltern, die ein Leben als Tagelöhner fristeten, ihn an einen Wanderzirkus verkauften, wo er dann beim Versuch seiner Zieheltern, ihn darüber aufzuklären, dass er gar nicht das Kind der Tagelöhner war, einen harten Schlag auf den Hinterkopf erhielt, um dann gefühlte 34 Jahre später aufzuwachen, um ihn herum dunkelgekleidete Männer mit bunten Schlipsen – seine Band.
Auch an seinen Abenteuern als Hilfsarchäologe ließ der Volldampfplauderer das Publikum teilhaben, berichtete von der Entdeckung, die er gemeinsam mit Erich von Dänicken und Indiana Jones gemacht hatte, einer Entdeckung, wegen der er dann einen Pakt mit dem Teufel einging und so in den Besitz all der auf mundgeblasenem Büttenpapier niedergeschriebenen Noten von Jarry, Grothe, Kreuder, Gietz, Müller, Berking und wem sonst alles noch kam, die die Grundlage der Kunst wurden, der sich der Mann mit der Tolle so leidenschaftlich verschrieben hat – der Kunst des deutschen Jazzschlagers, den es ja eigentlich nicht gab, bis sich Alsmann der Tradition der ganz Großen der Musikfilmzeit und des geistreichen deutschen Schlagers – ja, ja, das geht schon zusammen – angenommen und sie fortgeschrieben hat. Den Ritterschlag dafür hat er jetzt erhalten. Die CD „Mein Geheimnis“ ist als Produktion des renommierten internationalen Jazz-Labels Blue Note erschienen.
Und damit nähern wir uns auch schon dem Alsmannschen Geheimnis, das in Wahrheit gar kein Geheimnis ist. Wenn er „Hey, hey großes Mädchen“ ins Mikrophon flirtet, mit „Ein Gläschen Wein und Du“ an den legendären Chef des RIAS-Tanzorchesters Werner Müller erinnert, wenn er musikalisch saxophonumschmeichelt klar macht, dass er in Stimmung ist, wenn er die freche Ballade vom „Blauen Montag“ nachlegt oder „Vorsicht, Vorsicht“ bei rotem Licht warnt, dann wird schnell klar, dass er den Swing im Blut hat und mit seinem unnachahmlichen Stil im deutschsprachigen Schlagergeschäft eine Klasse für sich darstellt. Und das dankt er auch seiner Band: Altfried Maria Sicking (Vibrafon, Xylophon, Marimba, Trompete), Michael Ottomar Müller (Bassgitarre), Rudi Marhold (Schlagzeug) und Markus Passlick (Congas, Bongos, Percussion) – jeder ein Könner. Fünf Musiker, die ihr Geschäft verstehen, die unbändigen Spaß haben, an dem was sie tun – das ist das ganze Geheimnis.
Und das erklärt dann auch, dass der sintflutartige Regen die Zuhörer an diesem Abend nicht in Scharen aus dem Burgtheater fliehen, sondern viele ausharren lässt, um zu erleben, wie Alsmann auch noch im strömenden Regen musikalisch gute Laune verbreitet, bis dann auch der Himmel ein Einsehen hat und den Sturzregen einstellt.
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