Dinslaken: Gaunerjagd an der Elbe
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 17.06.2008Dinslaken (RPO). Das Hörspiellabel „EUROPA“ suchte Deutschlands Meisterdetektive – und fand sie in der
Dinslakener Hagenschule. 110 000 Kinder hatten an dem Schulprojekt teilgenommen. Drei Klassen wurden zum Finale nach Hamburg geladen.Erfolgsrezept
Dank Klassenlehrerin Sylke Middendorf bekamen die Spürnasen der 3a eine Chance auf den Titel „Superdetektiv 2008“. Auch wenn es nicht für den endgültigen Sieg reichte – das Erfolgsrezept der Drittklässler ging auf: „Immer zusammen halten, dann hat der Räuber keine Chance,“ weissagte Lea auf der Hinfahrt – und behielt Recht.
dinslaken/hamburg Der Bösewicht isst ein Schnitzel. Lässig fingert er das panierte Fleischstück auf seinem Pappteller zurecht, beißt herzhaft hinein, besieht sich kauend die Gegend. „Unglaublich“, finden das die schnaufenden Ermittler und sind einen Moment von der Ruhe des Gauners fasziniert. Dann aber geht alles ganz schnell. Mit lautem Gebrüll stürzen die selbsternannten Gesetzeshüter auf den Ganoven zu, machen ihn dingfest, jubilieren entzückt. Aufgabe bestanden, Gerechtigkeit zum Sieg geführt. Das muss doch einfach den ersten Platz bedeuten!
„Richtige Detektive trauen sich alles. Die gehen auch in dunkle Höhle und fassen Leichen an.“ Jan streicht sein grünes T-Shirt mit der „Spürnase im Einsatz“-Aufschrift glatt. Die steife Brise des Nordens weht ihm und dem Rest des Spürnasen-Kollektives um die Nasen, erste Sonnenstrahlen brechen durch die dicken, schneeweißen Wolken und die Luft auf der Elbinsel Finkenwerder schmeckt nach nahem Meer. „Perfekte Voraussetzungen für eine erfolgreiche Detektiv-Ralley“, findet Betreuerin Nina von „RUF Reisen“ und klatscht auffordernd in die Hände. Los geht‘s für die findigen Forscher zur ersten Station. Man ist fest entschlossen, den Sieg zu holen. „Ich würde dafür auch in die dunkelste Höhle gehen“, schwört Jan, „ich hab sogar extra meine Taschenlampe mitgenommen!“ Für die Schnitzeljagd wurde die 3a der Hagenschule in drei Gruppen geteilt; Jans trägt den Namen „Acht Freunde“, angelehnt an sein Lieblingshörspiel „Fünf Freunde“. Ebenso cool, listig und geschickt wollen der Zehnjährige und seine Klassenkameraden sich heute anstellen. Schließlich gilt es, einen Gauner zu fangen.
Fahndungsfoto zusammensetzen
Der pirscht sich irgendwo in der Gegend von Hauswand zu Hauswand und setzt alles daran, unentdeckt zu bleiben. „Bei jeder Station kriegen wir einen Bild-Schnipsel und am Ende können wir daraus dann das Fahndungsfoto zusammen setzen“, erklärt die achtjährige Lea. Für jeden Schwierigkeitsgrad ist bei dem dreistündigen Abenteuer etwas dabei. Beim anfänglichen „Begriffe malen und erraten“ kreist die Gummibärchentüte noch entspannt durch die Reihen, beim Heuballen-Durchsuchen hingegen heißt es Hemdsärmel hochkrempeln und Tempo vorlegen.
Nach nervenaufreibenden Stationen, verzwickten Denksportaufgaben und dem energischen Einschüchtern der immer mal wieder entgegen kommenden Klassen (die „gelben“ Espelkämper werden konsequent mit „blöde Bananen“ angeredet, dem roten Team raunt man andere Abwertung hinterher), geht es dann gemeinsam mit dem geschnappten Verbrecher auf die Fähre. Der sonnenbebrillte Gauner, der wegen seines gesunden Appetits kurzerhand „Schnitzel“ getauft wird, tritt resigniert seine vorerst letzte Reise in Freiheit Richtung Landungsbrücken an und wird dabei keine Sekunde aus den Augen gelassen. Fehlt ja noch, dass er kurz vorm Finale im „Hamburg City Beach Club“ entfliehen würde.
In der besandeten Freiluft-Location angekommen, begrüßen warmer Applaus und lobende Moderation die erschöpfte Bande. Den Ganoven im Schlepptau waten die angehenden Meisterdetektive durch den Sand Richtung Bühne, übergeben den Bösewicht dort in die Hände der Betreuer, die ihn „ganz schnell zum Polizeiwagen vor der Tür bringen“, wie der aufgekratzte Jungmoderator nicht müde wird zu versprechen. Doch bleibt zum Ausruhen keine Zeit. Die finalen Spiele werden eröffnet, Geschicklichkeit (Eier-Transport auf Zeit) und Teamgeist (Tauziehen) werden zum letzten Mal auf die Probe gestellt, beim Schrei-Contest geben die kleinen Kehlchen dann noch einmal ihr Bestes. In der Auswertungspause animiert die Bielefelder Kinder-Rockband „Randale“ zu verzwickten Choreographien, dann ist es endlich soweit. In bester „Wollt ihr es wirklich, wirklich wissen?“-Manier zögert der Moderator die Entscheidung minutenlang heraus, die Klassenlehrer hält es längst nicht mehr in den Liegestühlen, der Trommelwirbel schwillt an und endlich steht fest: Die Hagenschüler haben den dritten Platz belegt.
Ein solider dritter Platz
Großer Applaus, 250 Euro für die Klassenkasse, ein schönes Hamburg-Wochenende – kann gerade alles nicht über die erste Enttäuschung hinweg trösten. Die Kleinen sind geknickt, „voll doof“ und „na toll, die gelben Bananenköppe sind sogar noch vor uns“ murrt es aus den Reihen. Doch wird die Freude über den Gewinn schon noch einsetzen. Denn dass sie aus tausenden von Hobby-Spürnasen unter die letzten 60 kamen und mit stolz erhobenem Haupt die Heimreise antreten können, wird ihnen spätestens beim Abschiedsgrillen am Abend klar. Und von einem so coolen Gauner wie „Schnitzel“ kann die gelb-rote Konkurrenz trotz allem nur träumen.
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