Voerde: Gesamtschul-Lehrer wehren sich
VON ULRICH SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 23.12.2010Voerde (RPO). Das Kollegium der Gesamtschule Voerde übt Kritik an den Politikern, die das Aus der Schule beschlossen haben. Diese würden die qualitätsvolle Lehre ignorieren und der gemischten Bevölkerung zu wenig Rechnung tragen. Freude dagegen an der Realschule, dass ihre Zügigkeit unangetastet bleibt.
SPD, CDU und FDP wollen die Gesamtschule Voerde auslaufen lassen; das heißt, sie soll ab sofort keine neuen Jahrgänge mehr aufnehmen. Das Lehrerkollegium der Schule hat dazu gestern kritisch und kämpferisch Stellung genommen, die eigene Qualität und den Wert der Schule für die Stadt unterstrichen. Die Lehrer schließen mit dem Ruf: "Es ist noch Zeit, Entscheidungen gründlich zu überdenken!"
Die drei Ratsfraktionen haben betont, dass ihre Entscheidung gegen die Gesamtschule eine für Gymnasium und Realschule sei. Denn überlegt wurde, die Zügigkeit dieser Schulen zu reduzieren, um auf diese Weise der Gesamtschule zu der gesetzlich geforderten Mindestanzahl an Schülern zu verhelfen. In dieser Diskussion lobten CDU, SPD und FDP ausdrücklich die gute Arbeit an Gymnasium und Realschule, die keiner Gefahr ausgesetzt werden solle. Daraus leiten die Lehrer der Gesamtschule ab: "Das Lob legt den Umkehrschluss nahe, dass solche qualitätsvolle Arbeit bei uns nicht geleistet wird. Gegen diese unzutreffende Unterstellung wehren wir uns."
FDP zur Hauptschule
Nach der Schulkonferenz-Sitzung der Realschule hat die FDP-Fraktion eine Stellungnahme abgegeben. Darin unterstreichen die Liberalen ihre Haltung, die Gesamtschule aufzugeben, um Realschule und Gymnasium nicht zu schwächen. Gegen diese Schulen habe die Gesamtschule "von Anfang an keine reelle Chance" gehabt.
Für eine neue Hauptschule im Verbund mit der Realschule, wie CDU, SPD und FDP es wollen, fordern die Liberalen, sie müsse so viel Eigenständigkeit bekommen, dass sie später in eine selbstständige Hauptschule überführt werden könne.
Beachtliche Schülerkarrieren
Tatsächlich sei die Qualität der Lehrer und ihrer Arbeit an der Gesamtschule überaus hoch. Dies sei an Erfolgsquoten, Notendurchschnitten und den "zum Teil sehr beachtlichen, auch wissenschaftlichen Karrieren unserer Schüler im In- und Ausland" ablesbar. Die Politiker von CDU, SPD und FDP hätten sich dafür aber nie interessiert. Die Lehrer sprechen ihrer Schule außerdem einen besonderen Wert für Kinder aus bildungsfernen Schichten zu. Denen böte sich über spezielle Förderprojekte der Zugang zu einem Schulabschluss und einem Ausbildungsplatz, der ohne die Gesamtschule verschlossen bliebe. "Wir waren unvoreingenommen für jedes Kind da und haben Begabungen fördern und Schwächen ausgleichen können. Unsere Schule ist ein Abbild der sehr gemischten Voerder Bevölkerung. Dem tragen wir anscheinend mehr Rechnung als die Volksvertreter selbst", heißt es in der Stellungnahme der Lehrer. Für sie gelte nicht: einmal Hauptschüler, immer Hauptschüler. "Diese Gefahr ist nur eine, die ein neuer Hauptschulzweig an der Realschule mit sich bringen könnte."
Der Leiter der Realschule, Alfons Knauer, sieht noch eine ganz andere Entwicklungsmöglichkeit in der Voerder Schullandschaft: nämlich dass die neu zu gründende Hauptschule überhaupt nicht angenommen werde. Da die Anmeldegutachten nach neuestem Gesetz nicht mehr verpflichtend seien, könnten die Eltern eine Hauptschule meiden, "selbst wenn sie noch so attraktiv ist". Eine grundsätzlich ablehnende Haltung zum Realschul-Hauptschul-Verbund nahm Knauer im Gespräch mit der RP nicht ein. Er sei sehr gespannt auf die kommenden Gespräche und Entwicklungen. Froh sei er aber schon jetzt, dass die Zügigkeit der Realschule nicht verringert werde.
Weitere Berichte zur Schuldebatte im Internet: www.rp-online.de/dinslaken
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