Voerde: Gesamtschule: Zeit gewinnen
VON ULRICH SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 03.12.2010Voerde (RPO). Die Voerder Politiker lassen die Stadt zwei Varianten prüfen, wie die von der Schließung bedrohte Gesamtschule zu retten sei. Heimlich hoffen die Fraktionen, dass die Landesregierung bald auch kleinere Schulen überleben lässt.
Einwohner fragen
Frage Spitzfindig betrachtet, hat die Stadtverwaltung im Schulausschuss unterstrichen, dass Punkt eins einer öffentlichen Sitzung "Einwohnerfragestunde" heißt, und nicht "Verwaltungantwortestunde". Die Fragen stellte Klaus P. Kurth vom Lehrerrat der Gesamtschule Voerde. Es ging um die Zukunft der Schule und die aus Sicht des Lehrerrats fragwürdige Vorgehensweise von Politik und Stadt in dieser Angelegenheit.
Antwort Keine direkte Antwort. Alle Fragen würden schriftlich beantwortet, hieß es vom Verwaltungstisch. Daran änderte auch die eindringliche Bitte einer zweifachen Mutter nichts, noch an Ort und Stelle für Aufklärung zu sorgen. Dezernent Egon Dames blieb hart: "Wir haben die Fragen gerade erst bekommen. Und die Thematik ist zu tiefgehend."
Die Voerder Gesamtschule blutet aus, das ist bekannt. 112 Erstklässler braucht sie zum Überleben, 59 sind es zurzeit. Die Bezirksregierung Düsseldorf will die Schule daher dichtmachen. Außer: Voerde startet eigene Rettungsversuche, dann gibt es eine Schonfrist. Die zwei Versuche, die sowohl der Bezirksregierung als auch dem NRW-Schulministerium gut gefallen, wird die Stadtverwaltung nun auf Herz und Nieren prüfen. Den Auftrag dazu haben die Politiker im Schulausschuss gestern Abend fast einstimmig erteilt. Nur Elke Goedejohann (WGV) legte ein Veto ein.
Die zwei Versuche: An Gymnasium und Realschule könnte die Zahl der Klassen (Zügigkeit) reduziert werden, um so den Zustrom zur Gesamtschule umzuleiten. Zweitens bildet Sicht von Politik und Verwaltung eine Kooperation mit der Gesamtschule Hünxe eine Option. Beide Varianten will auch die CDU geprüft wissen, hält allerdings nur eine für bedenkenswert: die Zusammenarbeit mit Hünxe. "Die Begrenzung der Zügigkeit von Realschule und Gymnasium ist nicht zielführend. Dadurch werden nicht mehr Kinder an der Gesamtschule angemeldet", sagte Ausschusssprecher Walter Seelig. CDU-Stüber für die Gesamtschulleitung: Deren öffentliche Kritik an einer Kooperation von Voerde und Hünxe sei ebenfalls "nicht zielführend".
Vorläufiger Bestandsschutz
SPD und Grüne schnitten noch eine dritte Überlebenschance für die Gesamtschule Voerde an: Sie haben die klammheimliche Hoffnung, dass die Landesregierung frühzeitig auf den demografischen Wandel, auf sinkende Schülerzahlen reagiert. Sprich: Die Mindestschülerzahlen könnten alsbald so heruntergesetzt werden, dass die geringen Anmeldezahlen für die Gesamtschule künftig doch reichen. Dafür braucht Voerde Zeit. Und etwas Zeit hat die Stadt seit gestern: Weil sie nun die Rettungsversuche durchspielt, lässt die Bezirksregierung ein Jahr lang die Finger von der Gesamtschule. Dank diesem vorläufigen Bestandsschutz kann auch die Anmeldung im Februar wie geplant laufen.
WGV: Prüfung führt in Sackgasse
Die Grünen machten in der Diskussion keinen Hehl daraus, dass ihnen die Gemeinschaftsschule als dritte Alternative sympathisch erscheint. Doch räumte Gabriele Maria Rohr ein, dass die Zeit für die Gemeinschaftsschule im Grunde noch nicht reif sei. Was die Grünen nicht von diesem Vorschlag abhält: Sollten beide Varianten, welche die Stadt nun bewertet, nicht praktikabel sein, sollte dann bereits über eine Gemeinschaftsschule nachgedacht werden.
Die Wählergemeinschaft Voerde (WGV) versagte, wie erwähnt, ihre Zustimmung. Die Fraktion meint, dass der Prüfauftrag in eine Sackgasse führe. Schließlich würden die Gesamtschulleiter eine Kooperation für unzweckmäßig halten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




