Burghofbühne Dinslaken: Harry - allein zu Haus
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 12.10.2006 - 14:21Ein großzügiges Entree, ein heller, freundlicher Saal, Parkett, rote Vorhänge, eine schwarze Bühne, jede Menge Scheinwerfer, Lautsprecher. Lars Helmer staunt, Ernst Kleinwechter wundert sich. Regisseur und Schauspieler sehen die neue Spielstätte zum ersten Mal. Beide sind begeistert. „Licht, Ton, alles da.
Das passt“, sagt Helmer. Kurzer Blick in den Saal. Sitzprobe. Noch eine Überraschung. „Die Stühle sind richtig bequem“, freut sich Helmer. Das findet auch Kleinwechter. „Schöner als im Dachstudio.“ Viel schöner. Beide sind sich einig: Weihnachten kann kommen. Harrys Weihnacht - oder wie es in Steven Berkoffs Monodram heißt: „Harrys Christmas“. Mit dem Einpersonenstück geht die Burghofbühne dorthin zurück, wo alles begann - in die Bergarbeiterkolonie Lohberg. Anfang der 50-er Jahre wurde dort Kunst gegen Kohle getauscht. Vorbei. Die Zeche ist stillgelegt.
Und die Kunst hat sich verändert. Aus Kathrin Türks’ „Theater für bergmännische Kultur“ ist ein Landestheater geworden, das kleinste, zugleich aber produktivste und ideenreichste Nordrhein-Westfalens. Und das spielt in der nächsten Woche auf historischem Boden - im Ledigenheim. „Es ist ein bisschen wie nach Hause kommen“, sagt Lars Helmer. „Ich hoffe, dass die Dinslakener die Chance wahrnehmen, sich diesen Saal bei ,Harrys Christmas’ anzusehen. Ich hoffe, sie sind nicht nur auf die Vorstellung neugierig, sondern auch auf diese großartige neue Spielstätte.“ Ein idealer Saal für kleine Produktionen, meint der Regisseur. Wie ideal, kann das Publikum am Freitag, 20.Oktober, ab 20 Uhr nachprüfen. Dann lädt die Burghofbühne in Harrys Wohnzimmer ein.
Harry ist ein Einzelgänger, er fühlt sich einsam, verlassen, isoliert. Und es ist kurz vor Weihnachten, dem Fest von dem Edgar Allan Poe einmal gesagt hat, es habe alles, um einen guten Menschen unglücklich zu machen. Harry ist bereits unglücklich. In seinen Selbstgesprächen redete er hauptsächlich von der Vergangenheit, hin und wieder von der Gegenwart, niemals über die Zukunft. Harry Glebe hat keine. Er ist beziehungsunfähig und weiß, dass er die soziale Kälte, die ihn umgibt und in der er sein ödes Dasein fristet, selbst verschuldet hat. Das klingt sentimental, ist es aber nicht.
„Es ist eine Fallstudie“, erklärt Helmer. In dem Stück gehe es nicht darum, den „armen Harry“ zu bemitleiden. Der Zuschauer soll sich fragen, ob er diese Einsamkeit, dieses Gefühl des Verlassenseins und Sich-zurückgewiesen-Fühlens kennt. Erwin Kleinwechter spielt die 50-jährige Titelfigur „wütend, cool und ein bisschen schizophren.“ Und er verspricht: Es werden spannende 75 Minuten. Ein bisschen melancholisch werden sie auch. „Wir spielen mit den Gefühlen“, gibt Regisseur Helmer zu. „Die Zuschauer sollten sicherheitshalber ein Taschentuch mitnehmen.“
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