Voerde: Herbert Knebel und die Frauen
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 24.11.2008Voerde (RPO). Trotz des romantischen Programmtitels „Love is in Sie Er“ schlugen Herbert Knebel und sein Affentheater nicht nur sanfte Töne an. Stattdessen brachten die vier nörgelnden Frührentner am Freitag- und Samstagabend die Zuschauer in der ausverkauften Voerder Mehrzweckhalle zum Toben.
Radioseelsorger Domian und das Liebeskummer erprobte Dr. Sommer-Team haben ausgedient. Nach jahrelanger Erfahrung „mit die Frauen und die Liebe“ wagte nun endlich Herbert Knebel den lange überfälligen Griff in den Kummerkasten und entfaltete in der Voerder Mehrzweckhalle die bitteren Problemchen seiner Zuschauer. Die hatte er vor der Pause dazu angehalten, den Sorgenbeutel mit natürlich streng anonymen Zettelchen zu füllen und sich anschließend ganz auf Herberts Rat zu verlassen. Denn wem, wenn nicht dem knöttrigen Frührentner sollte man kompetente Problemlösungen in kniffligen Beziehungsfragen zutrauen? Ein Mann, der dafür plädiert, die Eheringe frisch vermählter Paare mit so rührenden „Gravitationen“ wie „Wenn du kaputt gehst, geh ich mit“ oder „Probieren geht über Studieren“ zu versehen, der kann doch nur wissen, wie es um die Liebe bestellt ist.
Erfolgreiches Quartett
Auch bei seinem elften Bühnenprogramm läuft für Knebel alias Uwe Lyko nichts ohne seine Band: Der steife Ernst Pichel (Martin Breuer, Bass), der für seinen Hüftschwung bekannte Ozzy Ostermann (Georg Göbel, Gitarre) und die Piepsstimme des „Trainers“ Detlef Hinze (Schlagzeug)geben dem Programm die letzte Würze.
Ne Brücke über unruhiges Wasser
Mit seinem neuen Programm „Love is in Sie Er“ gastierte das Knebel-Ensemble gleich an zwei aufeinander folgenden Tagen in Voerde. Mit dem Beatles-Klassiker „All You need is live“ begann das begnadete Quartett seinen zweistündigen Auftritt, der besonders musikalisch einiges zu bieten hatte. Denn Herbert und sein Affentheater legen den Schwerpunkt ihrer Show mittlerweile deutlich auf ihre perfekt einstudierten Songs. Anekdoten gibt es nur am Rande und als Überleitung, zum Beispiel, um „Simon & Garfunkels“ „Bridge over troubled water“ in die herzzerreißende Liebeserklärung „Wie ne Brücke über unruhiges Wasser“ für Guste umzuwandeln. Oder aus Golden Earrings „Radar Love“ die Neuadaption „Rentnerlove“ zu schustern. Beim Refrain der Monkees „Then I saw her face – now I’m a believer“ entsinnt sich Herbert seiner Tierliebe und modelliert die Passage kurzerhand in „Ich sah in ihr Gesicht – Sie war ein Retriever“ um. Auch die Songtexte von AC/DC‘s „Highway to hell“ und “ Living Next Door to Alice” von Smokie stutzt das Affentheater auf Rentnerweisheiten im Ruhrpottdialekt zurecht.
Und wie schön ist es, dass nicht nur die musikalischen Klassiker frischer und zeitloser denn je daher kommen. Auch das Klischee des hornbebrillten Ruhrpott-Rentners mit Hang zum Dramatisieren und Schwarzmalen hat sich nicht verändert. Zwar kämpft Herbert mittlerweile nicht mehr mit Wustthekenschlangen, dafür aber mit Nachbarskindern, die ihm sein Nickerchen und den „erottischen Traum“ mit Jennifer Lopez durch penetrantes Schellemännchen-Spiel verderben oder die grundsätzlich falsch platzierten Ticketschalter in Parkhäusern, die den Cordhosenträger zur Weißglut treiben können.
Falsche Artikel, eigenwillige Grammatik und die obligatorische Einleitung „Bor glaubse“ suggerieren sogleich: Der ist einer von uns! Und sogar: So will ich auch mal werden!
Gemeinsam mit den besten Freunden an Ehefrauen und modernen Kommunikationsmedien herum nörgeln – nur, um schon im nächsten Moment das Handy zu zücken und Guste ein Liebeslied durch die Leitung zu schmettern. Das verdiente Standing Ovations und zwei Zugaben.
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