Dinslaken: Hühnerfuß und Kettenhemd
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 15.12.2008Dinslaken (RPO). Kein Weihnachtsmarkt im klassischen Sinne bot sich den Besucher des Historischen Handwerkermarkts im Burginnenhof. Dafür gab’s einen tiefen Einblick ins mittelalterliche Treiben.
„Der getrocknete Hühnerfuß ist etwas für die moderne Hexe von heute“, findet Jürgen Bülles. Von der Decke seines Standes baumeln die Ketten mit den Krallen im Wind. Einige haben zusätzlich einen Schmuckstein angeklebt. „Was meinen Sie, wie schwierig es war, die Tiere davon zu überzeugen, sich an dem Stein fest zu krallen, bevor sie starben“, scherzt der unter seinen Kollegen als „Jorgen der Horn- und Knochenschnitzer“ bekannte Duisburger.
Neben den gewöhnungsbedürftigen Kettenanhängern aus Fasanen-, Enten- und Hühnerkrallen und den getrockneten Füßen von Dachs, Schwan und Pfau (alte Symbole für Jagderfolg), hat Jürgen Bülles auch dezentere Schmuckstücke im Angebot. Würfel und Knöpfe aus Knochen, letztere teilweise zu Herzchen geschnitzt, lösen unter den Besuchern des Historischen Handwerkermarktes im Burginnenhof echte Begeisterung aus.
Advent am Rittertor
Auch die Freiwilligenzentrale schloss sich dem vorweihnachtlichen Treiben an. Die Caritas öffneten Samstag und Sonntag das Ritterhäuschen, präsentierte bei Kaffee und selbst gebackenen Plätzchen ihre „Galerie der Ehrenamtlichen“ und verkaufte hübsche Holzarbeiten, die die Bewohner der sozialpsychiatrischen Einrichtungen in den vergangenen Wochen gefertigt haben.
Mittelalter statt Alltagshektik
Für den Knochschnitzer selbst ist seine Arbeit pure Entspannung: „Das Reisen in die Geschichte des Frühmittelalters ist für mich ein Ausgleich zur Hektik des Alltags.“ Die Begeisterung für die alten Handwerkstechniken teilt er mit seiner Frau. Claudia Freisheim-Bülles präsentiert als „Vetera die Filzerin“ ebenfalls ihre Arbeiten auf dem Markt.
Entspannung jedoch finden nicht nur die Mitwirkenden des Historischen Handwerkermarkts, sondern auch dessen Besucher. Schon beim Eintritt in den altehrwürdigen Burginnenhof schwappt die Stimmung zwangsläufig auf sie über. Der Geruchmix aus Kräutern, Geräuchertem und „Dynslakener Kürbissuppe mit Sauerampferpesto“ vom Stand der „Adler-Apotheke“ stimmen sogleich die etwas andere Weihnacht ein. Beim Rundgang entlang der Stände lässt sich so mancher noch zu einem spontanen Geschenkkauf verführen.
An der historischen Münzprägemaschine donnern die Gewichte auf die zu bedruckenden Plättchen. In dem von den Pfadfindern Sankt Vincentius bereitgestellten Zelt von Beate Hettmer gibt es eine Truhe voller Weihnachtsgeschichten für die kleinen Besucher. Und beim Fahrenden Händler Eric Boosmann warten zierliche Zinnfiguren und seltener Silberschmuck auf kauffreudige Interessenten.
Rundes Rahmenprogramm
Das Rahmenprogramm am dritten Adventwochenende rundet den Handwerkermarkt, der auch in diesem Jahr ein voller Erfolg war, schließlich ab: Die Stadtführungen mit der Hexe Ulanth Dammartz, eine Echttierkrippe und die Musik von Thomas Baumann und dem Ensemble „Blechspielzeug“ kamen bei den Besuchern bestens an.
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