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Dinslaken: Improvisationstalent gefragt

VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 07.08.2010

Dinslaken (RPO). Eigentlich wollte der Dinslakener Fabian Hülsen mit seinem Partner Jörn Wilting im afrikanischen Uganda einen Film über drei Frauen drehen. Wegen Problemen mit der Hilfsorganisation Interkultura musste er umdisponieren.

Um die Blechlawinen und Menschenmassen am Taxipark in vollem Umfang ins Bild zu bekommen, kletterte Fabian Hülsen auf Dächer. Foto: RPO
Um die Blechlawinen und Menschenmassen am Taxipark in vollem Umfang ins Bild zu bekommen, kletterte Fabian Hülsen auf Dächer. Foto: RPO

Wer Fabian Hülsen erlebt, erkennt schnell, was für ein Irrwisch und Improvisationstalent er ist. Schnell noch mit einem Bekannten Vor- und Nachteile einer privaten Krankenversicherung erläutern, dann noch telefonisch ein paar Termine abstimmen, einen Kaffee bestellen – und schon gilt die ganze Konzentration dem eigentlich vereinbarten Termin. Im Gespräch mit der Rheinischen Post berichtet der stets gut gelaunte Dokumentarfilmer aus Dinslaken von seinen Erlebnissen im afrikanischen Uganda. Dorthin war er Mitte Juni gemeinsam mit seinem Partner Jörn Wilting für die praktische Abschlussarbeit gereist.

Querschnitt der Bevölkerung

Ursprünglich hatte das Duo geplant, einen Film über ein Projekt der Hilfsorganisation "Interkultura" zu drehen. Dieses Vorhaben fiel aber ins Wasser, da der Kontaktmann vor Ort keinerlei Vorkehrungen getroffen hatte. "Wir standen natürlich ganz schön im Regen, haben uns gefragt: Was können wir jetzt machen?", erinnert sich Hülsen. Schnell fanden die beiden Studenten eine Antwort. Im "Rainbow House", dem Jugendzentrum, in dem sie auch untergebracht waren, sammelten sie zwei Tage Ideen und schrieben ihr Skript komplett um. "Heraus kam, dass wir einen Querschnitt der ugandischen Bevölkerung zeigen wollen", berichtet Hülsen.

Info

Zur Person

Der angehende Dokumentarfilmer Fabian Hülsen erblickte am 19. August 1985 in Dinslaken das Licht der Welt.

An der Saxion-Hochschule im niederländischen Enschede studiert er Kunst und Technik mit dem Schwerpunkt Dokumentarfilm.

Sein erstes großes Projekt war der Film "Soul of Kite" über einen Kite-Surf-Lehrer.

Für seine Abschlussarbeit "3 Women's Lives reiste er am 16. Juni nach Uganda. Am 18. Juli kehrte er nach Deutschland zurück.

Gesagt, getan. Einen Tag später begleitete Hülsen 24 Stunden lang einen Fahrer der typischen Bodabodas, der zweirädrigen Taxis. "Ursprünglich war der Mann Bauer. In die Stadt ist er gekommen, um das Schulgeld für seine Kinder auftreiben zu können", erklärt der Dinslakener. Hülsen filmte dabei nicht nur die Arbeit des Mannes, sondern auch, wie er seine Kinder zur Schule brachte. Als Kontrast begleiteten die Filmemacher die ugandische Musikgruppe "Boys in September". "Das war nach all der Armut, die wir vorher gesehen hatten fast ein Kulturschock. Sie hatten wegen eines Videodrehs ein ganzes Hotel gemietet", erläutert Hülsen.

Erwartungen übertroffen

Hülsens persönliche Erwartungen vor der Abreise hat Uganda deutlich übertroffen. "Das Land hat mich begeistert, ist wunderschön. Und es gibt dort fast nur wunderbare Menschen, die uns viel entgegengebracht haben, offenherzig, ehrlich, freundlich und hilfsbereit waren", resümiert der Nachwuchsfilmer, der die negativen Aspekte aber nicht unter den Tisch kehren möchte. So seien Dinge wie Korruption oder Diebstähle an jeder Ecke zu beobachten gewesen. Hinzu kam, dass "die Stimmung in diesem Land schnell kippen kann". Daher verließ das Duo Uganda nach dem Bombenattentat vom 11. Juli eher als geplant.

Fotos
Vor allem die Kinder in Uganda waren sehr interessiert an der Arbeit von Filmemacher Jörn Wilting. Foto: RPO
Beeindruckendes Motiv: Im Taxipark der Hauptstadt Kampala herrscht jeden Tag Massenandrang. Foto: RPO
Ein Bodaboda samt Kunden. Allein auf den Straßen Kampalas sind knapp 40 000 der zweirädrige Taxis unterwegs – auch als Fahrradversion. Foto: RPO
Kurz vor seiner Abreise beschenkte Fabian Hülsen den Kinder einer Familie, die er für eines der Kapitel seines Werkes filmte, mit Stofftieren. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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