Dinslaken: Jerich-Arbeiter sauer auf Verdi
VON HEINZ SCHILD - zuletzt aktualisiert: 22.11.2008Dinslaken (RPO). Große Teile der Belegschaft von Jerich sind verärgert. Die Gewerkschaft wollte angebliche Missstände bei der Logistik-Firma anprangern. „Die Vorwürfe sind völlig unbegründet“, sagt nicht nur der Betriebsratschef.
KREIS WESEL Auf Verdi ist Rüdiger von Gersum schon lange nicht mehr gut zu sprechen. Der Betriebsrats-Vorsitzende des im Emmelsumer Hafen in Voerde ansässigen Logistik-Unternehmens Jerich ist inzwischen aus der Gewerkschaft ausgetreten. Die dadurch eingesparten Mitgliedsbeiträge legt er lieber in Sparverträgen für seine Kinder an, wie er gestern der RP sagte. Dass Verdi auf angebliche Missstände bei Jerich aufmerksam machen will, erklärt der Betriebsratschef mit „Stunkmacherei“ und auch damit, dass die Gewerkschaft seit Jahren versucht in dem Voerder Betrieb Fuß zu fassen, bei der Belegschaft aber kein Bein auf die Erde bekommt.
Strafantrag
Werner Kiepe von Verdi hat nach eigener Aussage am 18. November gegen Jerich Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Duisburg gestellt, weil Betriebsratsmitglieder in ihrer Arbeit behindert und benachteiligt würden.
Kiepe arbeitet daran, die Vorwürfe gegen Jerich „zu beweisen und zu erhärten“.
„Ernsthaft erkrankt“
Werner Kiepe, Gewerkschaftssekretär des Bezirks Duisburg-Niederrhein, hatte für gestern zu einer Pressekonferenz in die Duisburger Gewerkschaftsgeschäftsstelle eingeladen, um dort Klartext zu reden. Zwei Jerich-Betriebsratsmitglieder, beide in der Gewerkschaft, sollten die Vorwürfe ebenso untermauern wie ehemalige Mitarbeiter. Kurzfristig wurde die Pressekonferenz gestern Morgen jedoch abgesagt, weil die Mitarbeiter, die „hätten aussagen wollen, ernsthaft erkrankt“ seien.
Etwa 30 Mitarbeiter von Jerich waren gestern aber mit einem extra gecharterten Bus zur Gewerkschaft nach Duisburg gefahren, um dort ihre Sicht der Dinge zu vertreten und klar zu machen, dass sie voll und ganz hinter ihrer Firma stehen, an den Vorwürfen nichts dran sei. Unfreundlich seien sie abgewiesen worden, sagte Kai-Uwe Schiemann, der seit vier Jahren bei dem Logistik-Unternehmen beschäftigt ist. Er ist, ebenso wie Alexander Koch, der seit sechs Jahren bei Jerich arbeitet, zufrieden mit seiner Tätigkeit und hat auch an dem Betriebsklima nichts auszusetzen. „Auch das Geld stimmt“, sagt Koch. „Doch die Gewerkschaft arbeitet gegen die Belegschaft“, findet Schiemann. Und von zweien der sieben Betriebsratsmitglieder bei Jerich fühlt er sich schon lange nicht mehr vertreten: Es sind die beiden, die der Gewerkschaft Verdi angehören.
Gegen Verdi und gegen Gewerkschaftssekretär Werner Kiepe ist die Firma Jerich inzwischen erfolgreich vor das Arbeitgericht Duisburg gezogen. In einem am vergangenen Mittwoch geschlossenen Vergleich hat die Gewerkschaftsseite sich verpflichtet, nicht mehr zu behaupten, Jerich „verstoße schon seit Jahren gegen demokratische Regeln, schrecke nicht vor illegalen Abhöraktionen, Drohungen und üblen Nachreden zurück“.
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