Dinslaken: Kiosk wird zum Kunsttreff
VON HENDRIK GAASTERLAND - zuletzt aktualisiert: 26.06.2009Dinslaken (RPO). Der alte Kiosk 422 an der Schachtmauer in Lohberg war für die Kumpels früher mehr als eine Trinkhalle. Nun erhielt das Büdchen einen frischen Anstrich, und Britta L.QL wird dort in Zukunft Kunst ausstellen.
dinslaken-lohberg Am Eingang hängt noch der echte Flaschenöffner von damals an seiner Kordel, die Sticker an der Wand zum Abstellkämmerchen stammen aus den 80er Jahren. Mit dem alten Steinboden dürften dies die einzigen Überbleibsel des Kiosk 422 an der Hünxer Straße sein: Das acht Quadratmeter kleine Büdchen direkt an der Lohberger Schachtmauer ist saniert worden.
"Es war alles vermodert und verfault – richtig heruntergekommen. Bei dem nächsten heftigen Regen musste man fürchten, dass der Kiosk zusammenfallen würde", sagt Thomas Koch. Der Projektleiter des Diakonievereins wird nach der Sanierung mit neuem Dach und Wänden in Zukunft jedoch keine Bonbons aus der Trinkhalle verkaufen. Nein, er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass Künstlerin Britta L.QL endlich ihre langjährigen Vorstellungen umsetzen kann. "Mir war schon immer klar, dass es der ideale Ort ist, Kunst zu machen", erläutert die Dinslakenerin, und Thomas Koch fügt hinzu: "Mit einem Kiosk hat das nichts mehr zu tun, vielmehr soll mit kleinen Aktionen ein Kunsttreff entstehen."
Kiosk 422
Dauer Zunächst sind Aktionen bis zum Ende der RUHR.2010 geplant. Was danach mit dem Kiosk 422 passiert, ist offen.
Sanierungskosten Diakonie-Projektleiter Thomas Koch attestierte der Stadt eine "engagierte Projektarbeit", da sie die Materialkosten übernahm.
Name Die "422" ist die alte Postleitzahl von Dinslaken.
Homepage Die Internetseite www.kiosk422.de ist die Kontaktadresse für alte Zeitzeugen, die Geschichten über den Kiosk erzählen können.
Zur ExtraSchicht morgen in Lohberg plant die Künstlerin eine Installation im Kiosk 422, die sich auf die Anfangszeiten der Bude vor rund 80 Jahren bezieht. Damals wurde der Kiosk noch als Trinkhalle und Wartesaal genutzt, denn es befand sich vor der Tür noch die Endstation der Straßenbahn aus dem Ruhrgebiet.
Zur Ruhr.2010 möchte Britta L.QL den Kiosk 422 das ganze Jahr über in Intervallen bespielen. "Kunst soll erlebbar gemacht werden", lautet das Motto der Künstlerin, die Schaukästen und einen "Artomat" aufbauen möchte: "Für fünf Euro kann man Kunst im Zigarettenschachtelformat kaufen. Das wird aber nicht alles sein, es werden auch noch andere Küstlerinnen und Künstler eingeladen, ihre Werke im Kiosk auszustellen."
Als der Kiosk jetzt seinen blau-weißen Anstrich erhielt, kamen bei alten Lohbergern Erinnerungen hoch. So mancher hoffte auf eine Wiedereröffnung, denn für die Kumpels war es mehr als eine Trinkhalle. "Es wurden die skurrilsten Geschichten am und über den Kiosk erzählt", berichtet Britta L.QL und startet einen Aufruf: "Wir sind immer auf der Suche nach Leuten, die sich noch an die alten Zeiten erinnern können. Sie können auch mich gerne kontaktieren oder zum Lohberger Forum kommen. Denn auch aus den alten Geschichten wollen wir Kunst machen."
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