Voerde: Kluges und Witziges zu Albert Schweitzer
VON FLORIAN LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 15.12.2010Voerde (RPO). Friedrich Schorlemmer sitzt in der Buchhandlung Daniel und Haibach vor seinem Publikum. Sein Buch "Genie der Menschlichkeit" über Albert Schweitzer liegt aufgeschlagen vor ihm auf den Tisch. Aber eigentlich ist es keine wirkliche Lesung, sondern eher ein Vortrag. Die Gedanken strömen in einem beständigen Fluss aus Schorlemmer heraus. Er serviert Zitate von Schweitzer und über Schweitzer, darunter auch der Titel seines Buches. "Sie werden nie erraten, wer das gesagt hat", fordert er mit leuchtenden Augen seine Zuhörer heraus. Die Antwort lautet: Winston Churchill. Es folgen Anekdoten, Interpretationen, Betrachtungen und einige Exkurse in die Welt der DDR und in Richtung Geheimdienstarbeit im Kalten Krieg. Es ist aber vor allem eine Reise in die Gedankenwelt von Albert Schweitzer und weg von dem Bild, das den Friedensnobelpreisträger oft als Moralisten zeigt, gleichwohl aber nur ein kleines Stück der Persönlichkeit von Albert Schweitzer darstellt.
Multitalent
Denn der war weit mehr als nur ein Arzt, der "den Ort aufsuchte, an dem er von Nutzen sein konnte", wie Schorlemmer es ausdrückt – nämlich in die zentralafrikanische Kleinstadt Lambaréné, die heute in Gabun liegt. Dort gründete Schweitzer ein Krankenhaus. Schorlemmer weist auch auf die musikalische, philosophisch und die theologische Seite des Multitalents Schweitzer hin. Er lobt dessen Bach-Interpretation und die Gedanken zu Glaubensfragen. "Die ganze Theologie hat sich, sehr zu ihrem Schaden, nicht genug mit Schweitzer beschäftigt", meint Friedrich Schorlemmer, der selbst evangelischer Theologe ist. "Wobei, Schweitzer wollte nicht von etwas reden, von dem er nichts versteht. Er war also doch kein Theologe", scherzt der Autor mit einem Schuss Selbstironie, dem sich auch seine Zuhörer nicht entziehen können. Nur eine der Gelegenheiten, bei denen Schorlemmer sein Publikum an diesem Abend zumindest zum Schmunzeln bringt. Dazu zählen auch seine Kommentare zur Politik, die er mit einem Aufruf verbindet, nach den eigenen Möglichkeiten tätig zu werden, um die Welt ein wenig besser zu machen – ganz nach Albert Schweitzers Vorbild.
Truppenbesuch und Talkshow
Schließlich wendet sich Schorlemmer dann noch kurz dem Tagesgeschehen zu. "Ich verstehe nicht, wie man in dieser Situation in Afghanistan eine Talkshow machen kann", kommentiert er den Truppenbesuch des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenbergs inklusive Kerner-Talkshow. Nicht nur dafür gibt es Applaus vom Publikum.
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