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Dinslaken: Kneipe ist nun Raucherclub

zuletzt aktualisiert: 03.07.2008

Dinslaken (RPO). Interview Martin Mettlach, Inhaber des „Hinz und Kunz“, erklärt, warum seine Kneipe ein Raucherclub ist. Clubziel: der gemeinschaftliche Konsum von Tabakwaren in fröhlicher, heiterer und respektvoller Runde.

Martin Mettlach hat aus seiner Kneipe „Hinz und Kunz“ einen Raucherclub gemacht.  Foto: RPO
Martin Mettlach hat aus seiner Kneipe „Hinz und Kunz“ einen Raucherclub gemacht. Foto: RPO

Martin Mettlach hat den Schritt gewagt. Seit dem 11. Juni ist seine Kneipe an der Bahnstraße keine Kneipe mehr, sondern ein Raucherclub. Im Gespräch mit Steffen Penzel erzählt der Gastwirt, was er von dem Nichtraucherschutzgesetz hält und warum ihm keine Alternative blieb.

Herr Mettlach, warum haben Sie sich entschlossen, aus ihrem Lokal den Raucherclub „Hinz und Kunz – der Clubtreff“ zu machen?

Mettlach Mir blieb gar keine Wahl. Die Idee ist schon entstanden, als noch am Gesetz gefeilt wurde. Beim Nichtraucherschutzgesetz handelt es sich doch um einen staatlich verordneten Umsatzrückgang. Seltsam nur, dass sich die Beamten, die das zu verantworten haben, nicht auch gleich mit 20 Prozent weniger Lohn zufrieden geben. Bei uns fängt das Problem schon damit an, dass ich mehr Personal einstellen müsste, weil meine Mitarbeiter alle Raucher sind und sie sich dann außerhalb des Lokals ihre Raucherpausen nehmen müssten. Außerdem würden viele Kunden einfach nicht mehr zu uns kommen, weil sie ihre Zigarette beim Bier rauchen wollen. Wären wir den Schritt zum Raucherclub also nicht gegangen, hätten wir den Laden auch gleich dicht machen können.

Info

Beitragsfrei

Mitgliedsbeiträge werden im „Hinz und Kunz“-Club nicht erhoben. Einzige Voraussetzung für den Beitritt: die Mitglieder müssen mindestens 20 Jahre alt sein. Weitere Informationen zum Club gibt es bei Martin Mettlach unter % 02064 15686.

Das Gründungsdatum ihres Clubs ist der 11. Juni. Wie liefen die ersten Wochen?

Mettlach Sehr gut. Die Leute, die zu uns in die Kneipen gekommen sind, haben am Eingang eine Erklärung unterschrieben, ihre Adressen angegeben und sind somit Mitglieder des Clubs. An der Frequenz hier hat sich nichts geändert. Zu Kneipenzeiten hatten wir freitags und samstags jeweils immer so 250 Gäste. Und nach dem ersten Raucherclub-Wochenende hatten wir schon 500 Mitglieder. Die Leute, natürlich auch die Nichtraucher, kommen weiter gerne und wissen ja, dass sie dann hier dem Qualm ausgesetzt sind. Und damit haben sie nach wie vor kein Problem. So wie ich, der ich seit vier Jahren Nichtraucher bin, im Übrigen auch. Wir haben eine gute Lüftungsanlage. Da bleibt die Belastung sehr gering. Wir haben inzwischen schon über 800 Mitglieder. Und ich bin überzeugt, dass wir der größte Raucherclub in Dinslaken werden.

Was machen Sie mit den Adressen der Vereinsmitgliedern?

Mettlach Das ist für uns insofern eine gute Sache, weil wir so natürlich einen guten Überblick über unsere Vereinsmitglieder haben. Wir können nun ganz einfach allen Kunden Newsletter, Einladungen zu Parties oder Geburtstagswünsche per mail zukommen lassen. Und gleichzeitig ist es auch eine gute Absicherung. Falls jemand mal Ärger machen sollte, was hier aber dank Türsteher und Überwachungskamera schon sehr lange nicht mehr der Fall war, haben wir seine Adresse und können ganz einfach das Hausverbot durchsetzen.

Glauben Sie, dass das Modell in Dinslaken Schule machen wird?

Mettlach Ja, ich denke schon. Ich weiß schon von einer ganzen Reihe weiterer Kneipen, dass sie den gleichen Weg gehen wollen. Und wie gesagt, für viele Wirte bietet sich ja auch gar keine Alternative. Wenn sie merken, dass ihre Umsätze in den kommenden Wochen um 20 Prozent zurückgehen werden, werden sie reagieren müssen. Für uns ist es natürlich eine ziemlich komfortable Situation. Denn, ganz ehrlich, dadurch, dass wir so früh dran waren, werden wir wohl zunächst den Umsatz steigern können. Um zu sehen, dass das Konzept Raucherclub funktioniert, muss man ja nur mal über Nordrhein-Westfalen hinausblicken.

Wieso?

Mettlach Da genügt der Blick nach Bayern. In München gibt es mittlerweile über 800 Raucherclubs. Und die sind alle miteinander verbunden. Wer Mitglied in einem Club ist, darf auch alle anderen besuchen. Das ist doch mal ’ne klasse Art, ein sinnloses Gesetz zu unterwandern. Gleichzeitig kenne ich aber auch Gastwirte in Schleswig-Holstein, wo es die Ausnahmeregelung Raucherclub nicht gibt. Und da haben die Wirte richtig zu kämpfen und müssen sich wegen ihrer Bierwagen vor der Tür mit Lärmschutzregelungen und sich beschwerenden Nachbarn herumschlagen. Man sieht also: der Raucherclub ist die sinnvollste Alternative.

Quelle: RP

 
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