Dinslaken: „Kunstraub“: Sauber gemacht!
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 20.08.2008Dinslaken (RPO). Der Zins-Würfel ist wieder da. Nicht Metall- oder Kunstdiebe hatten ihn. Die Skulptur lag, zerlegt und leicht verbeult, seit März beim DIN-Service. Nach einem Sturm hatten ihn die Männer in Orange mitgenommen und – vergessen.
Frank Moseleweski hat den gestrigen Tag über Blut und Wasser geschwitzt. Dazu hatte der DIN-Service-Chef auch allen Grund. Ein Mitarbeiter seines Hauses hatte sich erinnert, dass der Betrieb das als „gestohlen“ gemeldete Kunstwerk, zugleich größtes Objekt des Dinslakener Skulpturenwegs, vor Monaten im Stadtpark in Einzelteile zerlegt und abtransportiert hatte. Ein Sturm hatte den Würfel, der in sieben Metern Höhe an Stahlseilen zwischen Bäumen „schwebte“, aus der Verankerung gerissen, zu Boden geschleudert und beschädigt. Ein Bürger verständigte daraufhin die Polizei. Die rief beim DIN-Service an. Und der räumte auf. Die Männer in Orange nahmen den Würfel, der nun eher Ähnlichkeit mit einem Haufen Zeltstangen hatte, mit – und weg war er. Auch die Tafel mit der Erklärung des Kunstwerks montierten sie ab. Sauber gemacht – wie es Motto des DIN-Service ist!
Kunst zu Zeltstangen
Gestern war es noch Kunst: 2001 lag der Ankaufswert des „Schwebende Würfels“ aus dem Atelier des Klever Künstlers Günter Zins bei 11 000 Mark. Jetzt ähnelt die Skulptur nur noch einem Haufen Zeltstangen. Doch sie soll wieder zu Kunst werden. DIN-Service-Chef Frank Moselewski hat dem Künstler bei der Montage des Kubus’ Hilfe zugesagt.
Der Zins-Würfel im Stadtpark hinterließ eine Lücke, die niemandem auffiel. Den Bürgern nicht, den Mitarbeitern im Rathaus nicht. Hing da mal was? War da mal Kunst? Ach was. Oder doch? Erst vor drei Wochen, also gut vier Monate nach dem plötzlichen Verschwinden des Kubus’, fiel bei einer Bestandsaufnahme über Kunst im öffentlichen Raum auf, dass der Würfel weg war. „Metalldiebe! Kunsträuber! Barbaren!“, schallte es aus dem Rathaus.
Und das so laut, dass sich der Leiter des DIN-Service am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Ihm schwante Schlimmes. „Die Sache ist an sich schon peinlich genug. Aber wenn wir das Ding entsorgt haben, ist das der Supergau“, sagte er gestern Nachmittag sichtlich nervös zur Rheinischen Post. Währenddessen lief in seinem Betrieb die Suche nach den „Zins-Stangen“ auf Hochtouren. Schließlich wurden sie gefunden – sie lagen wohl verwahrt in einem abgeschlossenen Raum. Irgendjemand hatte sie irgendwann dort abgelegt und schlichtweg vergessen. „Es ist fast alles noch da“, versicherte ein sichtlich erleichterter DIN-Service-Chef. „Die acht Ecken und auch die zwölf Stangen. Zwei sind allerdings kaputt, verbogen, als der Würfel runtergefallen ist.“ Von den Stahlseilen, mit denen der Künstler die Skultpur befestigt hatte, fehlt allerdings noch jede Spur.
Macht nix. Frank Moselewski denkt nach vorn. Lächelnd und mit einem blauen Auge. „Der DIN-Service wird dem Künstler die Reparatur des Würfels anbieten. Das Kunstwerk wird bald wieder im Park hängen.“ Das freut die Bürgermeisterin. Aufgefallen ist ihr das Fehlen der Kunst zwar nicht – somit konnte sie auch nichts vermissen – aber froh darüber, dass es wieder da ist, ist sie doch. „Ich habe Sabine Weiss schon verständigt“, sagte Frank Moselewski. „Wir haben beide herzlich über diese Posse gelacht.“
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