Voerde: Lieder von Bruder und Schwester
VON WOLFGANG HOPPE - zuletzt aktualisiert: 12.09.2006Voerde (RPO). Ein kleines, aber feines Konzert im Voerder Wasserschloss machte das Publikum mit weniger bekannten Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy und seiner Schwester Fanny Hensel bekannt.
Die Briefe
Das Buch „Mendelssohn Barthody Briefe“, aus dem Lena Münchow und Christian Furrer während des Konzertes mit Francone von der Heijden und Ursula Dütschler lasen, ist als Taschenbuch im Fischer-Verlag erschienen. ISBN-3-596-22142-0
„Leise zieht durch mein Gemüt“ und „Auf Flügeln des Gesanges“, die bekanntesten Lieder Felix Mendelssohn Bartholdys, hatten Francine van der Heijden (Sopran) und Ursula Dütschler (Hammerflügel) bei ihrem Konzert im Rahmen des „Musikherbstes“ nicht in ihrem Reisegepäck. Dafür kamen die zwei Dutzend Zuhörer im Wasserschloss „Haus Voerde“ in den Genuss selten zu hörender Lieder aus der Feder von Fanny Hensel, der Schwester des berühmten Komponisten.
Eingebunden in die Konvention, dass der öffentliche Auftritt für eine Frau unschicklich ist, komponierte Fanny zunächst nur für den kleinen Kreis von Zuhörern.
So blühten ihre reizvollen Gedichtvertonungen lange im Verborgenen und im Schatten des Werks ihres dominanten, wenn auch geliebten Bruders Felix. Erst in ihrem letzten Lebensjahr ermunterte er sie zur Veröffentlichung. Von der gegenseitigen großen Zuneigung und vom Leben mit und in der Musik erzählen 5000 Briefe, die Felix von seiner Schwester erhielt. Da er keinen Brief unbeantwortet ließ, muss er ebenso viele geschrieben haben, und das in nur 38 Lebensjahren! Aus diesem Briefen lasen während des Konzertes Lena Münchow und Christian Furrer, zwei Schauspieler der Burghofbühne. Von Fanny Hensel erklang zunächst ein Lied in französischer Sprache: „Serenade de cortez“ nach einem Gedicht von Jean Pierre de Florian, später die beseelt gesungenen Lieder „Nachtwanderer“ und „Schwanenlied“. Nach der Pause war eines der drei Lieder nach Gedichten von Lord Byron, in englischer Sprache, zu hören. Wert und Tiefgang steht denen, die Felix schrieb, in Nichts nach.
Von ihm waren „Neue Liebe“, „Pagenlied“, „Auf der Wanderschaft“ zu hören. Francine van der Heijden, eine Sängerin mit viel Ausdruck und stimmlicher Leuchtkraft, schien sich während der Vorträge immer mehr in die Romantik der Musik und in die der Schlossatmosphäre hinein zu steigern. Besonders das „Nachtlied“ sang sie traumhaft schön, ebenso aber auch das „Lieblingsplätzchen“ („Wisst ihr, wo ich gerne weil in der Abendkühle“). In „Andres Maienlied“, dem einzigen temperamentvollen Lied des Konzertes, konnte ihre Partnerin am Hammerflügel ihr großes pianistisches Können einbringen. Das Instrument, welches in Washington gebaut wurde, begleitet Ursula Dütschler häufig bei ihren Gastspielen.
„Ich werde nie aufhören, so viel auf mich zu halten, solange du mich liebst“, schrieb Fanny Mendelssohn-Bartholdy ihrem Bruder an dem Tag, an welchem sie den Maler Wilhelm Hensel in Berlin heiratete. Und Felix schrieb ihr später einmal: „Die Musik will nicht rutschen ohne Dich“.
Das innere Band, das die beiden innigst miteinander verband, riss erst 1847, dem Jahr, in dem beide innerhalb von fünf Monaten starben.
Die Besucher des Konzertes spendeten zum Schluss langen Beifall. Leider hatten die Künstler vergessen, die vom „Swiss Radio International“ preisgekrönte CD mitzubringen. So bleibt den Zuhörern nur die Erinnerung an ein schönes Musikerlebnis.
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