Dinslaken: Lust auf Klassiker
VON STEFFEN PENZEL - zuletzt aktualisiert: 06.11.2007Dinslaken (RPO). Mit sieben Schauspielern der Burghofbühne und neuem Konzept startete gestern die Literaturwoche an der Ernst-Barlach-Gesamtschule. Und das schien sich bewährt zu haben, wie die Reaktionen der Schüler auf die „Onkel Toms Hütte“-Lesung bewiesen.
Die Erleichterung stand Lars Helmer, stellvertretender Intendant der Burghofbühne, ins Gesicht geschrieben. Mit sechs seiner Schauspiel-Kollegen trat Helmer gestern Vormittag in der Aula der Goetheschule an, den Gesamtschülern der siebten Klasse mit „Gulliver“ und „Onkel Toms Hütte“ zwei Literaturklassiker in Form von szenischen Lesungen ans Herz zu legen.
Und was mit dem stark monologischen „Gulliver“ am Vormittag noch mächtig in die Hose ging, klappte bei „Onkel Tom“ umso besser. Die Gesamtschüler hörten konzentriert zu und verfolgten gespannt die Mischung aus Lesung und kleinen Schauspieleinlagen auf der Aula-Bühne. Und sie zeigten auch bei der anschließenden Diskussion, dass sie sehr wohl verstanden hatten, worum es bei der Geschichte um die Sklaven Tom, gelesen von Erwin Kleinwechter, und Eliza (Iris Kunz) ging. „Das war schon klasse, wie aufmerksam alle waren und wie sehr sie sich auf die Lesung konzentriert haben“, freute sich Helmer nach getaner Arbeit.
So geht es weiter
Heute stehen „Robinson Crusoe“ und „Die Schatzinsel“ auf dem Programm.
Morgen geht es mit „Winnetou“ und „Moby Dick“ weiter.
Debatte über Menschenhandel
Andreas Mayer führte mit ruhiger, klarer Stimme als Erzähler durch die Harriet Beecher-StoweGeschichte. Felix Gattinger, Leif Scheele, Stefan Ey, Lars Helmer, Erwin Kleinwechter und Iris Kunz verliehen Sam, George, Mr. Shelby & Co. mit ihren Stimmen einen ganz eigenen – mal tief traurigen, mal wunderbar heiteren – Charakter. Nach der Lesung wurde mit einer kleinen Debatte über Menschenhandel und Prostitution ein aktueller Bezug geschaffen. Das Konzept, mit den Schauspielern zu arbeiten, ist neu an der EBGS. „Die letzten 16 Jahren haben wir immer auf Autoren gesetzt. Diesmal wollten wir mit Hilfe der Schauspieler und klassischen Werken den Schülern Anregungen zum Lesen geben“, erklärte EBGS-Lehrer Peter Schleußer.
Und das Konzept ging zumindestens bei der zweiten Lesung gestern auf. Denn die meisten Schüler waren ganz angetan von „Onkel Toms Hütte“ und der Inszenierung der Burghofbühne.
„Die machen das sehr gut. Alleine schon, wie sie ihre Texte betonen, gefällt mir. Und das Buch scheint zwar traurig, aber auch sehr spannend zu sein“, befand Dennis Weber aus der 7f.
Das erste Mal einen Einblick in die Welt der Sklaverei in Amerika bekamen Mia Heimann und ihre Freundin Sarah Mohros. „Davon wusste ich bisher nichts“, staunte Mia Heimann.
In einem waren sich die beiden Mädels aber einig. „Die Lesungen mit den Schauspielern sind viel besser als die Autorenlesungen. Wir werden uns das Buch jetzt auf jeden Fall mal in der Bücherei ausleihen.“
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