Dinslaken: Ministerin lobt Landestheater
zuletzt aktualisiert: 26.11.2010Dinslaken (RPO). Vom Treffen der NRW-Landestheater-Intendanten mit Kulturministerin Ute Schäfer in Düsseldorf kehrte Thorsten Weckherlin (Burghofbühne) mit einer guten Nachricht zurück: Die Zuschüsse werden nicht gekürzt.
Bei dem Treffen ging es nicht nur ums Geld. Es ging auch um ästhetische Ansprüche und die Bedeutung der Landesbühnen für Kommunen, die kein eigenes Theater haben. Ralf Schreiner sprach mit Thorsten Weckherlin, Intendant der Burghofbühne Dinslaken.
,Kulturministerin Ute Schäfer hat die künstlerische Arbeit der vier NRW-Landestheater als unabdingbar bezeichnet. Ein schönes Lob.
Weckherlin Ich glaube, die Ministerin weiß genau, wie wichtig die Landestheater sind. Die Burghofbühne legt eben Wert darauf, überall Theater machen zu können. Basisarbeit eines "Gebrauchstheaters" nenne ich das. Wir sind ein Theater, das wirklich über Land zieht und so die wichtige Funktion übernimmt, dass das Bewusstsein für das Medium "Theater" nicht zum Erliegen kommt. Nämlich da, wo sonst kein Theater mehr gespielt wird. Etwa 300 Vorstellungen bestreiten wir im Jahr, 30 davon maximal hier in Dinslaken. Das heißt, wir sind eigentlich ständig unterwegs. Das findet die Ministerin ganz prima.
"Kindertragödie"
Die nächste Vorstellung in Dinslaken: "Kindertragödie" von Karl Schönherr, Inszenierung: Thorsten Weckherlin. Es spielen: Stefanie Obermaier-Staltmeier, Marco Pickart Álvaro und Carsten Caniglia.
Termin: Freitag, 3. Dezember, Beginn 18, Remise im Tenterhof. Für Glühwein und Decken ist gesorgt.
Hat Ute Schäfer auch Aussagen zur finanziellen Unterstützung von Landesseite gemacht?
Weckherlin Es wird nicht gekürzt. Das war eine klare Aussage der Ministerin. Seit 2008 erfahren wir sogar eine leichte Erhöhung der Zuschüsse aus Düsseldorf. 45 Prozent unseres Gesamtetats kommt von der Landesregierung. Republikweit kriseln die Stadttheater wegen knapper öffentlicher Kassen in den Kommunen. Da sind wir als Landestheater zurzeit besser gestellt. Selbstverständlich muss ich jederzeit auch mit Kürzungen rechnen. Die Kommunen sind pleite. Daher ist es wichtig, dass unser größter Zuschussgeber, eben die Landesregierung, nicht kürzt. Dinslaken allerdings hat als Kommune auch nicht gekürzt, das ist schon mal eine tolle Sache.
Vom Kreis Wesel erhält die Burghofbühne 2011 weniger Geld.
Weckherlin Das haut natürlich rein. Allerdings kam die Kürzung gut "vorbereitet"; Landrat Dr. Ansgar Müller hatte mich bereits vor einem Jahr informiert, so dass wir hier gut darauf reagieren konnten. Es ging dabei um 20 000 Euro. Das sind für mich die Produktionskosten für vier Bühnenbilder. Aber wenn Sie sich das letzte Bühnenbild von Kay Anthony angucken, das er für "Der Richter und sein Henker" gemacht hat, da haben wir einfach mal unseren Fundus geplündert und Restholz benutzt. Bei solchen Stücken geht das, natürlich nicht bei Produktionen wir das große Märchen oder beispielsweise "Charleys Tante". Da brauche ich Geld für die Ausstattung.
Ihre Personaldecke ist sehr dünn.
Weckherlin Ja, 24 Leute stemmen das ganze Haus hier, inklusive Reinigungskraft. Deswegen freue ich mich immer wieder über unsere Hauptsponsoren, die Sparkasse und die Stadtwerke Dinslaken, die uns ganz wunderbar unterstützen und nicht nur Ausbildungsplätze finanzieren sonder auch Mitarbeiter in unserem Kinder- und Jugendtheater.
Lässt sich überhaupt noch sparen, wenn die Burghofbühne weiterhin ihrem Anspruch, gutes Theater zu machen, treu bleiben will?
Weckherlin Gutes Theater lässt sich auch mit einer Apfelsinen-Kiste und einem Schauspieler machen. Allerdings würden uns dann nicht mehr die Gastspielorte buchen. Die wollen natürlich die große Geschichte. Uns gelang es dieses Jahr wieder, mehr als 36 Prozent des Etats selbst einzuspielen aufgrund der guten "Verkäufe". Vielleicht ein schnödes, aber treffendes Beispiel für unsere kleine Bühne, wie schnell und wendig das Landestheater arbeitet.
Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie die Burghofbühne 2011 und darüber hinaus?
Weckherlin Ich will, dass wir als Bühne hier in Dinslaken und in unseren Gastspielorten relevant bleiben. Geschichten zu erzählen, die man für wichtig und richtig hält, dabei ein breites Publikum zu erreichen, nicht zu verflachen und sich nicht den Spaß verderben zu lassen, wird immer schwerer, vielleicht sogar unmöglich. Ich wünsche uns allen weiterhin viel Glück und Ausdauer. Beides hat die Burghofbühne, die nächstes Jahr 60 Jahre alt wird, schon immer bewiesen.
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