Dinslaken: Mit Schirm, Charme und Humor
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 29.08.2008Dinslaken (RPO). Den Ringelnatz hat er drauf, den Hüsch und den Busch. Mit Hesse bringt er die Krudenburger zum Schmunzeln und mit Erhardt die Gartroper zum Lachen. Am 14. September ist der Schauspieler und Rezitator Georg Adler mit einer Kästner-Hommage in Dinslaken zu Gast: „Ein Mann gibt Auskunft“.
Kästner und mehr
Zu Georg Adlers Bühnenstationen zählen Düsseldorf, Wuppertal, Neuss, Oberhausen und Dinslaken. Er spielte in Fernsehproduktionen wie „Airport Düsseldorf“ und „Lindenstraße“ mit und betätigte sich als Sprecher bei Hörsspielen.
Aktuell: „Ein Mann gibt Auskunft“, Hommage an Erich Kästner, mit Georg Adler, Sonntag, 14. September, 18 bis 21 Uhr im „Theatertreff“ der Kathrin-Türks-Halle, Eintritt zehn Euro, Anmeldung Volkshochschule: Tel. 02064 413514. „Enthaltsamkeit ist das Vergnügen“, Literaturfrühstück im Haus Krudenburg zum Jubiläumsjahr von Wilhelm Busch, Sonntag, 7. September, 10 bis 13 Uhr, VHS: Tel. 02064 413514. „Ich hab dich zum Fressen gern“, Kultur-Menü im Landgasthof Blumrath, Hünxe-Gartrop, Donnerstag, 25. September, 19 Uhr, Tel. 02858 832890.
Hünxe/Dinslaken Fernsehen war gestern. Theater auch. Wenn Georg Adler über seine Schauspieler-Vergangenheit erzählt, landet er schnell in Gegenwart. „Früher“, erzählt er, da war er der Willy Loman in „Tod eines Handlungsreisenden“. Unter Minetti hat er am Theater Duisburg Goethe gespielt. In Dinslaken gab er unter Hanfried Schüttler in den Nibelungen den Wotan. Bei der „Lindenstraße“ und im „Airport Düsseldorf“ hat er mitgemischt. Und ja: Der Hans-Jörg Felmy, das war „sein liebster Kollege“. Was für Georg Adler früher die Bühne war, sind heute die Kaffeehäuser, Stadtbibliotheken, Restaurants, intime Buchhandlungen und Kleinkunstbühnen. Seit Jahren ist der gebürtige Düsseldorfer, der seit 1991 in Duisburg-Homberg lebt, mit Dichterlesungen unterwegs. Im Gepäck hat Rainer Maria Rilke, Gottfried Benn, Otto Reutter, Robert Gernhardt, Bertolt Brecht, Erich Fried und viele andere. Seit neustem sogar Franz Kafka. „Der Mann hatte Humor“, verrät Adler, „der konnte richtig lachen.“
Zwischen Soest und Hünxe
Was der Schauspieler zwischen Hünxe und Soest, Unna und Voerde und überhaupt im Ruhrgebiet und am Niederrhein an lyrischen Leckereien, literarischen Erkenntnissen, humorvollen Chansons, bissigen Wahrheiten und spöttischen Weisheiten unters Volk streut, ist mit Rezitation nur unzureichend beschrieben. Georg Adler ist kein Mann, der sich an ein Tischchen setzt, das Wasserglas füllt und ein Buch aufschlägt. Wo immer der 71-Jährige einem Dichter die Ehre erweist, tut er’s mit vollem Körpereinsatz. „Ich lese szenisch“, sagt Georg Adler. Das heißt: Er schauspielert. Requisiten gehören dazu, auch das Herumspringen auf der Bühne – „das kann ich mir einfach nicht abgewöhnen“ – und, ganz wichtig, die Nähe zum Publikum.
Als Georg Adler im Frühjahr im Gartroper Schlossgasthof „Blumraths“ vor Heinz Erhardt den Hut zog, trat er im Frack auf. Für seinen Erich Kästner bringt er Regenschirm, Hut und Zeitung mit. Kästner war ein Langschläfer, erzählt Georg Adler. Der ging immer erst nach 17 Uhr ins Kaffeehaus. Und da Adler diesmal nicht zum Literaturfrühstück ins Haus Krudenburg lädt, wo er längst Dauergast ist – „acht Lesungen allein diesem Jahr“ – sondern sich vor dem Jahrhundertspötter im Theatertreff der Kathrin-Türks-Halle am Abend verbeugt, passt das hervorragend.
Der ganze Kästner
Wie nähert sich ein Rezitator dem Vielschreiber Kästner, der zugleich Satiriker, Journalist, Lyriker und Moralist war, der brillante Kinderbücher schrieb und im „Dritten Reich“ zu den „verbrannten Dichtern“ zählte? Wie wird er dessen Werk gerecht, ohne das Publikum zu langweilen oder zu überfordern? Georg Adler zieht bei solchen Fragen gern die weißen Brauen zusammen, legt den Kopf schief und sagt dann: „Gute Frage.“ Bedeutet: Ich mache es einfach. Und wenn er an die Reaktionen des Publikums denkt, kommt er zu dem Schluss, dass er es gut macht. „Ich bin kein Kabarettist“, sagt Adler. Ganz spitze Spitzen sind seine Sache nicht. „Ich will die Leute unterhalten, nicht erschrecken.“ Am politischen Kästner, der als hellwacher Beobachter seiner Zeit klar Stellung bezog und Partei ergriff, führt dennoch kein Weg vorbei. Adler webt an dieser Stelle gern aktuelle Themen ins Programm. Das frischt auf. Über steigende Benzinpreise hat sich im vergangenen Jahrtausend auch Erich Kästner schon aufgeregt. Naturgedichte, Monatsgedichte, „Emil und die Detektive“, ein bisschen „Fabian“, Bissiges, Trauriges, Lachhaftes, Chansons und als Zugabe – wie immer – „Hamlets Geist“. Mit den Früchten aus dem Kästnerschen Füllhorn lässt sich ein dreistündiger Abend leicht gestalten, sagt Georg Adler. Mit Pause, versteht sich.
Auch der Schauspieler gönnt sich hin und wieder eine Auszeit. Wenn er nicht gerade an einem neuen Programm arbeitet, zieht es ihn in die Natur. Schwimmen, Laufen, Spazierengehen, seit neustem mit Hund, einem Labrador-Welpen, der immer ganz traurig guckt. Vielleicht liegt es an Kästner, den Georg Adler beim Gassigehen rezitiert. Vielleicht auch an Kafka, dem alten Witzbold. Adler zuckt die Schultern. „Ich denke immer, warum lacht das Tier nicht, obwohl ich ihm so lustige Sachen erzähle?“ Ist doch klar: Es ist zu jung, versteht noch nichts von Politik und Satire.
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