Dinslaken: Moschee-Streit in Walsum
VON ULRICH SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 21.01.2010Dinslaken (RPO). Der islamische Verband VIKZ will an der Römerstraße ein Kulturzentrum errichten. Es wäre größer als die Moschee in Marxloh. Politiker lehnen das Projekt ab, weil es eine Wochenendbetreuung für Jugendliche beinhaltet.
Knapp zwei Jahre nach einem ersten Vorstoß hat der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) mit Sitz in Köln eine überarbeitete Planung für eine Moschee an der Römerstraße vorgelegt. SPD und CDU in Walsum wollen das Projekt verhindern. Sie befürchten, dass durch die der Moschee angeschlossene Wochenendbetreuung für Jugendliche einer muslimischen Parallelgesellschaft Vorschub geleistet wird.
Der VIKZ will die alte, baulich unzureichend gewordene Moschee an Römerstraße durch ein neues Kulturzentrum direkt gegenüber ersetzen. Es soll vier bis fünf Millionen Euro teuer werden, worin Eigenleistungen der rund 500 Walsumer Gemeindemitglieder einkalkuliert sind. Der aktuelle Entwurf sieht eine Nutzfläche von 4250 Quadratmetern vor, womit der Komplex größer würde als die Moschee in Marxloh. Das Kulturzentrum soll einen 122 Quadratmeter großen Ladenraum, zum Beispiel für einen Lebensmittelhändler, sowie Übernachtungsmöglichkeiten für 40 Jugendliche in einer Wochenendbetreuung umfassen.
Der Verband
Gegründet 15. September 1973 vor dem Hintergrund muslimischer Gastarbeiter in Deutschland, deren Fragen und Bedürfnisse
Mitglieder Dem VIKZ sind bundesweit rund 300 muslimische Gemeinden angeschlossen. Dazu zählen eine Gemeinde in Duisburg-Walsum, Römerstraße 282, mit 148 Mitgliedsfamilien, und eine Gemeinde in Dinslaken-Lohberg, Hünxer Straße 403.
Dieses Konzept ist eine abgespeckt Fassung im Vergleich zum Entwurf von 2008. Damals plante der VIKZ mit 8000 Quadratmetern Nutzfläche, 380 Quadratmetern Verkaufsfläche und 60 Betten. Auf den Widerstand der Walsumer Politiker hin zog der Verband damals seinen Antrag zurück.
Während der VIKZ die Auffassung vertritt, im neuen Entwurf die Sorgen der Öffentlichkeit berücksichtigt zu haben, fühlen sich örtliche Politiker von SPD und CDU ignoriert. "Es ist fast eine Provokation, wie der VIKZ vorgeht", schimpft der Walsumer Bezirksvorsteher und SPD-Chef Heinz Plückelmann. Denn der islamische Verband habe bei seinem ersten Anlauf die unmissverständliche Botschaft erhalten, dass mit der Walsumer Lokalpolitik keine Wochenendbetreuung für Jugendliche zu machen sei. "Und wenn sie in einem dritten Versuch mit 20 Betten ankommen, werden wir auch die ablehnen", sagte Plückelmann der RP.
Seine Befürchtung: In der Wochenendbetreuung mit Übernachtung könnten die Jugendlichen in eine Parallelgesellschaft gedrängt und von Integration abgeschnitten werden. Bezirksvorsteher Plückelmann: "Jeder soll seine Religion ausüben können, keine Frage, aber wozu sind diese Internat-artigen Unterkünfte nötig?" Auch der Walsumer CDU-Vorsitzende Elmar Klein spricht von "Internat-Charakter" und der Gefahr einer Parallelgesellschaft. Dem VIKZ wirft er eine undurchsichtige Informationspolitik vor.
VIKZ-Sprecher Erol Pürlü beteuert dagegen: "Wir wollen kein Internat und auch kein Schülerwohnheim bauen." Die geplante Wochenendbetreuung für Jugendliche sei Teil der religiösen und kulturellen Identität des Verbands. Die Jugendarbeit beinhalte nicht nur Religionsunterricht, sondern sei auch auf Integration ausgerichtet, zum Beispiel durch Vorträge zum deutschen Bildungssystem. Außerdem seien zum Beispiel Suchtprävention und Hausaufgabenhilfe unter der Woche vorgesehn. Mit dem Landesjugendamt, das die Einrichtung genehmigen muss, werde das Konzept eng abgestimmt.
Der islamische Verband rechnet für sein Kulturzentrum in Walsum mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren.
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