Dinslaken: Nächstenliebe über den Tod hinaus
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 20.08.2008Dinslaken (RPO). Vor zehn Jahren startete der Caritasverband für die Dekanate Dinslaken und Wesel den ersten Kursus für ehrenamtliche Mitarbeiter des Palliativ- und Hospizdienstes. Christa Drescher und Kurt Wenn sind bis heute dabei. Mit 26 anderen Helfern begleiten sie Sterbende und Schwerkranke.
Es ist eine große Aufgabe, die die 28 Frauen und Männer übernommen haben: Ehrenamtlich begleiten sie Schwerkranke, Sterbende – Menschen, mit Krebs oder ALS, die Krankheit, an der auch der Künstler Jörg Immendorf starb – und deren Angehörige. Nicht als Pfleger, sondern als psychische Stützen und als sozialer Kontakt. Sie schenken Zeit – den Kranken wie den Angehörigen. Während letztere den Raum erhalten, um in Ruhe Besorgungen zu machen oder sich auf sich selbst besinnen zu können, bleibt den Schwerkranken über ihren Besucher ein Draht zur Außenwelt erhalten. „Leider ist es so: Je kränker jemand ist, desto schneller verliert er die Kontakte“, sagt Brigitte Zeiske von der Caritas. Sie ist gemeinsam mit Beate Herdina zuständig für den ambulanten Palliativ- und Hospizdienst und damit Ansprechpartnerin für die Kranken, deren Angehörige und die Ehrenamtlichen. Gestern wurde im Beratungsbüro der Caritas ein Jubiläum gefeiert: Vor zehn Jahren startete der erste Vorbereitungskursus für Ehrenamtliche des ambulanten Palliativ- und Hospizdienstes. 14 der 28 Ehrenamtlichen haben sich versammelt. Für zwei von ihnen gibt es Blumen und ein besonders herzliches Dankeschön: Christa Drescher und Kurt Wenn gehören zu den Ehrenamtlichen der allerersten Stunde. Seit Januar 1999 sind sie im Einsatz.
Neuer Kursus
Der nächste Vorbereitungskursus zur Ausbildung von ehrenamtlichen Mitarbeitern des ambulanten Palliativ- und Hospizdienstes des Caritasverbandes startet am Montag, 8. September, 18.30 Uhr. Ein Informationsabend findet am Montag, 1. September, 18.30 Uhr, im Caritasbüro am Bahnhofsplatz 3 statt.
Informationen und Anmeldungen unter Tel. 02064 731940 oder 02064 731918.
Seitdem haben sie sehr viele Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet. „Wie viele weiß ich nicht“, sagt Christa Drescher. Sie engagiert sich, weil sie selbst erlebt hat, wie es ist, einen Schwerkranken zu begleiten. 24 Jahre kümmerte sie sich um ihren Mann, der an Multipler Sklerose erkrankt war. Die letzten sechs Jahre vor seinem Tod hatte sie eine Unterstützung. Jetzt hilft sie anderen Menschen und schöpft dabei aus ihrer Erfahrung.
Jeder, der zum Team der Ehrenamtlichen gehört, hat eine andere Motivation: Kurt Wenn verspürte nach seiner Pensionierung vor zehn Jahren das Bedürfnis, seine emotionale Seite zu schulen. „Ich wollte näher an die Menschen herankommen“, sagt der 71-Jährige. Er ist einer von fünf Männern, die sich engagieren. Dankbarkeit war für Irmgard Poth ein guter Grund, um mitzumachen – seit fast zehn Jahren schon. „Mir geht es gut, auch gesundheitlich, und ich möchte etwas davon zurückgeben“, sagt sie.
So unterschiedlich die Beweggründe der Ehrenamtlichen sind, so unterschiedlich ist auch die Arbeit. „Jede Begleitung ist anders“, sagt Christiane Person. Mal dauert sie nur wenige Wochen, mal mehrere Jahre. „Und auch nach dem Sterben ist sie nicht beendet“, ergänzt Berta Neumayr. Oftmals wünschen die Angehörigen eine Trauerbegleitung. Die können die Ehrenamtlichen des Palliativ- und Hospizdienstes nur begrenzt leisten. Sie verweisen dann auf die beiden Trauergruppen, die die Caritas ebenfalls anbietet.
Die Ehrenamtlichen bewegen sich auf einem schmalen emotionalen Grad: Sie erhalten intime Einblicke in die Privatsphäre von Fremden. Eine Beziehung entsteht. Doch zu eng darf das Verhältnis nicht werden – auch aus Selbstschutz. „Die Begleitung hat ein großes Maß an Nähe“, sagt Brigitte Zeiske. Damit diese nicht belastend wird, sei eine klare Abgrenzung nötig, sobald der Besuch bei dem zu Betreuenden beendet sei, sagt Christiane Person. „Nichts mit nach Hause nehmen“, lautet das Ziel. Sie schafft es, indem sie sich im Auto fünf Minuten Zeit gibt, um sich zu sammeln, bevor sie nach Hause fährt. „Es bleibt aber immer ein Rest übrig“, weiß Brigitte Zeiske. „Deshalb ist Supervision nötig.“
Einmal im Monat treffen sich die Ehrenamtlichen mit ihr und Beate Herdina, um in großer Runde über ihre Erlebnisse zu reden. Gibt es akute Probleme, stehen die beiden Ansprechpartnerinnen ihren Ehrenamtlichen auch sofort und individuell zur Seite.
Trotz der schwierigen Arbeit – oder vielleicht auch wegen ihr – strahlen alle Helfer Zufriedenheit, Ruhe und Zuversicht aus. Kurt Wenn ist sich sicher, dass alle, die sich engagieren von einer „spirituellen Motivation“ angetrieben werden. So groß die Aufgabe, so erfüllend ist sie auch. Christiane Person beschreibt es so: „Man gibt etwas, und man bekommt unendlich viel zurück.“
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