Dinslaken: Neue Horizonte – ohne Alkohol
VON HEINZ SCHILD - zuletzt aktualisiert: 30.12.2010Dinslaken (RPO). Als er durch seine Alkoholabhängigkeit den Tiefpunkt seines Lebens erreicht hatte, entschloss sich Jürgen Markert zur Umkehr und begab sich in Therapie. Das liegt 25 Jahre zurück – seither lebt der 56-Jährige abstinent.
WALSUM Als er morgens aufwachte und sein verbeultes und verbogenes Fahrrad sah, wusste Jürgen Markert, dass er in der Nacht fürchterlich abgestürzt war. Langsam stieg dann die Erinnerung in ihm hoch. Volltrunken war er auf dem Heimweg mit dem Rad eine Böschung heruntergefallen. Damals trank er täglich etliche Flaschen Bier und eine Flasche Schnaps. "Schließlich habe ich gemerkt, dass ich ohne Alkohol nicht mehr konnte", erinnert sich der heute 56-jährige Küster der evangelischen Kirchengemeinde Walsum-Vierlinden an den absoluten Tiefpunkt in seinem Leben – er war alkoholabhängig, ein Trinker.
Sankt Camillus
Die Fachklinik Sankt Camillus befindet sich im Duisburger Stadtteil Alt-Walsum, Kirchstraße 12, und versorgt suchtkranke Menschen. Die Therapie erfolgt ambulant oder stationär. Es gibt rund 100 Therapieplätze für Alkoholabhängige und zehn für Drogensüchtige. Chefarzt ist Andreas Brunk.
Die letzte Flasche Bier
Diese Erkenntnis kam schleichend. Als sie dann Gewissheit war, fasste er den Entschluss, sich nicht dem Alkohol zu ergeben und sein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen, es grundlegend zu ändern. Damals war er jung, verheiratet, Vater von drei Kindern. "An jenem Morgen trank ich dann noch eine letzte Flasche Bier, dann sagte ich meiner Familie: ,Das war's mit dem Alkohol'." Anschließend machte er sich zur Fachklinik Sankt Camillus an der Kirchstraße auf und trat eine Langzeittherapie an. Er schaffte es, vom Alkohol loszukommen und ist seit nunmehr 25 Jahren trocken. Für Jürgen Markert ein Grund, mit der Familie, Freunden, Therapeuten aus der Suchtklinik und Wegbegleitern zu feiern.
Jürgen Markert steht zu seiner Alkoholabhängigkeit, sie ist für ihn ein Teil seines Lebens. "In der Therapie habe ich gelernt, mich selbst zu akzeptieren und zu lieben", sagt Markert, der sich selbst als "ökumenischen Christ" bezeichnet. Sein Glaube war es auch, der ihm half, vom Alkohol wegzukommen und sein Leben in neue Bahnen zu lenken. "Der Glaube trägt mich auch heute noch."
Die Kunst für sich entdeckt
Durch seine erfolgreiche Therapie eröffneten sich dem Walsumer völlig neue Horizonte, die ihm sonst verschlossen geblieben wären. Er wandte sich verstärkt der Kunst zu, engagierte sich politisch und sozial. 2004 gründete er den Kunst- und Kulturkreis Walsum, dessen Vorsitzender Markert ist. In seinen künstlerischen Arbeiten – Installationen, Skulpturen, Bilder – greift er religiöse Themen auf, setzt sich mit dem Kreuz als Glaubenssymbol auseinander. Und natürlichen geht es immer wieder um Alkohol und Sucht. "Der Alkohol", sagt Jürgen Markert, "ist ein Kreuz der Menschheit."
Der Fachklinik Sankt Camillus ist der 56-Jährige eng verbunden. Seit vielen Jahren leitet er dort zwei Selbsthilfegruppen für Alkoholkranke. Die eine kommt immer dienstags von 18.30 bis 20.30 Uhr zusammen, die andere Gruppe, die für Neulinge und Interessierte gedacht ist, tagt sonntags ab 18.30 Uhr. Treffpunkt beider Gruppen ist die Camillus-Teestube. Kontakt: Jürgen Markert, Tel. 0203 2986566.
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