Dinslaken: Ohne Prüfungsangst
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 20.10.2007Dinslaken (RPO). Als richtig beurteilen Profis aus der Pflegepraxis den Vorschlag des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, Pflegeheime einer jährlichen Qualitätskontrolle zu unterziehen. Allerdings ist das im Kreis Wesel bereits Standard.
Um Rat fragen
„Schon jetzt ist es jedem Bürger freigestellt, bei der Heimaufsicht anzurufen und sich Rat einzuholen“, sagt Katja Seel von der Pflegedienstleitung im Wilhelm-Lantermann-Haus. Wer für Angehörige einen Heimplatz suche, sollte sich nicht auf Noten verlassen, sondern besser der Einrichtung einen Besuch abstatten.
Dinslaken/Walsum Den Vorstoß des SPD-Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach, Pflegeheime künftig einer jährlichen Kontrolle zu unterwerfen, bewerten Verantwortliche und Entscheidungsträger in Dinslakener und Walsumer Altenpflegeheimen grundsätzlich als positiv. Allerdings sehen sie auch ein Problem: eine weiter ausufernde Bürokratisierung, die zu Lasten der eigentlichen Arbeit – der Pflege alter Menschen – gehen könnte.
„Eine jährliche Prüfung finde ich gut. Dann sieht auch das Heim, wo es steht“, sagt Katja Seel von der Pflegedienstleitung des Wilhelm-Lantermann-Hauses in Dinslaken zu Karl Lauterbachs Vorschlag. Allerdings, sagt sie, ist diese Qualitätsprüfung nicht neu: Im Kreis Wesel sei sie bereits üblich. Wie Katja Seel erläutert, werden alle Pflegeeinrichtungen im Kreisgebiet einmal im Jahr von der Heimaufsicht besucht und getestet. Die Heimaufsicht wiederum arbeitet mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen zusammen. „Werden Mängel festgestellt, kommt der Medizinische Dienst noch mal extra raus“, erklärt Katja Seel das Verfahren.
Die Prüfberichte der einzelnen Einrichtungen für jedermann zugänglich zu machen, so wie Karl Lauterbach es weiterhin vorschlägt, hält Katja Seel in der Idee durchaus für gut. Sie müssten jedoch anders formuliert werden als bisher, damit Angehörige, die einen Heimplatz für Vater oder Mutter suchen, auch etwas damit anfangen können. „Für Laien sind die Berichte unverständlich“, sagt Katja Seel.
Offen gegenüber jährlichen Prüfungen zeigt sich auch Marc Bellermann. „Gut geführte Einrichtungen brauchen davor keine Sorge zu haben“, sagt der Pflegedienstleiter des Altenheims Sankt Barbara Walsum. Schon jetzt würden Pflegeheime intensiv und regelmäßig auf ihre Qualität hin getestet, sagt Marc Bellermann. „Die Medizinische Heimaufsicht prüft jetzt schon jedes Jahr“, so Bellermann. Als Beispiele für weitere stetige Überprüfungen nennt er Besuche durch den Amtsapotheker und für den Lebensmittelbereich durch das Ordnungsamt. Für die Heime seien all diese Besuche mit einem enormen zeitlichen Aufwand verbunden.
Darauf weist auch Caritasdirektor Michael van Meerbeck hin. Der Aufwand, der betrieben werde wegen einer Prüfung und für eine Pflegequalität müsse sich die Waage halten, sagt er. Grundsätzlich sei die Caritas stets offen für Besuche, die die Qualität der Heime testen. „Aber die größte Prüfung ist für uns die Zufriedenheit der Bewohner und deren Angehöriger“, so van Meerbeck.
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