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Dinslaken: Polizei versinkt in Waffen

VON ULRICH SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 06.01.2010 - 13:20

Dinslaken (RPO). Massenandrang zum Ende der Amnestie: Von Weihnachten bis Minuten vor dem Jahreswechsel gaben Besitzer ihre illegalen Gewehre und Pistolen ab. Die Asservatenkammern sind überfüllt.

 Foto: Polizei
Foto: Polizei

dinslaken/voerde/hünxe Die Torschlusspanik der Waffenbesitzer hat die Polizeiwachen kreisweit förmlich überrollt. Nach Weihnachten bis zur Jahreswende gingen allein in Dinslaken täglich gut 50 Pistolen und Gewehre ein. "Die Menschen erschienen in Massen, die letzten an Silvester noch wenige Minuten vor zwölf", berichtet Jürgen Lüdtke, Leiter der Dinslakener Wache.

Kreisweit gingen seit dem 28. Dezember 302 Waffen ein, davon 119 illegale, also ohne zugehörigen Waffenschein. "Im Moment ist hier Land unter, es ist nicht zu schaffen. Unsere Raumkapazitäten reichen einfach nicht aus", stellt Jutta Müller-Hülsemann fest. Sie asserviert die abgegebenen Waffen bei der Kreispolizei, "täglich von 6.30 bis 18.30 Uhr, es ist nicht zu bewältigen, und die übrige Arbeit bleibt liegen", sagt sie.

Info

Entsorgen

Registrieren Bei der Weseler Kreispolizei werden alle abgegebenen Waffen registriert, nach Straftaten überprüft und zu den Zentralen Polizeitechnischen Diensten (ZPD) gebracht.

Abliefern Die ZPD weisen den zentralen Polizeistellen in NRW Termine zu. Die Kreispolizei Wesel hat den nächsten am 29. Januar, darf aber maximal 300 Waffen mitbringen. Für den Rest sind weitere Termine zu vereinbaren.

Vernichten Die ZPD vernichten die abgegebenen Waffen; Metallteile werden eingeschmolzen.

Der Andrang hängt mit einer Amnestie vom 25. Juli 2009 zusammen. Bis zur Mitternachtsstunde am 31. Dezember konnten Besitzer ihre illegalen Waffen straffrei bei den Behörden abgeben. Bis Weihnachten gingen nach und nach knapp 1100 Stück ein, darunter nur wenige illegale; danach überschlugen sich die Ereignisse.

Auslöser der Amnestie war das im Sommer verschärfte Waffengesetz, eine Reaktion auf den tödlichen Amoklauf im schwäbischen Winnenden im März. Seither darf sich die Polizei unangemeldet in Privathaushalten nach Waffen umschauen und prüfen, ob sie ordnungsgemäß gesichert sind. Weil vielen Besitzern Waffenschränke oder Blockiersysteme zu große Umstände oder Kosten bedeuteten, machten legale Waffen sogar den Hauptanteil bei der Rückgabe aus.

Im kuriosesten Stück, das kurz vor Neujahr in Dinslaken einging, steckt ein Kapitel Waffengeschichte. Es handelt sich um einen Karabiner von 1909, eine Soldatenwaffe aus der deutschen Gewehrfabrik Mauser, hergestellt freilich in Peru. Mauser vergab Anfang des 20. Jahrhunderts Lizenzen nach Südamerika. "Der Karabiner hing als Dekoration in einem Partykeller", erzählt Wachleiter Lüdtke und fügt hinzu: "Nach etlichen Waffen würden Sammler sich die Finger lecken."

Das Gros der Waffen haben die Dinslakener Polizisten bei den Besitzern abgeholt. "Damit waren wir einsatzmäßig schon stark gebunden", sagt Lüdtke. Um den Andrang zu veranschaulichen, bemerkt er: "An einem Tag sind wir dreimal zur Kreiswache nach Wesel gefahren, weil unsere Tresore voll waren."

Bei den anderen Wachen im Kreis Wesel stellte sich die Situation kein Deut anders da, weshalb Jutta Müller-Hülsemann Haare raufend betont: "Wir wissen gar nicht mehr, wohin mit all den Waffen. Die Lagerräume sind voll." Allein gestern gingen aus den Wachen 250 Pistolen und Gewehre bei ihr ein, "zurzeit sind es 600, die wir noch asservieren müssen". Das Spektakulärste, das der Polizei untergekommen ist: Bundeswehrmunition für einen Panzer. Da kam gestern sogar das Landeskriminalamt zum Abholen in Wesel vorbei.

Quelle: RP

 
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