Dinslaken: Prinzessin im Spiegel
VON MARKUS HAEGERT - zuletzt aktualisiert: 07.09.2006Dinslaken (RPO). In der Reihe „Das will ich mal werden“ hatte die Kinder- und Jugendbücherei den Dramaturgen des Landestheaters Burghofbühne, Lars Helmer, zu Gast. Er zeigte den Nachwuchs-Stars, was ein Schauspieler alles können muss.
Kristin hebt den rechten Arm. Ihr Spiegelbild gegenüber bewegt sich ebenfalls. Das zehnjährige Mädchen verschränkt die Arme, knickt in der Hüfte ein und schaut verschmitzt. Ihr Pendant tut es ihr gleich. Auch das linke Bein hebt die Blondine nicht allein. Plötzlich fangen beide Mädchen an herzlich zu lachen. Kristins Ebenbild: Freundin Anna. Die zwei besitzen schauspielerisches Talent. Den Traum vom Ruhm und Ehre im Fernsehen haben sie gemeinsam mit der Dritten in ihrem Bunde, der ebenfalls zehn Jahre alten Lea.
Von Lars Helmer wollen sie es nun wissen: „Kann ich jetzt schon zur Schauspielschule?“ Und, vielleicht noch wichtiger: „Was passiert eigentlich, wenn ein Schauspieler stirbt, bevor der Film zu Ende gedreht ist?“ Na ja, auf alle Fragen weiß der Gast in der Kinder- und Jugendbücherei keine Antwort. Aber in so manchem Fall kann er schon weiterhelfen: „Auf die Schule könnt ihr erst, wenn ihr 16 seid. Und vielleicht freut es den einen oder anderen: Das geht auch ohne Schulabschluss. Aber ihr könnt euch bei einer Agentur melden.“ Neben Tieren und Säuglingen gebe es Kinder und Jugendliche en masse im TV und im Kino. Und die müssten ja irgendwo herkommen.
Premiere
Im Stress befindet sich Lars Helmer in diesen Tagen. Die Premiere seiner Interpretation von Max Frischs „Homo Faber“ steht morgen an, die Vorbereitungen befinden sich in den letzten Zügen. Der selbst erklärte Liebhaber von Klassikern wie Schiller und Goethe meinte: „Da sind die Kinder eine echte Erholung.“
Üben mit Musikvideo
Das hätte er nicht sagen sollen. Denn als die Mutter ihre Lea abholen will, wird sie gleich bombardiert: „Lass’ uns zur Agentur gehen.“ Das Selbstvertrauen ist groß. Immerhin: Auch die Aufgabe, als Prinzessin durch den Raum zu stolzieren, hat sie mit Bravour gemeistert. Freundin Kristin plaudert das Erfolgsrezept aus: „Zu Hause üben wir zusammen mit den Musikvideos von den Black Eyed Peas. Dafür haben wir auch eine Karaoke-Maschine. Aber wir wollen auf jeden Fall lieber Schauspieler werden. Da haben wir auch schon mal was einstudiert.“
Vor der großen Karriere fließt jedoch der Schweiß. „Kraft und Einsatz“ sei nötig, erklärt Lars Helmer, um sich als Schauspieler durchzubeißen. Er muss es wissen. Den Posten als Dramaturg an der Burghofbühne bekam er nämlich nicht gleich nach dem Abitur. Gleich von fünf Schauspielschulen wurde der damals 19-Jährige abgelehnt. Fünfmal Vorsprechen. Wie bei „Deutschland sucht den Superstar“, nur brutaler. Erst beim sechsten Versuch überzeugte er.
Dramaturg? „Was’n Stress“
Daher also sein Plädoyer für „Kraft und Einsatz“ und gegen Soap-Castings. Beim Nachwuchs kann er damit nicht wirklich punkten. Vom Theatermann lässt sich die vom TV erzogene Generation nicht einfangen. Auch den Berufszweig des Dramaturgs kann Helmer den Schülern nicht schmackhaft machen. Bis zu 400 Theaterstücke, die gelesen werden wollen, habe er pro Jahr auf seinem Schreibtisch liegen, erzählt der Wahl-Dinslakener. „Was’n Stress!“, entgegnen ihm die Kids.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




