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Dinslaken: Promi-Talk in der Provinz

VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 13.01.2010

Dinslaken (RPO). Ulrich Deppendorf kann nicht tanzen. Udo Di Fabio hat schon als 13-Jähriger Dutschke gelesen. Und dank Adnan Köse glauben die Amerikaner, dass Dinslaken Berge hat. Der Promi-Talk zur Local-Hero-Woche brachte es an den Tag.

Über Kultur diskutierten (v.l.) Asli Sevindim, Ulrich Deppendorf, Udo Di Fabio, Adnan Köse, Thorsten Weckherlin und Thomas Pieperhoff.  Foto: RPO
Über Kultur diskutierten (v.l.) Asli Sevindim, Ulrich Deppendorf, Udo Di Fabio, Adnan Köse, Thorsten Weckherlin und Thomas Pieperhoff. Foto: RPO

Dinslaken ist Kulturhauptstadt. Dinslaken ist Provinz. Was nach Widerspruch klingt, ist keiner. "Die kulturellen Kraftquellen kommen aus der Provinz", sagte Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio, prominenter Ex-Dinslakener, beim Promi-Talk in der Kathrin-Türks-Halle. "Das Ruhrgebiet ist verdichtete Provinz, eine Region mit städtischem Charakter und eigener Identität." So einfach ist das. Es könnte noch einfacher sein, wenn die Menschen hier nicht so bescheiden wären. Ulrich Deppendorf, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, sagte es klar heraus: "Die Region hat größeres Potenzial, etwas aus sich zu machen als jede andere Region in Europa." Es waren nicht allein Erkenntnisse wie diese, die den Abend so unterhaltsam machten. Wenn Promis auf der Couch sitzen – in diesem Fall waren es beige Ledersessel – will das Publikum Persönliches hören, Geschichten, Dönekes und Antworten auf die Frage: Wie viel Dinslaken steckt eigentlich in Uli Deppendorf? Als Moderatorin Asli Sevindim das Mikrofon an Lotte Markworth gab, staunte der Journalist. Am Nachmittag hatte er einen Spaziergang durch seine alte Heimat unternommen, zur Mozartstraße, wo er wohnte, bei Schnier vorbei, wo er sein erstes Bier trank, zu Hackforth, wo er als Tanzschüler scheiterte. Auf eine Begegnung mit seiner alten Grundschullehrerin war Deppendorf nicht vorbereitet. Lotte Markworth erinnerte sich bestens an den kleinen Uli. "Das war son schüchteres Jüngsken. Übertrieben gut war er nicht. Und dass er was Besonderes war, habe ich auch nicht gemerkt. Als ich ihn zum ersten Mal im Fernsehen gesehen habe, war ich platt."

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Funke übergesprungen

Thomas Pieperhoff, Cheforganisator für die Ruhr.2010-Aktivitäten in Dinslaken, ist mit dem Auftakt der Local-Hero-Woche zufrieden. "Der Funke ist übergesprungen", sagte er beim Promi-Talk, die Veranstaltungen seien gut besucht. Die geballte Ladung Kultur, die den Menschen zurzeit in Dinslaken geboten werde, sei zwar auch "ein Stück Überforderung. Aber nur so kommen wir weiter."

Udo Di Fabio ist als Kind mit dem Tretroller von Walsum nach Dinslaken gefahren. Die Stadtbibliothek war für ihn die Tür zur Bildung, das Tor zur Welt. Hier stieß er als 13-Jähriger auf die Schriften von Rudi Dutschke. "Ich habe sie nicht mit dem gleichen Vergnügen gelesen wie Winnetou", gab der Professor zu. Später sei er im mittleren Dienst bei der Stadtverwaltung Dinslaken gelandet. Irgendwann machte er das Abitur nach und ging nach Karlsruhe. Das Ruhrgebiet ist für Di Fabio ein Ort der qualmenden Schlote geblieben. Und in des Richters Hochdeutsch mischt sich noch immer ein wenig Ruhrpott-Slang. Da können Dinge schon mal "fuichbar" sein und die Stadt an der Neckarmündung mutiert ungeniert zu "Heidelberch".

Adnan Köse ist nie weggegangen. In Lohberg aufgewachsen, in Lohberg geblieben, dreht er hier seine Filme, inszeniert Theater. Wer Erfolg haben will, muss nicht nach Berlin, sagt der Regisseur. "Ich hole die Welt hierher, wenn ich möchte." Anschließend transportiert er sie wieder hinaus, beispielsweise in die USA. Köses Film "Lauf um dein Leben" hat die amerikanischen Kinozuschauer mächtig irritiert. Besonders die Szene mit Uwe Ochsenknecht auf der Halde Lohberg. Köse: "Die Leute staunten, dass es in Dinslaken so hohe Berge gibt."

Überraschungsgast auf dem Podium war Thorsten Weckherlin. Der Intendant der Burghofbühne, gebürtiger Hamburger, seit sechs Jahren Dinslakener, fühlt sich wohl hier. Die Stadt sei seine Heimat, seine Familie lebe hier, er könne völlig frei arbeiten. "Dinslaken ist aber auch tiefste Provinz", sagte Weckherlin, in der es "Theaterheinis" nicht immer leicht hätten, Kunst zu transportieren.

Dem Bekenntnis folgte ein flammender Appell. Der Intendant forderte "Theaterzwang" für Schüler. Es sollte selbstverständlich sein, dass jeder Jugendliche einmal im Jahr ins Theater geht. Man müsse die Neugierde auf Kunst "in die Köpfe schlagen". Ulrich Deppendorf appellierte, nach 2010 mit der Kultur weiterzumachen: "Nur nicht aufhören!" Und ja – es sei Zeit, dass wieder ein Tatort-Kommissar aus dem Ruhrgebiet den Dienst antritt. "Oder vom Niederrhein", schlug Adnan Köse vor. "Aus Lohberg."

Quelle: RP

 
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