Voerde: Psychiatrie des Wartezimmers
VON STEFFEN PENZEL - zuletzt aktualisiert: 23.11.2007Voerde (RPO). Mit seinem Soloprogramm „Machensichmafrei, bitte!“ kommt Doktor Stratmann am 1. Dezember nach Voerde. Ältere Zuschauer, so Stratmann, sollten sich dabei nicht von der ersten Programmhälfte verschrecken lassen.
Gut, mitunter – das musste auch Dr. Ludger Stratmann gestern zugeben – könne man sich als Zuschauer älteren Semesters im ersten Teil seines vierten Soloprogramms „Machensichmafrei, bitte!“ aufs Korn genommen fühlen. Schließlich seien die skurrilen Wartezimmer-Geschichten über „Titanich- und Zementhüften“, tschechische Gebisse, Fischgastritis und den Kleingartenverein Bottrop-Batenbrock-Süd nicht für jedermann leicht verdaulich. „Aber“, so versprach Stratmann beim Pressegespräch im Voerder Café Ernstings breit grinsend, „man kann bei mir einen sekundären Krankheitsgewinn erzielen und so manches Zipperlein in handfeste Weihnachtsgeschenke umwandeln.“
Kartenvorverkauf
Gut 600 Eintrittskarten für den Auftritt von Doktor Stratmann am Samstag, 1. Dezember, in der Mehrzweckhalle an der Steinstraße sind noch zu haben. Die Tickets gibt es bei Taxi Dickmann, Schreibwaren Groß, Optik Strobel und Daniel & Haibach zum Preis von 17, 20 und 22 Euro plus Vorverkaufsgebühren. Das Programm beginnt um 20 Uhr. Einlass ist ab 19 Uhr.
Wiedergutmachung angesagt
Und überhaupt, müsse man laut Stratmann als älterer Zuschauer nur die erste Hälfte in der Mehrzweckhalle an der Steinstraße überstehen und nicht dem Impuls folgen, wutentbrannt die Halle zu verlassen. Denn spätestens im zweiten Programmteil ist Wiedergutmachung angesagt. Denn dann stünde ein biographischer Ausflug des Mediziners mit seinen ganz persönlichen Ansichten über Jugendwahn, Spaßverstehen und Frauenfeindlichkeit auf dem Programm. „Dann wird ordentlich auf die Jugend draufgekloppt. Und beschimpft wird sie auch. Da kommen die Alten dann so richtig auf ihre Kosten.“
Im Zentrum von „Machensichmafrei, bitte!“ steht wieder Jupp. In den Augen von Stratmann, selber bis vor zehn Jahren als Mediziner tätig, ist Jupp ein „Extrakt aus 50 wirklich Nicht-Kranken“ und – gerade aus der Sicht der Ärzte – ein „furchtbar nerviger und für uns ziemlich unökonomischer Typ“, der wie wenig andere Patienten die „Psychiatrie des Wartezimmers“ verkörpere. Das Publikum in der Mehrzweckhalle wird zu Mitwartenden und mitunter von Jupp gnadenlos der Gesundheit bezichtigt. Manfred Dickmann, Taxi-Unternehmer und Vorsitzender der Voerder Werbegemeinschaft, hat Doktor Stratmann nach Voerde gelotst. „Schließlich ist er einfach furchtbar komisch. Und er ist schon lange nicht mehr bei uns in Voerde gewesen“, erklärte Manfred Dickmann gestern.
Der Reinerlös der Veranstaltung kommt der Taxistiftung Deutschland zugute. Dickmann: „Dort wird den Familien von verletzten und getöteten Taxifahrern unbürokratisch und direkt finanzielle Unterstützung angeboten.“
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