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Dinslaken: Retter blendeten Tragödie aus

VON ULRICH SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010

Dinslaken (RPO). Zu dem tödlichen Unglück bei der Loveparade in Duisburg rückten auch Berufsfeuerwehr Dinslaken, Johanniter und Rotes Kreuz aus. Die Helfer versuchten, nicht an die Toten zu denken, sondern die Aufgabe tapfer zu erfüllen.

dinslaken/voerde/hünxe Um 4 Uhr in der Nacht, kaum zurück vom aufreibenden Katastropheneinsatz bei der Loveparade, schaltete Feuerwehrmann Ulrich Borgmann daheim den Fernseher ein. Erst jetzt wurde ihm die volle Dimension der Tragödie bewusst. "Das war sehr emotional für mich. Unfassbar, dass so etwas in nächster Nachbarschaft passiert", sagte Borgmann gestern.

Er ist stellvertretender Chef der Dinslakener Berufsfeuerwehr und leitete am Samstag zusammen mit Carsten Hülser vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) einen so genannten Personentransportzug von zehn Fahrzeugen und 25 Helfern. Ihre Aufgabe: Verletzte zu den Krankenhäusern bringen. Als die Rettungseinheit um kurz nach zwei in der Nacht aus Duisburg abrückte, waren seit der Alarmierung gut zehn Stunden vergangen.

Alarm überraschte

Den Personentransportzug bildeten Abordnungen der Feuerwehr Dinslaken, des DRK-Kreisverbands Voerde, der Johanniter Unfallhilfe Dinslaken sowie der Malteser aus Wesel und Xanten. Alle Retter hatten sich für einen möglichen Ernstfall bereit zu halten. Dass am Nachmittag tatsächlich das Alarmsignal bei ihm einging, überraschte Feuerwehrmann Ulrich Borgmann. Denn seine Einheit stand in der Alarmierungskette so weit hinten, dass sie wirklich nur bei größter Gefahr abgerufen würde.

Irritierend für die Retter im Nachhinein: Der Alarm wurde um kurz nach 16 Uhr ausgelöst, knapp 90 Minuten bevor im Katastrophentunnel in Duisburg die tödliche Massenpanik ausbrach. Es scheint, als hätten die Verantwortlichen Schlimmes geahnt.

Eine Viertelstunde vor dem Unglück traf die Einheit von Borgmann und Hülser am verabredeten Treffpunkt auf dem Duisburger Universitätsgelände ein, rückte von dort aus zum Loveparade-Areal vor, ehe die Retter mehreren Behandlungsplätzen zugeteilt wurden. Dorthin kamen Verletzte nach einer ersten Versorgung ihrer Brüche, Quetschungen, Kreislaufzusammenbrüche und wurden zu Krankenhäusern gefahren.

Alle waren sehr bedrückt

Vize-Feuerwehrchef Borgmann berichtete: "Im ersten Lagebericht war noch von zwei Toten die Rede. Erst nach und nach haben wir ein genaueres Bild bekommen." Die Dinslakener Johanniter realisierten erst zwischen 18 und 19 Uhr, welches Drama sich in dem Tunnel abgespielt hatte, wie viele Menschen ums Leben gekommen waren. "Danach waren alle sehr bedrückt, der Einsatz stellte eine sehr große Herausforderung dar", sagte Stefan Vollert, Dienststellenleiter der Dinslakener Johanniter.

Die Organisation der Einsatzkräfte in Duisburg beschreiben Feuerwehr, Johanniter und DRK als größtenteils sehr geordnet. Für schockierte Helfer wurde ein Zentrum für die Notfallseelsorge eingerichtet. "Von uns hat das keiner in Anspruch nehmen müssen, wir waren ja auch nicht direkt an der Unglücksstelle eingesetzt", erzählte Carsten Hülser, Zugführer des DRK Voerde. "Aber wir haben Helfer getroffen, die zu den Ersten vor Ort zählten und Tote gesehen hatten. Die zogen sich früh zurück und gingen zur Notfallseelsorge." Die acht Rotkreuzler aus Dinslaken, Voerde und Hünxe "haben das Ausmaß der Katastrophe im Kopf erst spät realisiert", sagte Hülser. "Für uns hieß es zuerst: helfen. Den Rest blendet man als Einsatzkraft aus, um seine Aufgaben ohne Beeinträchtigung erfüllen zu können."

Quelle: RP

 
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