Dinslaken: Ruhr 2010: Helden aus Dinslaken
VON ANANDA MILZ - zuletzt aktualisiert: 13.01.2010 - 07:29Dinslaken (RPO). Während des Kulturhauptstadtjahres steht jeweils eine Stadt im Ruhrgebiet eine Woche lang im Mittelpunkt – als "Local Hero". Den Anfang macht Dinslaken. Bis zum Wochenende präsentiert sich die Stadt mit Ausstellungen, Theater und Kunstaktionen. Ein Zentrum ist die Zeche Lohberg.
Die Zeiten, in denen die Kumpel ihre Arbeitskleider in der Schwarzkaue ablegten und dort in kleinen Gitterkörben verstauten, sind vorbei. Allerdings existiert dieser Ort auf der Zeche Lohberg bis heute. Doch statt schwarzer Kleider gibt es diese Woche Kunst. Regisseur Adnan G. Köse probt gerade das Stück "Unter Tage", das heute Abend in dem dunklen Raum mit den sehr hohen Decken Premiere feiert.
Köse hat das Stück nicht nur selber geschrieben. Der erfolgreiche Regisseur und Drehbuch-Autor (sein letzter Film: "Lauf um dein Leben – Vom Junkie zum Ironman") ist ein Junge aus dem Revier. "Mein Vater war Bergmann und hat viele Jahre hier in dieser Zeche gearbeitet", sagt er. Als Kunstschaffender ist Köse dem Strukturwandel in der Region jedoch nicht zum Opfer gefallen. Er hat seinen Weg gemacht und ist ein echter "Local Hero".
Zum "Local Hero" wird dieser Tage seine gesamte Heimatstadt. Im Zuge von Ruhr 2010 ist es Woche für Woche jeweils eine Stadt aus dem Ruhrgebiet, die sich mit Kunstaktionen präsentiert. Dinslaken macht den Anfang und bietet bis zum Wochenende Fantasievolles, Kurioses und vor allem – die Menschen zeigen nicht nur ihre Stadt, sie gestalten sie neu und verändern auf diese Weise gewohnte Blickwinkel. Einige ausgewählte Projekte des ersten "Local Hero":
Kreativ-Quartier-Lohberg
Die Zeche Lohberg selbst ist zum Symbol des Wandels geworden. Dem stillgelegten Werk wurde neues Leben eingehaucht, rund zehn Künstler haben dort Ateliers bezogen und nutzen die alte Industriestätte jetzt als Arbeitsort – am Wochenende war Eröffnungsfeier. Bis zum Sonntag, jeweils 11 bis 18 Uhr, geben die Künstler Einblicke in ihr Schaffen und bieten Workshops und Aktionen an. Das Programm gibt es im Internet unter www.kreativquartier-lohberg.de.
Friedenslicht der Religionen
Ebenfalls auf dem Zechengelände strahlt diese Woche das "Friedenslicht der Religionen". Der Lichtmaler Leo Lebendig reist damit durch die Lande und zeigte seine Installation bereits in den Niederlanden und in Israel. Angeordnet wie bei einem Kronleuchter hängen weiße Ornamente von der Decke, die der Künstler mit buntem Licht bestrahlt. Der Lichtkörper besteht aus Symbolen der Weltreligionen, etwa die Menorah aus dem Judentum, das Kreuz der Christen sowie der Namenszug "Allah" aus dem Islam. Mit der Verbindung aller drei Religionen setzt Lebendig ein Zeichen des Friedens. Auch verändert sein Friedenslicht die Halle der Zeche. Angestrahlt wird ein großes Wandbild mit Bergwerksmännern, das durch das Spiel der Farben Teil der Installation wird und sich dadurch erneuert.
Ruhr-Echolot
Der Wandel des Geländes ist aber auch akustisch erlebbar. Klangkünstler Björn Vogelsang experimentiert mit Klangkulissen, die sich mit jedem Besucher verändern. So ortet das Ruhr-Echolot den Nachhall klassischer "Industriegeräusche". Doch während die Klänge von Maschinen und Produktionsvorgängen immer diffuser werden, steuert die Installation aus acht Lautsprechern eigene Ideen bei. Diese Ideen sollen die Besucher selbst sammeln und können ins Mikro gesprochen oder auch gesungen oder gesummt werden. "Je nach dem, was kommt, entsteht eine neue Klangwelt", sagt Vogelsang. Das Ruhr-Echolot kann noch heute, 11 bis 18 Uhr, besucht werden.
Kiosk 422
Wenige Meter vor dem Zechengelände befindet sich ein alter Kiosk, in dem es keine Snacks, dafür aber Ausstellungen und Kunst in Schachteln gibt. An einem alten Zigarettenautomaten kann man die Kunst "ziehen". Die Schachtel kostet fünf Euro pro Stück – alles Unikate, entworfen, gezeichnet, gemalt, komponiert und fotografiert von 50 Künstlern. Im "Kiosk 422" eröffnet heute, 16 Uhr, die Ausstellung "Eine Tüte Gemischtes" von Sabine Büttner.
Lesungen, Singsäule und mehr
Auch die Altstadt und der historische Stadtteil Hiesfeld sind diese Woche Bühne. So wurde gestern das Einkaufen in der Innenstadt zum Hörerlebnis: Schauspieler der Burghofbühne lasen im Pralinengeschäft aus "Chocolat", in einer Parfümerie aus "Das Parfum" – ein lebendiges Hörbuch. Bis Samstag, jeweils 15 bis 20 Uhr, können Passanten selber laut geben und Lieder singen. An der "Singsäule", Freiwilligenzentrale im Pförtnerhäuschen am Rittertor, darf jeder trällern, was er will.
Ein Festivalcafé gibt es in einer Tiefgarage, das allen "Local Heros" täglich ab 16.30 Uhr offen steht. Adresse und das dortige Programm finden sich unter www.dinslaken2010.de.
Mehr zu Ruhr 2010 lesen Sie in unserem Special.
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