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Dinslaken: Schlafkapsel im Tokio-Hotel

VON SVEN SPICKERMANN - zuletzt aktualisiert: 20.08.2008

Dinslaken (RPO). Sven Spickermann aus Hünxe absolviert derzeit ein achtwöchiges Praktikum im Mitsubishi Fuso Werk in Kitsuregawa. Dabei lernt er nicht nur die Arbeitsweise der Japaner, sondern auch Sitten, Gebräuche und sehr kleine Hotels kennen: in Tokio zum Beispiel.

Info

Persönlich

Der gebürtige Weseler Sven Spickermann wohnt seit seiner Kindheit in Bruckhausen. Nach dem Abschluss an der Jeanette-Wolff-Realschule baute Spickermann sein Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium Dinslaken. Nach der Beendigung seiner dualen Ausbildung würde der 23-Jährige gerne als Ingenieur bei der Daimler AG bleiben.

Hünxe/Tokio Letzte Woche sollte ich Tokio kennen lernen. Ehrlich gestanden, hatte ich schon ein wenig Angst, in solch eine unglaublich große Stadt zu gehen, da ich nach meinem Auszug aus Maruyama-sans Haus doch gemerkt habe, dass die Kommunikation nicht mehr so leicht ist, wenn neben einem kein Japaner steht, der mal eben schnell alles übersetzt. Andererseits stand jedoch die Freude auf ein weiteres großes Abenteuer ganz klar im Vordergrund.

Hausnummernsalat

So verließ ich Samstagmorgen recht früh das Hotel in Utsunomiya und erreichte nach einer zweistündigen Zugfahrt gegen 10 Uhr Asakusa. Dieser Stadtteil ist auf Grund des Senso-ji, Tokios ältesten buddhistischen Tempels, sehr bekannt und zieht jährlich Millionen von Besuchern an. Auf Rat meines Gastvaters buchte ich dort ein Hotel. Nach meiner Ankunft hatte ich allerdings schon direkt das erste Problem. Ich wusste nicht, wo sich mein Hotel befand. Natürlich war mir die Adresse bekannt, jedoch bringt dies nicht allzu viel in Japan, da die Häuser und Blöcke nicht wie in Deutschland nach Hausnummern sortiert sind. Hier ist es durchaus so, dass neben der Hausnummer 23 die Hausnummer 342 stehen kann und auch zwei nebeneinander stehende Häuser haben oft unterschiedliche Blocknummern. Ohne Karte und Hilfe hätte ich wirklich alle Straßen und Blöcke ablaufen müssen. Da stand ich also, in einer Metropole mit 17 Millionen Einwohnern (mit Vororten) und keinen blassen Schimmer, wo ich nun anfangen sollte, zu suchen.

In einem Reiseführer über Japan las ich, dass es in solch einer Situation ratsam sei, kleine Polizeistationen, von denen es in Tokio wirklich sehr viele gibt, aufzusuchen, da japanische Polizisten ihren Bezirk wie ihre eigene Westentasche kennen. In meiner Aufregung vergaß ich dies allerdings und so versuchte ich händeringend, irgendwelche Japaner auf Englisch anzusprechen. Glücklicherweise war mein zweiter Versuch ein absoluter Volltreffer. Zwei junge Japanerinnen in meinem Alter versuchten sofort das Hotel für mich telefonisch zu erreichen, doch leider vergebens. Ich schlug vor, Taxifahrer zu fragen, doch die beiden verneinten und meinten, dass Taxifahrer das auch nicht wüssten. Daraufhin boten sie mir an, das Hotel mit mir zusammen zu suchen. So irrten wir über eine Stunde ohne jeglichen Erfolg durch die Straßen.

Nichts für Klaustrophobiker

Kein Mitarbeiter in den 15 Geschäftsläden, die wir betraten, wusste ansatzweise wo wir suchen sollten. Am Ausgangspunkt wieder angekommen, wollten wir schon fast das Handtuch schmeißen, als eine der Japanerinnen ein riesiges Werbeplakat an einer Hauswand entdeckte, „CAPSULE HOTEL RIVERSIDE“. Endlich hatten wir es gefunden. Immerhin hatte ich mir mit umgerechnet 20 Euro pro Nacht eine wirklich sehr günstige Alternative zu einem klassischen Hotel einfallen lassen, ein Kapselhotel. Wie der Name schon verrät, übernachtet man dort in einer Kapsel, die ungefähr die Raummaße zwei mal ein mal ein Meter besitzt. Für Klaustrophobiker also nicht gerade geeignet. In diesen Kapseln befinden sich ein Fernseher, ein in der Wand integrierter Wecker, eine kleine Ablage und ein Spiegel. Ursprünglich waren diese Hotels für alkoholisierte Geschäftsleute gedacht, die ihren letzen Zug in die Heimat verpassten und somit eine günstige Übernachtungsmöglichkeit in Tokyo benötigten. Mittlerweile werden sie allerdings auch Touristen angeboten. An der Rezeption erhielt ich nach dem Check-In Handtuch, Zahnbürste, Rasierer und sonderbare Kleidung. Wie sich später herausstellte, trägt man diese Kleidung während des Ganges zur Dusche und benutzt sie ebenfalls als Pyjama. Als ich meine Kapsel ausfindig gemacht hatte, wunderte ich mich, dass man die Kapseln nicht schließen kann, sondern sie nur ein Blendschutzrollo besitzt.

Sehr ruhig

Aber auch dies war kein Problem , da es nachts wirklich sehr ruhig blieb. Sanitäranlagen und Duschen waren sehr sauber und zudem konnte man kostenlos eine Sauna benutzen. Anfangs hatte mir Maruyama-san sogar geraten, in solch ein Hotel zu gehen, da es eine interessante Erfahrung sei, wie er meinte. Als ich ihm einen Tag vor meiner Abreise von meinen genauen Plänen in Tokio erzählte, meinte er, dass mir bestimmt alles gut gefallen würde, bis auf das Kapselhotel, da hätte er mittlerweile Bedenken.

Quelle: RP

 
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