Dinslaken: Schocktherapie für Schüler
VON FLORIAN LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012Dinslaken (RP). Unter dem Titel "Crash Kurs NRW" fand eine Veranstaltung der Polizei im Gustav-Heinemann-Schulzentrum in Hiesfeld statt. Die Schüler wurden in der Aula mit teilweise drastischen Bildern von Unfällen konfrontiert.
Ein Bild erscheint auf einer großen Leinwand in der Aula des Gustav-Heinemann-Schulzentrums (GHZ). Die Schüler schauen und sehen ein Auto, das kaum beschädigt ist. Daneben liegt, unter einem weißen Tuch verborgen, der Körper eines toten Menschen. "Das war Jan. Jan war 19 Jahre alt", erklärt Polizeihauptkommissar Josef Kuhmann. Der Unfallsachverständige berichtet von einem Motorradunfall.
Jan war auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle. Er hatte verschlafen und wollte sich besonders beeilen. Als er mit rund 40 Stundenkilometern zu viel auf eine Kreuzung fuhr, sah er dort einen Wagen und reagierte über. Er machte mit seinem Motorrad eine Vollbremsung, das Rad blockierte und der junge Mann rutschte von der Maschine. Sein Kopf schlug gegen die Stoßstange. Tod am Unfallort. "Es macht keinen Sinn, mit überhöhter Geschwindigkeit zu fahren, nur um drei bis vier Minuten aufzuholen", sagt der Polizist.
Junge Fahrer als Risiko
Statistik Jeder fünfte Tote oder Verletzte im Straßenverkehr fällt laut Unfallstatistik der Deutschen Verkehrswacht in die Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren.
Zahlen Im Jahr 2010 verunglückten 73 172 junge Menschen in dieser Altersgruppe im Straßenverkehr. 690 von ihnen starben.
Programm Mehr zum Programm "Crash Kurs NRW" gibt es im Internet.
http://crashkurs.nrw.de
Junge Fahrer überschätzen sich
Ähnlich laufen auch die Beiträge der anderen Referenten ab. Alkohol am Steuer, Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr oder Selbstüberschätzung sind die Themen, die hier zur Sprache kommen. "Es sind meist jüngere Fahrer, die sich selbst überschätzen", weiß Feuerwehrmann Frieder Tischkewitz, der die Schüler mit den Folgen eines kleinen Autorennens konfrontiert. Fahrzeuge, die kaum noch als solche zu erkennen sind, Schwerverletzte und Tote. "Es muss ein besonderer Kick sein, sich bei vollem Bewusstsein beide Beine amputieren zu lassen", kommentiert der Oberbrandmeister die Folgen eines solchen Straßenrennens.
Zwischen den Vorträgen von Polizisten, Feuerwehrmann, Unfall-Seelsorgerin und Notarzt gibt es kleine Filme zu sehen. Kurz wie Werbespots zeigen diese auf ziemlich drastische Weise die möglichen Folgen von Fehlverhalten im Straßenverkehr auf. Auf der Leinwand fährt ein junger Mann ein Kind an, weil er einer Frau am Straßenrand schöne Augen macht, ein anderer Mann wirbelt bei einem Unfall unkontrolliert durch eine Fahrzeugkabine, weil er nicht angeschnallt war. "Kein Gurt, keine Entschuldigung", heißt es am Ende des Spots. Ob diese Schocktherapie hilft, ist fraglich. Die Bilder allerdings bleiben im Kopf.
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