Dinslaken: Schreibend über Grenzen
VON HANNE BUSCHMANN - zuletzt aktualisiert: 25.11.2006Dinslaken (RPO). Hardy Krüger in Friedrichsfeld – das ist schon fast eine familiäre Veranstaltung. Donnerstagabend las er im Evangelischen Gemeindezentrum an der Wilhelmstraße.
Voerde-friedrichsfeld Mila Becker, Inhaberin von Buch & Präsent, in Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Heidesiedlung hatte alles organisiert. Schon im vorigen Jahr war der Schauspieler-Schriftsteller hier im Ort gewesen. Seine alten Fans und etliche neue dazu waren gekommen. Der unkomplizierte Hardy Krüger ist beliebt, und er schätzt sein niederrheinisches Publikum.
„Wenn Sie wüssten, wie gern ich komme“, begrüßte er die Hörer. „Ich lese drei Geschichten, die 2007 gedruckt herauskommen; ich probiere sie also an Ihnen aus.“ Das gefiel den Gästen. Krüger schreibt ja ungekünstelt, weder mit hochtrabenden Formulierungen bei notwendigen Erklärungen noch im modischen Primitivjargon. Er weiß zudem, wovon er spricht; er kennt die Weltgegenden, in denen er seine Erzählungen verortet. Diese handeln von Liebe, Glück, Leid und Tod – vom Leben also.
Eifersüchtiger Rabe
Krügers erste Geschichte spielt in Irland. „Wo ich bin, versuche ich, die Grenze zwischen Tourist und Gast zu überwinden. In Irland leben etliche Menschen im Raum des Übersinnlichen“, erklärte der Schriftsteller vorab. Der Fremde, ein Schauspieler, der in der Stadt Kleists „Prinz von Homburg“ darstellen soll, lernt die junge Anne kennen. Sie mag ihn, will aber nicht von ihm umarmt und geküsst werden, lässt sich aber mittags im Hotel von ihm lieben. Dann nämlich fliegt der Rabe, Annes toter erster Mann nicht herum. Dessen Freund, ein Museumsdiener, wurde Annes zweiter Mann. Beide und den Fremden muss sie bei ihren Treffen auseinanderhalten, sonst stürzt sich der Rabe dazwischen.
„Tina – Weihnachten 1943“ lebte in Berlin. Die Film-Komparsin starb dort bei einem Bombenangriff am Heiligen Abend. Ihr Schauspieler-Freund hatte sie gerade seiner Familie vorgestellt. Die reagierte begeistert. Dann heulten die Sirenen.
In den Urwald Brasiliens entführte die dritte Erzählung. Auf dem siebenstündigen Flug in einer einmotorigen Maschine finden sich der deutsche Pilot und die italienische Journalistin. Sie beschließen, im irdischen, von den modernen Machtmenschen bedrohten Paradies der Indios zu bleiben. Die Hörer fühlten die Hitze der Tropen, kauerten in der Kabine, lauschten den codierten Mitteilungen im Cockpit, sahen tief unten Fluss und Lichtung.
Wiedersehen im nächsten Jahr
Die vom Drehbuch inspirierte wörtliche Rede im Text schuf Dabeisein. Applaus! Krüger stellte seine Frau Anita vor, signierte nach der Lesung Bücher und versprach, nächstes Jahr wieder zu kommen.
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